Aufsatz 
Zur Geschichte der Stadt und Herrschaft Limburg a. d. Lahn : 2. Teil
Entstehung
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zunehmen¹³) und war im östlichen Teil der Vater des deutschen Königs Konrad, Konrad Senior genannt¹⁴), Graf, im westlichen dessen Bruder Eberhard, Vater von Kon- rad Kurzbold. Richtiger vielleicht betrachtet Kraft, der seinerseits die W. eil als Grenze des Ober- und Niederlahngaues ansieht, so dass ihm Weilburg schon in jenem liegt ¹⁵), Kurzbold's Vater Eberhard als Grafen des ganzen Nieder- lahngaus, wie Konrad Senior als Grafen des Hessen- und Oberlahngaues und nimmt eine Teilung nur des Oberlahngaues und zwar erst unter den zwei jüngeren Söhnen von

Konrad Senior, Eberhard und Otto, an der älteste und spätere König erhielt den fränkischen und sächsischen Hessengau mit Fritzlar der Art, dass Eberhard den

nördlichen Teil mit Wetter, Battenberg, Breidenbach, Otto den südlichen(von Kraft als Mittellahngau bezeichnet) erhalten hätte ¹⁰).. 4

Dass nun Limburg zum Niederlahngau gehörte, darüber besteht keine Mei- nungsverschiedenheit. Und es ward er Mittelpunkt, scheint es, des Nierlahngaues, wie Kraft diesen annimmt, oder nach der Vogel'schen Teilung desselben Mittelpunkt des westlichen Teils¹⁷¹), gleichwie Weilburg(nach Vogel, Historische Topogr., S. 165) oder Gleiberg(nach Kraft, Gesch. v. Giessen, S. 63) des östlichen, resp. Vvon Kraft's Mittel- lahngau. Dabei wird es an Grösse sich wenig von Weilburg unterschieden haben, von dem es bei Schliephake heisst¹s):Obwohl Weilburg schon zu K önig Ko nrads Zeit als ummauerte Stadt bezeichnet wird, so war doch die eigentlich städtische Ansiedlung

sehr gering. Der Ort hatte seine Bedeutung als Veste im Lahngau. Am Fusse des Burgbergs lagen einige Häuser²). Zwischen der Ringmauer und der Lahn stand

Waldung. Die Ortsbewohner gehörten vornehmlich dem päuerlichen Stande an als Höôrige oder Pächter ²⁰). Es stimmt auch damit überein, was wir über Limburg in Mechtel's Chronik²¹) lesen:Sunst, wie aus obigen diplomatis(der Schenkungsurkunde v. 910] eigenen Worten[in monte quodam vocato Lintburc] und sunst an deren

Schriften erkentlig, dass vor erbaeung dieser Kirchen S. Georgii um dass Jar Christi

909 alhey ahn der Lahn umb den Berg herumb ein schlechter Handell gewesen. Und ..... 4 4

weiter:so befindet sich's, dass die Leudt weit aus herumb den Berg gew ohnt haben.

Nachdeme aber der Berg herlig worden, die Kirch und Stifftung vollendet, da seint die Leudte ausen herumb herzugerucket.

In König Otto's I. Urkunde v. 2. Juni 942²²) ist Limburg als castellum bezeichnet. So gut aber. wie 10022³) Weilburg eine civitas. Stadt²*¹), genannt werden konnte, eben- so gut mochte um d. J. 1000 auch von einer civitas Lintburg gesprochen werden können. Wenn freilich v. Stramberg²s) i. J. 1026 Limburg wirklich als civitas bezeichnet sein

¹13) So auch Stein, S. 196 f. und 307. ¹⁴) Das Seniorat ist eine Ende des 8. u. Anfang des 9. Jahr- hunderts aufgekommene Einrichtung, nämlich die auf Privatlente ausgedehnte Befnugniss. Vasallen oder ein Gefolge haben zu dürfen. S. Brockhaus' Convers.-L., 12. Aufl., VII, 1877, S. 69(Gau); Sugenheim, Gesch. d. dtsch. V. I, S. 468 f. ¹⁵) wofür sich noch anführen lässt, dass in der Urkunde des Mitt. Urkdb. I. S. 123 f. aus d. J. 881 Waldhausen und Odinsbach(Odersbach) bei Weilburg, letzteres lahnabwärts, ausdrücklich in den Oberlahngau gesetzt sind. Stein lässt S. 119 den Oberlahngau nurbis etwas unterhalb Giessen reichen und denFamiliensitz der Konradiner(S. 120) Weilburg in dem Nieder- lahngau liegen. ¹6) Gesch. v. Giessen, S. 59 ff. ¹⁷) S. Vogel, Histor. Topogr. v. N. 1836. S. 166; Kraft, Gesch. v. G., S. 60. ¹8) I, S. 357. ¹⁹) Sie bilden also auch wohl eine Art Burgvorstadt, suburbium castelli, wie es in der Urkunde über d. Gründung der Kirche in Humbach(j. Montabaur, s. Schlieph. I, S. 97 Anm.) aus der Mitte des 10. Jahrhunderts heisst. S. Vogel's Archiv d. Nass. Kirchen- und Ge- lehrtengesch. I, 1818, S8. 73. 2²⁰) Vgl. Vogel, Beschr., S. 803. ²½o) Hontheim, Prodromus hist. Trev., S. 1051. 22²) Mittelrh Urkdb. I, S. 238. Wegen des Datums s. oben d. Zusatz zu Teil I, 8. 11, Z. 8. ) bei Kremer, Or. Nass. II, S. 99 f. ²⁴) wie wenigstens auch Schlieph. I. S. 356 übersetzt; Vogel gibt auch castellum Wilineburg in d. Urk. Ottos III. vom J. 1000(bei Kremer, Or. N., II, S. 97) mitSradt Weilburg wieder(Beschr. S. 802). Schon Widukind lässt in seinen c. 970 geschriebenen Res gestae Saxonicae König Konrad I. in civitate sua Wilineburch begraben werden(S. Kremer, Or. N., I, S. 109, A. 1), wofür Regino(r 915) in der Chronik ad a. 905 sagt: in castro, quod Wilineburch vocatur, sepe- lierumn.(den Vater des Königs). S. Kremer, Or. N., I, S. 97, Anm. 2²⁵) im Rhein. Antiqu., Mittelrh. II. 3, S. 547.