Aufsatz 
Zur Geschichte der Stadt und Herrschaft Limburg a. d. Lahn : 1. Teil
Entstehung
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Grenzlinie 25). Die genauere Untersuchung des Wehrennetzes in Nassau, die in der letzteren Zeit besonders der verstorbene Rossel sich angelegen sein liess), und die mit mehr Sachkenntniss seit längeren Jahren durch Oberst v. Cohausen eifrig betrieben wird, wird in dieser Beziehung wohl mehr Licht verbreiten. v. Cohausen hat einstweilen von den nach seiner Ansicht nichtrömischen Befestigungen des Reg. B. Wiesbaden eine Aufzühlung veröffentlicht). Spuren, Reste einer solchen Befestigungsanlage an der Stelle des jetzigen Limburg weiss er allerdings keine zu verzeichnen und scheint es nicht zu geben..

Die Untersuchung hat sich auch auf die Strassen der alten Zeit zu erstrecken, bezüglich deren für andere Teile des rechtsrheinischen westlichen Deutschlands weit mehr Klarheit geschaffen ist, als für unsere Gegend, wie die Uebersichten beweisen, welche über alle seitherigen Forschungen der Art und deren Resultate die Abhandlung Em. Hübner's über den röm. Grenzwall in Deutschland ³²) mit der beigegebenen Karte der röm. Grenz- wälle und der zu ihnen führenden Strassen der gallischen und rhätischen Provinzen von H. Kiepert und dem Nachtrag Hübner's ³³), ferner J. Naeher's Abhandlung über das röm. Strassennetz in den Zehentlanden, bes. in dem badischen Landestheil desselben mit der schönen Karte dazu ³⁴) geben. Die Vermutung, dass eine römische Strasse von Wiesbaden zu dem sogenannten Castell, nach J. Schneider 3⁵) richtiger Wartturm, am Zugmantel ³⁵) oder überhaupt zum Pfahlgraben führte, hat sich allerdings, wie Otto in der Geschichte von Wiesbaden ³⁷) sagt, noch nicht bestätigt. Indessen sie liegt zu nahe, und ebenso die, dass diese Strasse in der langen Zeit römischer Herrschaft jenscits und auch(von 12 v. Chr. bis 282 n. Chr. mit Unterbrechungen) diesseits des Rheins zu Kriegszügen oder zu friedlichem Verkehr in der Richtung nach Limburg fortgesetzt worden sei, wenn auch nach der Weise der Deutschen als Erddamm ³⁸). Weist ja die ganze Bodengestaltung des unteren Lahngebiets auf das Limburger Becken als Ziel- und Kreuzungspunkt der Strassen hin, und kennt man doch aus den ältesten Urkunden die Bubenheimer und die Wörsdorfer Strasse, jene nach Vogel die alte Mainzer Strasse nach Limburg, diese die Hochstrasse von Frankfurt über Limburg nach Deutz, nach Schliephake, wie es scheint, und wohl richtiger umgekehrt ³*). Führen doch auch nach Hübner ⁴⁰) durch die Britannischen Befestigungslinien Strassenzüge in Feindesland hinein und liegen Castelle an denselben weit vorgeschoben.Ob sich das Gleiche, fährt er fort,wenigstens für die geschlossene Grenzwehr des germanischen Limes einstmals bei weiteren Nachforschungen ergeben wird, steht dahin, so wahrscheinlich an sich es auch ist. Bis jetet ist meines Wissens kein Strassenzug über den Limes hinaus verfolgt, kein Castell ausserhalb desselben nachgewiesen worden.

Auch die Erforschung dieser Strassenzüge könnte die alte Geschichte der mittleren Lahngegend und Limburgs etwas aufhellen und auch darüber, ob die Römer an der Stelle von Limburg ein Castell angelegt haben, vielleicht Aufklärung geben.

Dass von den Römern auf dem Limburger Domberge, an dessen Fuss die Breite des Flusses und die Werderbildung den Übergang über denselben sehr erleichterte, ein Oastell, wie man es gewöhnlich, auch Corden4¹), als ziemlich sicher annimmt, angelegt, oder eine vorhandene Befestigung benutzt und etwa verstärkt worden sei, hat ja man- ches für sich. Corden führt dafür auch das an, dass das Thälchen des Linterbachs, der

29) Der von der Dornburg ausgehende Graben scheint freilich derselbe zu sein, der als Römergraben

in den Ann. d. V. f. N. A., XV, 1879, S. 366 aufgeführt ist, und von dem v. Cohausen dort kurz sagt:

Er hat mit den Römern nichts gemein. ³⁰) Von ihm: D. römische Grenzwehr im Taunus, 1876.) Ann. d. V. f. N. A., XV, 1879, S. 343 ff. 32) in den Jahrbüchern des Ver. v. Altertumsfreunden im Rheinland

Hloft 63, 1878. 33) im 66. Heft, 1879. 34) ebenda, Heft 71, 1881. 3) Neue Beitr., No. 10, S. 17.)

36) Vogel, Beschr. d. H. N., S. 137 u. Schlieph. I, S. 35. 32) 1877, S. 45. 38) Schneider, N. Beitr., No.

13, 8. 14. 3) S. Vogel, Beschr. d. H. N., S. 190, Anm. u. 411; Schliephake Nass. Gesch,, I, 8. 63 f.

40) D. römlsche Grenzwall in Deutschld, Jahrbb. d. V. v. Alt, im Rheinld, Heft 63, 1878, 8. 40, 41¹]) B. I,§ 102,