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Usipeten und Tenkterer wieder, wenn nicht vielleicht noch, wenigstens teilweise, von früher her, gesessen haben, zwischen den Sigambern(im südlichen Westphalen) und den Mattiakern. Diese Mattiaker nämlich waren das im südlichen Nassau an die Stelle der Ubier gerückte Volk und, wie es wenigstens scheint, ein Theil der Sueven, specieller der Chatten, die in diesem 1. Jahrhundert n. Chr. unter den Sueven immer mehr hervortreten und nach Tacitus ¹¹) vom Rhein aus hinter den Mattiakern wohnten, wohin Caesar und Strabo eben die Sueven setzen. 12) Um 150 n. Chr. nennt Ptolemaeus ¹³) als südlich von den Sigambern, also nach der Lahn zu wohnend Sueven-Langobarden d, nach Zeuss ¹⁴)= Chatten), dann(„eira“) Tenkterer(TET42 und Ingrionen(¹) 15). Seyberth versteht diese Angabe des Ptolemaeus dahin, dass die Tenkterer damals südlich vom Main gewohnt hütten, wie er denn auch gleich Zeuss und F. H. Müller später sie mit den Usipeten den Kern des Alemannenbundes bilden lässt. Ptolemaeus nennt a. a. O. als Rheinanwohner auch Intuergen, deren Namen man in dem des Gaus Einrich wiederzufinden glaubt ¹⁶), wogegen sich als in dem alten Namen keinen Halt findend Kehrein erklärt 1¹7).
Wie immer es sich mit den Angaben des Ptolemaeus verhalten mag, so war nach dem Gesagten die Gegend von Limburg eine Grenzgegend, in welcher verschiedene Stämme an einander stiessen und es gewiss zu manchen heissen Kämpfen kam sowohl zwischen Ubiern und Sueven(Chatten), von denen Caesar ¹8) solche berichtet, als in den langen und oftmaligen Kriegen zwischen diesen und den Römern. Danach könnte man auch vermuten, dass schon in den vorrömischen Zeiten auf dem dazu so geeigneten Domberge über der Lahnfurt Befestigungs- und Verteidigungsanlagen, wie solche sich in ziemlicher Anzahl auf beiden Seiten der Lahn noch heutzutage finden ¹⁹), gemacht worden seien, oder eines der oppida gelegen haben möge, deren Caesar sowohl bei den Ubiern ²⁰) als Zufluchtsorte, um Vieh und alle Habe in Zeiten der Gefahr
darin zu bergen, wie auch weiter im Innern bei den Sueven ²¹) gedenkt.
Als östliche Grenze der Ubier hat man zwar die Linie des ziemlich weit unterhalb Limburgs, bei Ems über die Lahn setzenden Pfahlgrabens angesehen. So J. E. Chr. Schmidt in seiner gründlichen Geschichte des Grossherz. Hessen ²2). Und auch J. Schnei- der, der sich um die Erforschung der alten Grenzwehren und Heerstrassen auf beiden Seiten des Nieder- und Mittelrheins besondere Verdienste erworben, ist geneigt ²³), wie z. B. eine genau festgestellte Landwehr am Niederrhein für die Grenze des Gaus der Usipeten, so überhaupt die Landwehren der Rheingegend für Abgrenzungen solcher Gaue zu halten. Indessen unterscheidet Schneider selbst ²4) Anlagen zur Begrenzung und solche zum Schutze der begrenzten Gebiete, er kennt ferner auch ganze Netze von Land- u. Grenzwehren, auch solche, die mit dem Pfahlgraben in Verbindung stehen ²⁵); Vogel ²⁶) und F. W. Schmidt ²⁷) sprechen von einer Art Pfahlgraben, der von der Dornburg bis Wissen sich hinziehe, dessen Richtung also auf eine Fortsetzung in die Gegend von Limburg schliessen liesse. Ja Schliephake folgert ²s) daraus und aus den als römisch angenommenen Befestigungen bei Panrod und Villmar auf Erweiterung der römischen
1¹) Germ. c. 30. ¹²) Die daraus geschlossene Zugehörigkeit der Chatten zu den Sueven will aller- dings Watterich(Die Germanen des Rheins etc., 1872, S. 35) nicht gelten lassen. Für uns kommt hier darauf nichts an. 1¹³) Geogr. II, 10. ¹⁴) a. a. O. S. 95. 15) nach Rommel, Gesch. v. Hessen I, S. 24, Vogel, Beschr. d. H. N. S. 127, Schliephake N. G. I, S. 59, Böttger, S. 23 im späteren Engersgau. ¹⁶) S. Schliephake, I, 57. 1¹7) Nass. Namenbuch, 1864, S. 631. ¹⁸) Bell. Gall. IV. 3. 1¹⁹) S. Vogel, Beschr. d. IHI. N., S. 130 f. und von Cohausen's Zusammenstellung der Wallburgen u. s. w. in den Ann. d. V. f. N. A. XV, 1879, S. 343 ff., auch abgedruckt in Lotz' Baudenkmälern des Reg.-B. Wiesbaden, herausgeg. v. Fr. Schneider, 1880, S. 462 ff. 20) Bell. Gall. VI, 10. 21) l. c. IV, 19. 22) 1818, I, S. 13. 2³) S. dessen Neue Beiträge zur Geschichte und Geogr. der Rheinlande, No. 13, 1880, S. 29. 24) Neue Beitr., No. 10, 1877, 8. 3. 25) a. a. O. S. 9. 26) Beschr. d. H. N., S. 136. 27) Lokaluntersuchungen über d. Pfablgraben u.*. w. in den Anu. d. V. f. N. A. VI, 8. 182 u. 189. 2¹) Nass. Gesch., 1, 8. 36.


