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namentlich Köln(Piligrim 1021— 1036 ⁵³), Hermann, Enkel Otto's II., 1036— 1056 ⁵⁴)), Heinrich III. und IV. Bremen(Adalbert 1043— 1072) grössere Macht und höheres An- sehen verschafften. Die seit Siegfried's Tagen allerdings gesunkene, aber wieder ge- wonnene Macht wandte denn vorzugsweise Adalbert I. von Mainz(1111—1137) an, um nicht nur seinen Einfiuss, sondern auch seinen Besitz stets zu vermehren, speciell auch auf Kosten des damals„jämmerlich herabgekommenen und unter der Tyrannei seiner eigenen Vasallen schmachtenden“ ⁵5⁵) Erzstifts Trier. Giesebrecht sagt 5⁶) von ihm: „Wie er früher bereits seinem Bruder Bruno zum Bistum Speier verholfen hatte, suchte er nun(nach seiner eigenen Erhebung auf den erzbischöflichen Stuhl) auch das Bistum Worms und die reichen Abteien am Mittelrhein in seine Gewalt zu bekommen. Die Burgen der ihm benachbarten geistlichen Herren und des Kaisers wusste er mit guten oder schlechten Mitteln an sich zu bringen.— Schon stand er(im J. 1112) wie ein König in Rheinfranken da.“ Zu vergessen ist dabei freilich nicht, dass während der absichtlich verlängerten Vacanzen dem Mainzer Erzstuhl Güter und Rechte entzogen worden waren.
Zum Beweise dafür, dass Adalbert in der Lahngegend seine geistliche und weltliche Gerichtsbarkeit auszubreiten gesucht habe, weist Corden ⁵) auf eine Urkunde aus d. J. 1118 hin ⁵s), wonach Kaiser Heinrich V. dem Kloster S. Maximin den Vasallen desselben Anselm von Molsberg, der ihm von Adalbert, damals noch kaiserl. Kanzler, jetzt Erzb. von Mainz, sammt seinem Lehen„Brichina et Seltris“ schon vor einer Reihe von Jahren ungerechter Weise abgenommen worden sei, wieder zuweist, auf Vermittelung der Erzbischöfe von Köln, Trier, der Bischöfe von Bamberg, Augsburg, Basel und Speier, welcher letztere noch der oben genannte Bruder von Adalbert, Bruno, war, u. a., Brichina(Prich., Prichena) mit den Appertinenzien war freilich der Abtei St. Maximin, die den Hof durch Schenkung bereits 893 besass ⁵9), schon von Kaiser Heinrich III. 60) entzogen und von Abt Theodorich auf seinen Befehl einem„Anshelmoni“(Anselm I. von Molsberg) als Lehen überlassen worden ⁶¹). Obgleich dann Heinrich III. eben 1051 es ihr als ungerechter Weise entrissen selbst wieder zuer- kannt hatte, hatten sich die Molsberger doch im Besitz zu behaupten gewusst 62). Die Urkunde von 1084 6³) erwähnt schon einen Versuch Guntram's von Molsb., des Sohnes von Anselm, sich auch den Verpfiichtungen der Abtei gegenüber zu entziehen, enthält aber einen Vergleich, wonach nun das Lehen verkleinert werden, jedoch erblich sein soll. Adalbert hatte also die Lehenspflichtigkeit nicht anerkannt oder Anselm II. davon entbunden. Ob damit übrigens die Anknüpfung eines Lehensverhältnisses zu Mainz oder gar zu dem Kanzler Adalbert oder irgend welche Vorteile für diesen verbunden waren, ist aus der Urkunde doch wohl nicht ersichtlich 64.— 1119 ernannte der Papst den Adalbert,
53) Giesebr. II, S. 281. 54) Giesebr. II, S. 443. 55) So Giesebr. IV, S. 66. Vgl. auch Marx, Gesch. v. Trier, I, S. 127. 56) III, S. 814. 57) I,§ 238. 58) bei Honth. Hist. Trev., S. 502, vollständig bei Beyer, Mittelrhein. Urkdbuch, I, 1860, S. 508 f. Vgl. über das von Beyer statt 1118 nach Böhmer ange- nommene Jahr 1123 Goerz in den Regesten beim 2. Band des Mittelrh. Urkdbuchs, 1865,§. 675 f. 59) S. Vogel, Beschr. d. Herz. N., S. 782. 60) nicht Heinrich II., wie Vogel, Beschr. d. H. N. S. 257 sagt. Gerade nach der von ihm als Beweis angeführten Urkunde Heinrichs II. von 1023, 10. Dez. wird Prichina im Einrich der Abtei gelassen, während ihr anderes genommen wird. 61) Vgl. die Urkden von Papst Leo IX. und Kaiser Heinrich III. aus d. J. 1051 bei Beyer, Mittelrh. Urkdb. I, S. 386 ff. u. 388 ff. 62) Vgl. Vogel, Beschr. d. H. N., S. 257, Rhein. Antiqu., Mittelrh., II, 3, S. 473. 63) Kremer, Or. Nass., II,§. 144 ff., Beyer, I, S. 439 f. 64) Bemerkenswert scheint für die Kenntnis der Gaueinteilung Nassau's Folgendes: Vogel erklärt in der Histor. Topogr., wie in der Beschr. d. H. N. das urkundliche Prichina für identisch mit dem jetzigen Niederbrechen, wofür insbesondere auch die Zusammenstellung von Brichina mit Seltris in der oben angeführten Urkunde Heinrichs V. v. J. 1118 und der die Rückgabe Anselm's II. von Molsberg an St. Maximin bestätigenden von 1125(Kremer, Or. N. II, S. 157) zu sprechen scheint. Auch Beyer stimmt im topographischen Register zum 1. Band des Urkdenbuchs Vogel bei, ebenso v. Stramberg im Rh. Antiqu., Mitt., II, 3, S. 473 u. Menke im Spruner'schen Atlas auf der Gaukarte. Nun ist aber in der Urkunde Heinrich's II. vom 10. Dec. 1023 bei Kremer, Or. N., II, S. 103 ff., Beyer-Eltester, M.


