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Einleitung.
Wenzels Wahl. Gründung und Anfänge des schwäbischen Städtebundes. Letzte Lebensjahre Kaiser Karls IV.
Am 10. Juni 1376 wurde Wenzel, der Sohn des Kaisers Karl IV., in Frankfurt a. M. von den Kurfürsten einstimmig zum Könige von Deutschland erwählt.¹) Karl IV. hatte damit einen seiner sehnlichsten Wünsche erreicht: zu seinen Lebzeiten hatte die Wahl seines Sohnes statt- gefunden, und zum ersten Male wieder seit mehr als hundert Jahren sollte der Sohn dem Vater auf dem Throne folgen. Allerdings hatte der Kaiser auch die nötigen Opfer nicht gescheut; un- geheure Summen und ausserordentliche Versprechungen, urkundliche und jedenfalls auch mündliche, haben ihm die Zustimmung der Kurfürsten gewonnen, selbst Demütigungen blieben ihm, dem stolzen Kaiser, nicht erspart. ²)
Von besonderem Interesse sind die Verhandlungen mit dem kurpfälzischen Hause. Am 22. Februar 1375 versprechen Kurfürst Ruprecht I. sowie sein Neffe Ruprecht II. und sein Gross- neffe Ruprecht III. zu Amberg dem Kaiser, daß der jetzige, oder, falls der nicht mehr am Leben, der zukünftige Inhaber der Kurstimme bei der Wahl Wenzel seine Stimme zuwenden wolle:) aber an demselben Tage läßt sich der Kaiser von denselben drei Ruprechten geloben, für den Fall, daß einer von ihnen zum Römischen König erkoren würde, alle Bündnisse und Einungen, die sie mit Karl IV. und Wenzel eingegangen hätten, unverbrüchlich zu halten.4) Weizsäcker, für den die ehrgeizigen Bestrebungen der Pfälzer den Leitfaden für die gesamte Politik unter Wenzel bilden — mit Unrecht, wie wir sehen werden—, deutet im Hinblick auf diese Urkunde die Vermutung an, daß die Pfälzer selbst nach der Krone gestrebt hätten.“) Hiergegen sprechen schon die ein- fachen Thatsachen: das urkundliche Versprechen der drei Fürsten, Wenzel zu wählen, sowie die Einstimmigkeit bei der späteren Wahl. Wenn Ruprecht sagt, daß er auf Grund der eingesehenen schriftlichen Zusagen der anderen Kurfürsten und mit Bedacht auf den Frieden des Reiches und die Einigkeit der Kurfürsten ebenfalls sein Versprechen gebe, so will er damit nur erklären, was ihn veranlaßt, dem damals 14 jährigen Knaben, von dessen Herrschertalenten man keine Beweise hatte, seine Kurstimme zu versprechen. Gewiß faßten die beiden Teile die Möglichkeit ins Auge, daß nicht Wenzel, sondern ein pfälzischer Fürst der Nachfolger Kaiser Karls IV. werden könne;
¹) Deutsche Reichstagsakten(R. A.) unter König Wenzel, herausgegeben von Weizsäcker, Bd. I, Nr. 45. Ueber die Wahl s. Lindner»Die Wahl Wenzels von Böhmen zum römischen Könige«, Forschungen zur deut- schen Geschichte, Bd. XIV, S. 249 ff., R. A., I, S. 1—5.— Jenkner, Über die Wahl König Wenzels, Halle, Diss. 1873. ²) Jenkner, a. a. O. S. 42, 51— 52. ³) R. A., I, Nr. 20, 21. 4) R. A., I, Nr. 22. 5) R. A., I, S. 3.
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