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dischen Truppen, die es besetzt hielten, geräumt zu werden brauche, als bis man über die Grenzen einig sei. ¹)
Die fremden Soldaten im Lande, die dasselbe aussaugten und sich darin ganz wie Herrn benahmen, ihr Verbleiben abhängig gemacht von der Beendung der Grenztraktaten, so schien es nicht allzuschwer, den Brandenburger bald gefügig zu machen. Auf ernst. lichen Beistand der Reichsstände war für ihn nicht zu hoffan, waren sie doch alle nach dem furchtbaren Kriege auf's Höchste ermattet und friedebedürftig.— Ohnmächtig und isoliert stand der Kurfürst den ungemessenen Ansprüchen Schwedens gegenüber.
Nachdem die schwedische Politik dies in Nürnberg durchgesetzt, und die dort tagende Versammlung sich aufgelöst hatte, ging der gewandte Björnklou als schwedischer Resident nach Wien. Unter andern sollte er wenigstens Unterhand lungen über die Be- lehnung einleiten und einer künftigen Hauptgesandtschaft die Wege ebnen. ²)
Aber ei frig durften die Unterhandlungen einstweilen noch nicht geführt werden: dazu war die pommersche Grenafrage bei der Zühigkeit des Kurfürsten von Brandenburg noch zu wenig weit gediehen. So mussten denn dreiviertel Jahre verfliessen unter Titel- und Cere- moniellstreitigkeiten, bei denen die schwedische Königin, trotz des neuen vasallitischen Ver- hältnisses, ihre Souverainität auch dem Kaiser gegenüber behaupten, der Kaiser hingegen seinerseits das Abhängigkeitsverhältnis auch im Aeussern darstellen wollte. ³) Erst als im November 1651 die Grenze in Pommern festgestellt war, zeigte sich Björnklou in betreff des Titels und Ceremoniells entgegenkommender und erbot sich zu Verhandlungen über die Lehnsangelegenheit. ¹)— Er fand einen Gegner an dem brandenburgischen Gesandten Krockow. ⁵)
In den bisher zu Stockholm und Stettin über die pommersche Grenafrage ange- stellten Verhandlungen hatten sich die Forderungen der Schweden als so exorbitant ge- zeigt, dass der Kurfürst weiter darauf einzugehen sich nicht zu entschliessen vermochte.
Im November 1651 war zwar endlich nach eklem Feilschen der Grenzzug festge- setzt worden.— Es war geschehen nicht nach dem Sinn des I. P., sondern die Privatinter- essen habgieriger, schwedischer Donatare hatten dabei den Hauptausschlag gegeben. Die Stadt Kammin und ein grosser Streifen Landes am rechten Oderufer waren dem Kur- fürsten verloren gegangen; von den sehnsüchtig begehrten Odermündungen sah er sich nun gänzlich ausgeschlossen.— Doch trotz Festsetzung der Grenze machten die Schweden noch nicht die geringste Anstalt Hinterpommern zu räumen. ⁵)
Auf eine merkwürdig unpräzise Stelle im I. P. gestützt,*) erhoben sie jetzt die Forderung, die Seezölle, die sie wührend des Krieges in den von ihnen besetzten Ostsee-
¹) s. Meiern, acta execut. pac. I, 219. Pufendorf, Frid. Guil. III, 40.
2) s. Pufendorf, comment. rer. Suec. I. XXII, 50. XXIII, 8. Urkd. u. Akt. IV, 890.
³) s. Pufendorf, comment. rer. Suec. III, 9. Moser, Deutsches Staatsrecht, III, 40, 429. Droysen, Geschichte der preussischen Politik, III, 2, 90(1. Aufl.)
4) s. Pufendorf, comm. rer. Suec. XXIV, 5, 11. Pufendorf, Frid. Guil. III, 60. Hier muss man sich durch das Datum 2. Febr. nicht irreführen lassen. Nach dem Memorial des brandenburgischen Gesandten Krockow an den Kaiser muss Björnklou schon vor dem 31. Januar st. n. den Kredenzbrief überreicht haben. s. Urkd. u. Akt. IV, 895. Moser, Erläuterungen des westfälischen Friedens II, 250.
5) Seine Berichte s. Urkd. u. Akt. IV, p. 890 ff.
6) Die Stettiner Grenzverhandlungen s. Urkd. u. Aktenstücke IV. Pufendorf, Frid. Guil. III, 9— 52, 58.
⁷) I. Pac. Osn. X, 13. Ad haec concedit(Imperator) eidem(Regiae Majestati Sueciae) moderna


