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feierlich in Empfang zu nehmen. ¹) Krockow war der festen Ansicht, dass er sie erhalten würde, zumal, brächte er einen grossen Geldbeutel mit. Die Reichshofräte, schrieb er an seinen Herrn, freuen sich auf Oxenstjernas Ankunft, wie die Kinder auf den heiligen Christ; jeder hofft 1000 Dukaten an Laudemien zu erhalten, und jeder wird für Uebertra- gung der Lehn sein. ²)
Hin und wieder freilich liess man doch laut werden, dass der Kurfürst nicht ganz ohne Hoffnung sei, seinen Zweck zu erreichen. Gewisse Pläne des Kaiserlichen Hofes mussten es angemessen erscheinen luassen, den Wünschen des Kurfürsten sich entgegen- kommend zu zeigen. Man äusserte, der Kurfürst werde gut thun, wenn er in Person dem Kaiser seine Angelegenheit vortrüge; auch Krockow war der Ansicht. 3) Nach langem Zaudern entschloss sich der stolze Herr dazu.
Der Kaiser war im Juli 1652 nach Prag gegangen, um daselbst die Wahl seines Sohnes Ferdinand zum römischen König zu betreiben. Nichts lag dem alternden und kränkelnden Mann damals mehr am Herzen, als die Nachfolge auf dem Kaiserthron seinem Hause zu sichern.
Dorthin brach auf mehrmalige Einladung der Kurfürst auf, dort hatte sich schon Oxenstjerna eingefunden. ¹) In überaus ehrenvoller Weise empfangen, blieb der Kurfürst vom 15.— 26. November in Prag.— Da erschien unter dem 11./21. November 1652 ein Kaiserliches Dekret, welches bestimmte, Schweden solle nicht eher zu Sitz und Stimme im Reichstag zugelassen werden, auch nicht eher Indult oder Investitur erlangen, als bis Hinterpommern seinem Eigentümer übergeben sei. ⁵)
Schon vor Erlass dieses Dekrets hatten die Reichshofräte mit Ueberreichung des In- dults inne gehalten, endlich dasselbe ganz kassiert. 6) Die Herren mochten wohl desbezüg- lichen Befehl von Oben bekommen haben, hatten übrigens auch bald gewittert, dass Oxen- stjerna mit leerem Beutel gekommen war, und da war bei ihnen alle Freundschaft für Schweden erloschen. Das Verlangen des Gesandten in Unterhandlungen über den Lehn- brief zu treten, wies man mit der Entschuldigung ab, dass augenblicklich zu viel zu thun und der Hofrat geschlossen sei. Oxenstjerna mussto gänzlich unverrichteter Sache ab- ziehen. ⁷) Nicht einmal empfangen wurde er vom Kaiser. Es hiess, man könnte ihn nicht empfangen, da er die Ehren eines königlichen Gesandten in Anspruch nähme, wührend er in anbetracht des Lehnsgeschäfts nur ein herzoglicher würe und als solcher empfangen wer- den könnte.— Der erste ernstliche Versuch Schwedens die Lehn zu erhalten, war hiermit gescheitert.
Nicht so sehr seiner persönlichen Gegenwart, nicht so sehr der Gerechtigkeit
¹) Pufendorf, comm. rer. Suec. XXIV, 11.
²) Urkd. und Akt. Krockows Bericht vom 8./18. September 1652. Pufendorf, comm. rer. Suec. XXIV, 9. Moser, deutsches Staatsrecht VI, p. 524: die Laudemien waren vom Kaiser den Reichshofräten als Accidenz zur Besoldung überlassen.
3) Urkd. u. Akt. Krockows Berichte vom 1./11. September und 2./12. Oktober 1652. Horn an den Kf. 15./25. September 1652.
4) s. Urkd. u. Akt. IV, p. 921. Pufendorf, Frid. Guil. III, 63. Pufendorf, comm. rer. Suec. XXIV, 11.
⁵) Das Prager Dekret s. v. Meiern, acta comitialia Ratisbonensia I, 21. Droysen, Preuss. Politik III, 2, 96. Pufendorf, Frid. Guil. III, 63.
6) s. Urkd. u. Akt. IV, 909.
*) s. Pufendorf, comm. rer. Suec. XXIV, 8—11. Ranke, Genesis des preussischen Staates p. 246.


