Aufsatz 
Zur Geschichte der Stadt und Herrschaft Limburg a. d. Lahn : 3. Teil
Entstehung
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ein Edler von Isenburg war, der diese Art Burggrafschaft mit bescheidenerem Titel übernahmu¹ss) und Aussicht auf die Stiftsvogtei hatte oder sie schon besass ¹85). Dass es in Limburg so geschah, geht, däucht mir, daraus hervor, dass, als Johann II. von Limburg 1374 den Rest, wie es scheint, seiner Herrschaft Limburg an den Erz- bischof Cuno II. von Trier verkaufte ¹⁰⁰), er sie, abgesehen von den Korngülten, bezeichnet als seinen Teil des Schultheissenamts und seines Teils der Juden, mit welchen als königlichen Kammerknechten(d. h. mit deren Schutz und Schutzgeld) ja auch die Könige seit Anfang des 13. Jahrhunderts belehnten 191). Nach einem Regest zum 10. Juni 1374 ¹⁸²) aber ist der Verkauf die eine der 2 citierten Urkunden bei Hont- heim II, S. 258, wodurch Johann den Limburgern den Verkauf mitteilt, ist datiert vom 12. Juni 1374, also beziehen sich doch jenes Regest und diese Urkunde wohl auf die- selbe Sache(die 2. Urkunde bei Hontheim enthält die Bestätigung des Verkaufs durch den Kaiser) in dem Temporale d. i. der alten unter Erzbischof Balduin begonnenen Sammlung von Urkundenabschriften resp. deren Fortsetzung aus der Zeit des dama- ligen Erzbischofs von Trier, Cuno's II. 193), geradezu bezeichnet als Verkauf der Hälfte der Juden und der Herrschaft zu Lympurg, es ist also dort Schultheissenamt und Herrschaft als identisch aufgefasst. Und doch sagt gerade 1374 nach der Limburger Chronik ¹⁰⁴) bei dem strengen Gericht zu Limburg auf dem Domberge am 5. Juni der Schöffe Johann Boppe, sie wüssten, dass das Gericht der Herren zu Limburg seiüber Hals und Haupt und das seialthergebracht; es wäre demnach mit dem Schul- theissenamt die Blutgerichtsbarkeit verbunden gewesen. Die Blutgerichtsbarkeit, die demnach in demSchultheissenamt der Verkaufsurkunde liegen sollte, durfte ja jetzt ein Bischof ausüben ¹⁹⁸), und Cuno, der mit Johann von Limburg in dem Gericht prä- sidierte, übte sie selbst hier aus. Und wie Rudolf von Habsburg 1285 den Städten Mainz, Worms und Speier ein Privilegium de non evocando(Privileg, durch kein aus- wärtiges Gericht, selbst nicht das kaiserliche Hofgericht vorgeladen und beurteilt zu werden) gewährt hatte ¹⁸⁰⁶), so hatte er auch dem Erzbischof Boemund von Trier 1291 zunächst für die Stadt Mayen plenam et liberam potestatem animad- vertendi in facinorosos et punire scelera nec non justitias altas exercere ¹⁰⁹⁷), dann Heinrich VII. 1309 dem Erzbischof Balduin, seinem Bruder, administrationem temporalium et jurisdictionen plenariam principatus, also für sein ganzes Gebiet verliehen ¹98).

Dass es doch später noch einen Schultheissen neben dem nunmehrigen Dynasten, dem dominus, gab, braucht nicht zu beirren. Es gab ja auch Vögte verschiedener Ord- nung(Ober- und Untervögte). Dieser Schultheiss war für gewöhnlich der Richter erster Instanz, wozu auch schon der frühere Stiftsvillicus erhoben worden war ¹⁹).

Wenn nun etwa ein Isenburger Eidam der Gräfin Adele von Cleberg um 1150

¹188) Die Titel waren überhaupt in den verschiedenen Städten nicht gleich. Vgl. Arnold I, S. 77 ff., 101 ff. u. sonst. ¹³9) Vgl. die Erhebung des Schultheissen zum Vogt in Köln, Heusler, S. 74. Nach Kirchner, Geschichte v. Frankfurt, 1807 10, I, S. 103 war um 1242 der Schultheiss von Frankfurt Ruprecht von Karben zugleich Burggraf von Friedberg. In Frankfurt ging das Ansehen des Stadtvogts auf den Schultheissen über nach Horne-Grotefend, Gesch. v. Frankfurt, 1882, S. 146, Kirchner I, S. 103 f. Nach Grebel, Geschichte v. St. Goar, 1848, S. 285 handhabten Schultheiss und Schöffen schon im 12. Jahrhundert die peinliche Gerichtsbarkeit in St. Goar. ¹0⁰) S. Corden II,§ 261 und die 2 Urkden bei Hontheim. H. Trev. II, S. 258 u. 260. Eine Hälfte von Burg, Stadt, und Herrschaft, auch Juden und Korngülten war schon 1344 verkauft nach Corden II,§ 165 u. 183, Dominicus, Baldewin von Lützelburg, 1862. 8. 505 f. Vgl. die Urkunde bei Wenck I b. S. 309. 191) Vgl. kurz Dietsch-Kohl, Lehrbuch der Geschichte, II. 4 a, 1884, S. 334 f. nach Stobbe, D. Juden in Deutschland während des Mittelalters, 1865, S. 12 u. 202 A. 2. 1¹³²) Görz, Regesten der Erzbischöfe zu Trier, 1861, S. 109. ¹⁹³) S. Marx I, S. 147 u vgl. Dominicus, Baldewin von Lützelburg, 8. 11. ¹⁹⁴) Ausgabe von Wyss, 1883, 8 69. ¹95) Nach Grebel, Geschichte von St. Goar, S. 284 hätte Papst Bonifacius VIII.(1294 1303) es 1298 erlaubt. ¹⁶) Arnold II, S. 113. ¹⁹7) Hontheim. H. Tr. I, S. 823. 188) Honth. H. Trev. S. 37. Vgl. die 2 Urkden von 1314 Honth. H. Tr. II, S. 91 f. u. 94, auch Marx II, S. 59 f. ¹⁸⁹) Pr. II, S. 11.