tief unten am Fusse des Dom- und Schlossberges in die Lahn fällt, dort„Kassel“ genannt wird. Indessen dass das zum Teil(in der Gegend des Eisenbahndamms) kesselartige Thal, nicht der Felsrücken, auf welchem Burg und Dom sich jetzt erheben, wie Ibach memt ⁴²), den Namen führt, dass Kassel, wie auch Kehrein sagt ⁴³), gleich Kessel(es heisst nämlich auch„der Kassel*¹) sein könnte, lässt diese Stütze als schwach erscheinen. Oder sollte das Castell unten gestanden haben, zur Bewachung der Lahnfurt? Etwa wo später der„Huttig“, nach Mechtel's Chronik ⁴⁴)„die erste forti- fication“, stand? Mit einiger Sicherheitnachzuweisen ist das Römercastell bis jetzt nicht.
DBald nach dem Jahr 200 entstand der Bund der Alemannen, dann auch der der Franken, für dessen Hauptbestandteile Zeuss(S. 327 f.) Watterich(S. 167) u. a. Sigambrer und Chatten halten 4a). Als Grenze beider Völkerbünde aber wird im J. 2 96, scheint es, die Rheinbrücke(offenbar die bei Mainz) genannt 4). Die Gegend von Limburg war also damals wenigstens wohl fränkisch.
Im J. 371 finden wir jedoch das Alemannenvolk der Buccinobanten mit ihrem mächtigen König Macrian— vielleicht durch die Burgunder, welche von der Taubérgegend her nach dem Rhein zu etwa sich eingedrängt hatten, nordwärts ge- schoben— zwischen Main und Lahn. Gegen diese, die Buccinobanten, führte damals Kaiser(364— 375) Valentinian I. einen den ganzen Gau verwüstenden Krieg. Macrian aber fand, als er einen Einfall in das Frankengebiet gemacht hatte, seinen Un- tergang 46). Mögen diese Kämpfe immerhin, wie überhaupt die im 4. Jahrhundert sich wiederholenden, meist von den Römern angestifteten Bruderkriege der Aleman- nen und Franken vorzugsweise in der Wetterau und in Hessen gespielt haben, so berührten sie gewiss zum Teil auch die Gegend der mittleren Lahn und von Limburg.
Und wiederum nicht ohne Kampf wird das Land im Süden der Lahn in den Besitz der Franken zurückgekommen sein. Die Alemannenherrschaft bis an die Lahn hat übrigens nicht bis zu Clodwig's Zeit bestanden, wie man wohl früher an- nahm 4⁷), sondern nach Macrian's Tod(wie lange nachher, ist freilich genauer nicht zu sagen), kam sowohl der südliche Teil Nassau's als, und zwar wahrscheinlich nach dem Abzug der Burgunder im Anfang des 5. Jahrhunderts, so ziemlich der ganze Süden des späteren Rheinfranken bis zur Murg und Sauer an die Franken ⁴s), deren öst- liches, seit längerer Zeit ein besonderes, das ripuarische, bildendes Gebiet und damit wahrscheinlich auch Nassau ⁴⁹) bekanntlich Chlodwig gegen Ende seiner Regierung (481— 511)(durch gewaltsame Beseitigung des Königs Sigbert zu Köln und seines Sohnes Chloderich) mit seinen übrigen Reichen ohne Kampf vereinigte.
§ 4. Christianisierung der Lahnthalbewohner. Der hl. Lubentius.
Ungefähr in die Zeiten Macrian's fällt auch, scheint es, die Christianisierung des Lahngaus ¹). Mainz war schon längst Hauptwaffenplatz für das römische Obergermanien, und die 22. Legion, welche von 43— 104 n. Chr. und wieder von 120 an ständig dort
42) Dom von Limburg, S. 1. 43) im Nass. Namenbuch, S. 470, A. 2. 4⁴⁴) in Hontheim's Prodromus hist. Trev., S. 1052. 44 a) Vgl. Richter, Annalen des fränk. Reichs, 1873, S. 3 f. R. selbst glaubt, die eigentlichen Chatten seien nicht zu den Frankeu zu rechnen, und J. Becker rechnet sie zu d. Alemannen (Nass. Ann. X, S. 170). 45) S. Wenck Hess. Landesgesch., I, S. 18; Seyberth in d. Nass. Ann. IV, S. 446 f. Vgl. J. Becker ebenda X, 1870, S. 186 ff. 46) S. Schlieph. Nass. Gesch. I, S. 45 fl. 41) auch Wenck a. a. O, I, S, 23. 48) S§. Seyberth a. a. O.) auch Schmidt, Hess. Gesch. I, S. 39 und Rommel I, 8. 37. 49) Die Grenze Ripuariens auf der rechten Rheinseite ist, namentlich gegen Süden, sehr unsicher. S. Rich- ter, Ann. des fränk. R. S§. 6.
¹) Vgl. im allgemeinen Vogel im Archiv der Nass. Kirchen- u. Gelehrtengesch. I, 1818, S§. 10 ff Narx, Gesch, dos Erzst, Trier, 1858 1 S. 50 ffej Schliephake, I, 8. 64 ff.


