Aufsatz 
Der schwedische Investiturstreit 1648-1664 / von Heyne
Entstehung
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Reichs- und Kreisschutzes verlustig gemacht. ¹) Es ist bekannt, wie sich Schweden immer mehr noch den Hass Oestreichs zuzog, dadurch, dass es versuchte, die Wahl Leopolds zum Kaiser zu verhindern,²) wie der neue Kaiser dann im Bunde mit Polen, Brandenburg und Dänemark ein Heer nach Norden sendete, dasselbe in Pommern einfallen liess, Schweden zum Reichsfeind erklärte. Es galt die nordischen Fremdlinge ganz vom deutschen Boden zu vertreiben, zugleich aber auch dem befreundeten, von Frankreich arg bedrängten, Spanien Luft zu schaffen. ³)

Bei dem Gang des Krieges war kaum zu erwarten, dass Schweden jemals die Lehn erhalten werde. Björnklou und Schnoilsky, die schwedischen Gesandten in Frankfurt, konnten unter diesen Umständen nichts anderes thun, als beim Erzkanzleramt schriftliche Verwahrung einlegen gegen jeden Nachteil, der daraus entspringen könne, dass Schweden es jetzt unmöglich wäre, die Lehn zu holen. ¹)

Man weiss, wie namentlich Frankreich es war, dem Schweden seine Rettung verdankte. Jenes hatte Spanien endlich niedergeworfen und zum pyrenäischen Frieden genötigt. Der Vorstoss des Kaisers nach Norden hatte der ältern habsburgischen Linie keinen Nutzen mehr gebracht. Und nun warf Frankreich das erhöhete Gewicht seines Anschens zu Gunsten Schwedens in die Wagschale: Es durfte den Bundesgenossen in der Opposition gegen das Haus Habsburg nicht sinken und seinen Einfluss in Deutsch- land nicht schwächer werden lassen. ⁵5) Oestreich selbst hatte aber nach dem pyrenäischen Frieden alles Interesse am Kriege verloren, und so gelang es den Bemühungen Frankreichs, sowie denen Englands und Hollands, den Frieden zu Oliva zu Stande zu bringen, in dem Schweden, trotz seiner Niederlagen, alle seine deutschen Besitzungen behalten durfte.

In den Verhandlungen, die diesem Frieden vorausgingen, wird auch wieder der Lehnfrage gedacht: Die Schweden fordern von den Kaiserlichen, die Hindernissc aus dem Wege zu räumen, die der Investitur im Wege stünden, und die Forderungen, die 1655 vergeblich gestellt waren, zuzugestehen. 6)) Das waren Wünsche, wie Schweden sie schon vor der Kaiserwahl, als man östreichischerseits sich ihm etwas zu nähern für gut befand, hatte laut werden lassen, aber als ein neues Moment trat jetzt das Begehren hinzu, dass eine besondere, ausdrückliche Bestätigung des durch den Stettiner Rezess Erworbenen seitens des Kaisers im Lehnbrief erfolgen möge.

Das Verhalten Leopolds und des Kurfürsten von Brandenburg hatte diesen Wunsch hervorgerufen. Als letzterer sich Oestreich gegen Schweden anschloss, hatte man ihm Versprechungen gemacht, dass er Pommern, son patrimoine légitime, wie es wohl der spanische Gesandte im Haag nannte, erhalten solle. 7) Dies durchzusetzen, das musste er bei der Haltung Frankreichs und der übrigen Staaten bald einschen, war einst-

¹) s. Pufendorf, Carol. Gust. IV, 68. Theatrum Europaeum VIII p. 185, 387(edit. II).

2) s. Pufendorf, Carol. Gust. V, 22 ff.

3) s. Pufendorf, Frid. Guil. VI, 63. Pufendorf, Carol. Gust. V, 60. VI, 62, 67. Stenzel, Preussische Geschichte II, 141. Droysen, Preussische Politik III, 2, 375. 4

4) s. Pufendorf, Carol. X Gust. V, 60. Bericht und Bewandnis p. 5. Beilage C. Diar. Europ. III, 429. Theatr. Europ. VIII, 995. Lundorp, act. publ. VIII, 616.

5) Geijer-Carlson, Gesch. Schw. IV, 376.

6) s. Pufendorf, Carol. Gust. V, 57, 120. VII, 5. Pufendorf, Frid. Guil. VIII, 57.

7) s. Erdmannsdörffer, Graf Waldeck p. 421. Pufendorf, Frid. Guil. VIII, 28. Lundorp, act. publ.

VIII, 616.