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Nach der Urkunde bei Grüsner waren 1332 die Lehen der Isenbu rger Vögte folgende: die Vogteien(also partikulare, nicht die Eine Hauptvogtei) der Kirche zu Limburg und des Dorfes Netzbach mit den zu dieser Vogtei ge- hörenden Huben, die Dörfer ElSe(Elz), das aber erst um 1300 dazu gekommen war ¹5³), Brechene(Oberbrechen), Werste(Werschau) ¹*⁴), der Zehnte in Werode(Werod bei Wallmerod), die Hälfte des Dorfes Nünburne(Nomborn bei Montabaur) mit der höheren(Criminal-) und niederen(Civil-) Gerichtsbarkeit in den genannten Dörfern, dazu ein Montabaurer Burglehen in Meynsfelden(Mensfelden). Sehen wir von dem letzteren und von Elz ab, so stimmt mit der Urkunde die Angabe Mech- tel's¹⁵⁵), der der Isenburgischen Vogtei die Dörfer Oberbrechen. Bergen und Netzbach zuteilt, im wesentlicheu überein, wenn es auch einigermassen auffallen mag, dass gerade in der Urkunde statt des Pfarrdorfes Bergen— es ging nach Vogel¹⁵⁶) doch erst um 1490 und zwar„vermutlich durch die Pest“ aus— dessen nahegelegener Filialort Wer- schau genannt ist. Die Herrschaft über die Stadt Limbu rg konnte Balduin nicht zu Lehen geben, sie ging damals zu je einem Drittel vom Reich, von Hessen und von Mainz zu Lehen, wie später gezeigt werden wird. Aber die Isenburger hatten. wie wir sehen werden, wahrscheinlich bereits auch diese, als sie die Vogtei erhielten, und aus der Verbindung des Lehensbesitzes der Stadt Limburg und der Partikular-Vogtei über Oberbrechen. Bergen-Werschau und Netzbach erwuchs eben die Isenburgische Herrschaft Limburg a. d. Lahn. Netzbach freilich ging wieder verloren; wie? das weiss schon Mechtel¹⁵) nicht anzugeben. Im sogenannten Hattsteinischen Kriege(der Rheinischen Städte und ihrer Verbündeten gegen den Rheinischen und Wetterauischen Adel 1384— 1390) ge- hörte es zum Diezischen Gebiet und wurde verbrannt, 1410 versetzte es Adolf von Nassau-Dillenburg-Diez an Mainz¹⁵s). Vogel erklärt¹⁵⁹) das Nezebach der Urkunde von 1129 über die Stiftsbauern, wie oben gesagt, also auch das Netzbach der Urkunde Balduins von 1332 und Mechtel's für das heutige Nesbach. Allein das ist an sich schon gewagt, und nach Vogel's eigener Angabe hiess Nesbach früher Neistinbach und gehörte zur Pfarrei Bergen, während in Balduin's Urkunde eine selbständige Kirche gemeint zu sein scheint.
Mechtel gibt ¹ο⁰) ein Verzeichnis von Stiftsvögten„oder Propstjunkern“, wie er sagt, mit„Untervögten“ und statt deren teilweise auch„Vogtjunker“ d. i. wohl Vogtsvasallen, die nicht als mit den Untervögten durchweg identisch gedacht, scheinen und zu denken sind. Eine Zeit gibt er für seine einzelnen Angaben nicht. Sie sind wahrscheinlich aus Urkunden verschiedener Zeitperioden entnommen. Als obersten Vogt nennt er Gerlach, den Herren von Limburg. Aber da ist wieder nicht klar, welchen von den verschiedenen er meint. Da indessen als Vögte in seinem Verzeichnis auch vorkommen 1. der Graf von Nassau, Herr zu Ellar, Ellar aberiél) 1337 durch Johann von Nassau-Hadamar den Grafen Gottfried und Gerhard von Die⸗ abgekauft wurde; 2. der Graf von Nassau-Vianden, Vianden aber nach dem Aussterben des Mannsstammes der Grafen(1351) erst um 1400 infolge Heirat(1331) der zweiten Erbtochter an Nassau-Dillenburg kam¹⁶²); 3. andererseits der Herr von Merenberg, die Merenberger aber 1328 ausstarben¹³); 4. ein Adeliger von Villmar und diese Adeligen nur von 1299— 1357 vorkommen¹⁴⁴), womit natürlich nicht gesagt sein soll, dass sie gerade um 1357 erloschen: so dürfte das Verzeichnis auf die Zeit Gerlach's II. (1312— 54) hinaufreichen.
¹53)§. Vog., S. 760. 154) Vog., S. 784. 1¹55) Honth. Prodr., S. 1067. 156) Beschr., S. 783. 1¹57) Honth. Prodr., S. 1071. 1¹⁵s) Vgl. v. Arnoldi, Nass. Gesch, II, S. 141 u. III b, S. 236. ¹⁵⁹) 8. 789 u. 264. Auch Schlieph. folgt ihm II, S. 149. ¹60) Prodr., S. 1067. 1¹6¹) nach v. Arnoldi, Nass. Gesch., I. S. 99 u. Vog. S. 756, 361. 1¹6²2) Vgl. v. Arnoldi, II, S. 120. ¹6) nach Wenck, III, S. 313. 1¹64) nach Vog., S. 799.


