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942, worin es heisst, dass das Stift in der Burg(in castello) begründet sei. Eine Be- schreibung der Basilica Konrad's ist unmöglich. Mit Ibach4¹) mögen wir uns dem Stil der Zeit entsprechend darunter eine ziemlich geräumige, länglich viereckige, mehr- schiffige, auf einer Säulen- oder Pfeiler-Arkade ruhende Kirche mit flacher Decke denken.
Die Stiftsgebäude*) wurden, wenn es richtig ist, was nach Corden(I.§. 508) Mechtel in seinen Manuscripten berichtet, dass im 13. Jahrhundert die Propstwohnung samt dem Refectorium und Dormitorium der Canonici in die Vogtsresidenz verwandelt worden sei, auf der Ostseite der Basilica, auf der jetzt das Schloss, errichtet, auch das Refectorium also; denn das bei der letzten Restauration des Domes entfernte sogenannte Refectorium(Rebender, Remter) auf der Nordseites) stammte aus dem 14. Jahrhundert¹⁴¹), wo das gemeinsame Leben aufgehört hatte und die Stiftsgebäude von dem Vogt resp. Dynastee bewohnt wurden. Fraglich wird es dabei freilich wieder, wo denn die Stelle des Schlosses von Konrad Kurzbold zu denken sei, und ob etwa der ehelose und weiberfeindliche Graf sein Schloss zu Stiftswohnungen ganz oder teilweise habe einrichten oder umbauen lassen. Das letztere wäre nicht so ganz unwahrschein- lich. Corden citiert“⁵) aus Mechtel's Manuscripten eine Bemerkung, wonach dass pätere Schloss Propstei und von der Gründung des Collegiatstifts an nichtmehrinweltlichem Besitz(expers terrenae dominications) gewesensei. Mechtel selbst jedoch schreibt in seiner Chronik¹6):„Es sagen die Alten von etzlichen Feuerbrennen, damit diese Stadt und Stifft hoglich beschadigt worden. Es mel- den dessen auch etwas die Annales¹*), wie dan auch die Warzeichen heutiges Tags; so man alhey uff dem Berg in die Erde gribt, erzeigen sich Brandtkolen: was aber die rechteste Ursach Unter gangs gemeiner Beuwe(gemeinsamer Gebäude) dieses Stiffts, ist allein dem ewigen Gott bekant.“ Danach scheint er sich die alten Stiftsgebäude doch nicht im Schlosse gedacht zu haben. Ich möchte hier wenig- stens auch auf die Möglichkeit ähnlicher, etwa durch die oben erwähnte Chortafelin- schrift angedeuteter und danach 1058 zu setzender Vorgänge, wie sie Marx“s) von dem Domstift zu Trier erzählt, hinweisen. Dort verliessen nämlich schon unter Erzb. Theo- derich(965— 975) einmal die Domgeistlichen die gemeinsame Wohnung(Monasterium, Claustrum) und bezogen eigene Häuser in der Nähe des Doms. Da liess aber Erzb. Ludolf(994— 1008) sämtliche Wohnungen der Domgeistlichkeit mit der Domkirche und dem ganzen ihr zugehörenden Bering mit einer Ringmauer umgeben und schuf so eine neue Art von Claustrum, die„Domfreiheit“ jetzt noch genannt. Die weit
ausgedehnte und auch die Kirche einschliessende Ringmauer um den Rand des Domberges
zu Limburg hält freilich Mechtel, wie es scheint4⁹), für ungefähr gleichzeitig mit der Basilica Konrads, und Corden sagt5o) gan⸗ bestimmt, nachdem auf dem Concil zu Aachen 816 beschlossen worden wäre, dass die Immunität der Kirchen solle durch hohe Mauern geschützt werden, seien die schon zur Zeit Kurzb old’s in dieser Aus- dehnung vorhanden gedachten Mauern des castrum nun die septa immunitatis ecclesiasticae geworden. Lotz äussert sich über den Rest der Ringmauer gar nicht, nennt ihn nicht einmal.
4¹) D. Dom v. L., S. 2. 42²) Mechtel nennt(Prodr. S. 1060) als solche: Refectorium, Dormi- torium, Küche und Bäckerei. ⁴³) Es war über einer Kapelle, der jetzigen Heiliggrabkapelle, und eigent- lich nur die Vorhalle, der Eingang in den Versammlungssaal des Kapitels(nach Ibach, S. 18, 34). Nach Busch, S. 24 wurde das Refectorium, also wohl der Saal selbst, einige Jahre vor Erscheinen seines Schrift- chens, das aus d. J. 1841, abgelegt, was wohl identisch ist mit dem von Götze S. 257 erwähnten„Ab- bruch des Kapitelhauses an der Nordwestseite im J. 1830“. 44) Ibach, S. 14; Busch, S. 24; Götze, S. 248. 4⁵) I.§. 508. 46) Honth. Prodr., S. 1066. 47) wohl des Stifts oder teilweise danach angefertigten von Gensbein. S. d. 3. Anhang zur Ausgabe der Limburger Chronik von A. Wyss, S. 109 ff. Sie melden aber dort ausser 2 Bränden, deren erster 1280„die ganze Stadt ausser dem Rossmarkt“, der zweite 1342 „die Hälfte der Stadt“ verzehrt habe, bezüglich des Stifts nur, dass 1379 das Refectorium abgebrannt sei. 48) Gesch. des Erzstifts Trier, IV. S. 25. ¹⁰) 8. oben Teil I, S. 11. 50) I,§. 348.


