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und in der Umgegend, auch in Wiesbaden, bis 285 lag ²), war eine kleinasiatische. Trier war seit Maximian's Erhebung zum Augustus(286) und bis auf Valentinian II.(† 392) sogar wiederholt kaiserliche Residenz. Da konnte es nicht ausbleiben, dass das Christen- tum nach der römischen Rheingegend sich schnell verbreitete. Man nimmt an, dass Mainz bereits um 150 eine christliche Kirche gehabt, und nachweisbar wurde schon im 2. Jahrhundert in Wiesbaden die christliche Lehre, wenn auch vereinzelt und heimlich, geglaubt ³). Unter Constantius Chlorus(292— 306) genossen in dessen Gebiet(diesseits der Alpen) die Christen Schonung, und nach der feierlichen Verkündigung der Preiheit des Glaubens durch das Ediet von Mailand 313 erschienen schon auf dem Concil zu Arles(314) Bischöfe von Trier und Cöln, auf dem zu Sardica im jetzigen Bulgarien 347 solche von Trier, Cöln und Mainz. Ein Schüler des in Sardica erschienenen Bischofs nun, des hl. Maximin(† 349), war der h. Lubenti us, der Apostel des Lahngaus.
Corden gibt„nach alten Dietkircher Papieren“⁴)— vielleicht der vita S. Lubentii, die Hontheim in seiner Historia Trevir. III, S. 971 als in Bolland's Acta Sanctorum citiert anführt?— die sagenhafte Uberlieferung von Lubentius, wie sie jetzt wohl in
der Fortsetzung des Werkes der Bollandisten, das mir nicht zur Hand ist, zum 13. Oktober steht und ohne Quellenangabe im Rhein. Antiqu. 5) übersetzt ist. Danach wurde er von seinen Eltern dem h. Martin, dem späteren(seit 375) Bischof von Tours, gebracht und von diesem getauft, kam in Begleitung von diesem nach Trier und blieb nun bei dem h. Maximin, der ihn weihte und ihm in Cobern an der unteren Mosel seinen Wirkungskreis anwies u. s. w. Das Wunderbarste daraus ist kurz Folgendes. Als der Heilige zu Cobern i. J. 400 gestorben war und in der Kirche des Dorfes be- stattet werden sollte, konnte man lange den Leichnam nicht von der Stelle bewegen. Endlich wählte man die sittlich Reinsten als Träger aus, und diesen gelang es ihn an die Mosel zu bringen in einen Kahn, den man dann ganz sich selbst überliess. Er schwamm dem Rhein zu, dann aber nicht ab-, sondern aufwärts gen Lahnstein und auch die Lahn hinauf und weiter bis zu der Stelle, wo„der Sage nach“ der reiche Dietger von Dehrn ein christliches Bethaus errichtet hatte. Hier hielt er an, und die, welche dem Schifflein am Ufer gefolgt waren, nahmen, während die Erde unter ihren Füssen erbebte, die Leiche auf und setzten sie im Bethause bei.
Der Verfasser dieser vita setzt einmal die Zeit des Heiligen, wo die Lahn noch. von waldigen Höhen umsäumt und ihre Ufer nur spärlich bewohnt gewesen seien, der- jenigen, da die Burgen der Zwingherren und Städte von Räubern(praedonum) und ver- schiedenen Handeltreibenden den Fluss überragten, entgegen und gibt damit wenigstens eine Andeutung seines beträchtlich späteren, wenn auch nicht genaner zu bestimmenden Zeitalters, sowie einen Anhalt für die Bemessung seiner Glaubwürdigkeit.
Dass Lubentius in der Lahngegend das Evangelium gepredigt, darüber hat Corden, wie er ausdrücklich bemerkts), in jenen Papieren gar keine Angabe gefunden. Was v. Stramberg aber?) mit Anführungszeichen zufügt:„Im Gefolge einer von Gott em- pfangenen Offenbarung begab sich Lubentius zu den Germanen jenseits des Rheins, und hat er an dem Flusse Lahn eine Kirche erbaut“, hat Corden aus der Historia Trevir. bei d'Achery s), d. h. zunächst aus Kremer's Origg. Nass. ²) entnommen, Weiteres aus dem Trierer Brevier. Die jetzt noch stehende doppeltürmige Kirche zu Dietkirchen gehört in ihren Anfängen nicht jener Zeit, sondern etwa dem 11. Jahrhundert an und beweist nicht viel für Lubentius' Thätigkeit dort. Wahrscheinlich hatte sie mehrere Vor- gänger ¹⁰), und Corden vermuthet, dass Lubentius an der Stelle, wo später die 1838 abgebrochene ¹¹) Stephanskapelle auf der höchsten Spitze des Felsens nordwestlich von
2) Otto, Geschichte v. Wiesbaden, S. 13 f. 3) 8. Otto a. a. O., S. 69 f. ⁴) I,§ 177. 5) Mittelrhein, II, 3,§. 589 ff. ⁶) I,§ 189.*¹) a. a. O., S. 591. 8) Vett. Soript. Spicilegium. Par. 1653. 9) S. 27, Anm, 16) 8, Ibach, Dom zu Limburg, S. 49 f. 1I) näch Lotz, Baudenkmäler des Reg.-B. Wiesbaden,§. 78.


