Aufsatz 
Zur Geschichte der Stadt und Herrschaft Limburg a. d. Lahn : 2. Teil
Entstehung
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Neffe des eben genannten Gebhard, das Marien-Walpurgis-Stift, wie Schenkungsurkunden von 912, 913 und 915 schliessen lassenb).

Und so folgte denn auch ein anderer Neffe Gebhard's, der schon erwähnte Konrad Kurzbold, dem frommen Brauch des Hauses, indem er an Stelle der kleineren St. Georgs-Kircheé) eineBasilica mit dem Collegiatstift Sti. Georgii gründete, die wir auch, wie die Weilburger Stiftskirche 912, gelegentlich einer Schenkung 910 zum ersten Mal erwähnt finden. In einer noch vorhandenen) Originalurkunde vom 10. Febr. 910 nämlich schenkt König Ludwig das Kind den Königshof Brechen Oberbrechen) demselben zur Dotation des mit derin monte quodam Lintpurc damals wohl nahezu vollendeten Kirche zu verbindenden Stifts.

Konrad, der bei seinen Zeitgenossen den Beinamen Curcipold und zwar, wie Ekkehard(IV.) in der Fortsetzung der Klosterchronik von St. Gallen sagt,a brevitate hattes), wird von Steinꝰ) für denjenigen Konrad gehalten, den man neben einem Eber- hard(wohl Konrads Bruder) in den früheren Besitzungen und namentlich Gaugraf- schaften des reich begüterten Walaho und seines Sohnes Burkhard antrifft, welcher letztere vermutlich der Mutterbruder von Konrad¹o) war. Danach war er 906 ¹¹) Gaugraf im Wormsfelde(dem jetzigen Rheinhessen ungefähr), wie der für seinen Bruder gehaltene Eberhardi²) 921 als Gaugraf im Niddagau und 928 im linksrheinischen Mayenfeld erscheint, der früheren Grafschaft Burkhard's, 927 auch in der Königs- sundra(ungefähr Stadt- und Landkreis Wiesbaden), wo im 9. Jahrhundert wiederholt, Hattonen, von deren Familie die des Walaho einen Zweig bildete, als Grafen auf- treten¹³). Die von jeher Konradinische Gaugrafschaft im Niederlahngau resp. viel- leicht in dessen westlichem Teile ¹¹) besass nach des Vaters Tode Kon- rad Kurzbold. Denn ausdrücklich wird in der erwähnten Dotationsurkunde vom 10. Febr. 910 der Königshof Brechen als imLahngau, seiner Grafschaft, gelegen bezeichnet. Der Eimrichgau, meint Stein¹⁵), habe Konrads Mutter Wiltrude, welche mit dem Sohn zusammen 933 den Zehnten auf den Markungen von Diez im Lahngau und von Braubach und Oberlahnstein im Einrichgau an das Kloster Seligenstadt gab, als Leibzucht zugestanden. Die Grösse und Zahl dieser Besitzungen und Lehen lässt aber schon auf fortdauerndes Ansehen und Macht auch dieses Zweiges der Kon- radiner-Familie schliessen. In der That war es, um nun bei dem Gründer unseres Stifts stehen zu bleiben, sein Vetter Konrad, der spätere König, auf dessen und des Erzb. Hatto von Mainz Bitte Ludwig das Kind die obige Schenkung 910 machte, wie die Urkunde sagt; bezeugt ist ferner Kurzbold's Anwesenheit bei der mit Rüstungen gegen Karl den Einfältigen wohl in Zusammenhang stehenden¹) Versammlung von Grossen im Nov. 920 zu Seelheim in Hessen, wie bei der Zusammenkunft König Heinrichs I. mit Karl 921 zu Bonn zum Zwecke des Friedensschlusses. Und Otto I. hielt immer viel auf ihn:). Bekannt genug sind ja anch die Dienste, welche unser Konrad und seine oben genannten Vettern, Udo und Hermann, Söhne des jüngeren Gebhard, dem Könige im Kampf mit. den Herzögen Eberhard von Franken und Giselbert von Lothringen 939 leisteten. Von Udo und Konrad Kurzbold am Rheinufer gegenüber Andernach überrascht, fiel Eberhard kämpfend und Giselbert versank, da der Kahn, in den er mit anderen geflüchtet, über- laden war, in den Wellen. So wenigstens berichtet der fast gleichzeitige Widukind,

) S. Vogel, Beschr., S. 802, Schlieph., I, S. 354 ff.) S. Teil I.§. 5, S. 12.) im Wiesbadener Archiv. Vgl. Götze in d. Annalen, XIII, S. 242 ff., auch für das Folgende. Die Urkunde ist abgedruckt im Mittelrh. Urkdb. I. S. 219.) S. Stein, S. 325. Kurzebold wurde übrigens auch ein kurzes, prächtiges Obergewand der Frauen und Kurzibald in Frankreich einUeberwurf, den der Priester bei der Messe trägt nach Wein- hold bei Schwartz in den Annalen d. Nass. Altertsv. IX, 1868, S. 365 genannt.) S. 323. 1¹0) St., S. 323, 143, 196. 11¹) St., S. 324. 1¹²) St., S. 326.) St., S. 142 f. Graf des Nahgaues heisst Eberhard 936. ¹4) nach§ 7. ¹⁵) S. 325. 1⁶) S. Waitz, Jahrbücher d. deutschen R. unter Heinr. I., 1863, S. 52 f. u) Stein, S. 325.