17 9. Politische Verhältnisse.
Mit der Frage: In wieviel Staaten haben sich die Bewohner der skandinavischen Halbinsel zusammengeschlossen? geht der Unterricht zur Besprechung der staat- lichen Verhältnisse über. Die beiden Staaten Skandinaviens sind schon öfter genannt worden; es sind Schweden und Norwegen. Beide sind Königreiche. Durch die Fragen: Welchen Teil der Halbinsel nimmt Norwegen ein? und: Zu welchem Staate gehört das Flachland größtenteils? wird wiederholt, daß Norwegen den weitaus größten Teil des Gebirges einnimmt, und daß das Flachland bis auf einen kleinen Teil zu Schweden gehört. Der Gegensatz zwischen der baltischen und atlantischen Seite Skandinaviens, der bis jetzt überall zutage getreten ist, spiegelt sich auch in der politischen Einteilung wieder.
Die bedeutenderen Städte beider Staaten sind bei der Besprechung der Erwerbszweige schon fast alle erwähnt worden. An dieser Stelle werden sie unter Zusammenfassung zu Gruppen behandelt. Man kann die wichtigeren Städte in Industrie-, Handels- und Bergbaustädte einteilen. Stockholm, die Hauptstadt Schwedens, am Ausgang des Mälar-Sees auf vielen Inseln schön gelegen*) ist bedeutend als Industrie- und Handelsstadt; es ist mit 300 000 Einwohnern die volkreichste Stadt Schwedens.(Die Angabe der Einwohnerzahlen dient nur zur Veranschaulichung der Bedeutung der einzelnen Städte.) Als nächst wichtigste Handelsstadt kann Gotenburg am Ausifluß des Göta-Elfs gelten. Die Bedeutung dieser Stadt läßt sich aus ihrer Lage leicht erklären. Durch geeignete Fragen finden die Schüler, daß von Gotenburg aus Dänemark, Deutschland und England in kurzer Zeit erreicht werden können, und daß die Stadt durch den Göta-Elf und den Göta-Kanal und auch durch Bahnen mit dem Ackerbaugebiet Südschwedens in Verbindung steht. Gotenburg ist eine Stadt mit 140 000 Einwohnern. Als Mittelpunkt der Streichholzindustrie ist Jönköpping den Schülern schon bekannt. Im südlichen Bergbaugebiet liegen Sala(Silber), Falun(Kupfer) und Dannemora (Eisen). Ihren Ausfuhrhafen haben diese Bergbaustädte in Gefle. Südlich von Dannemora liegt Upsala, die alte schwedische Universität. Die bedeutendste Berg- baustadt im nördlichen Schweden ist Gellivara.
Die Besprechung der norwegischen Städte beginnt mit der Frage: Inwiefern stimmen alle wichtigeren Städte Norwegens in ihrer Lage überein? Sie liegen alle an der Küste. Daß dies, wie erwähnt, eine Folge des Handels und des Verkehrs ist, ergibt sich durch die Frage: Warum haben sich die bedeutenderen Städte gerade an der Küste entwickelt?.
Die größte Stadt Norwegens und zugleich seine Hauptstadt ist Christiania.**) Es kann seiner Lage nach mit Gotenburg verglichen werden. So konnte sich auch Christiania zu einer Großstadt entwickeln; es hat ungefähr 230 000 FEinwohner. An der Westküste liegen Bergen und Drontheim. Bergen ist der wichtigste Fischhafen der Westküste. Weiter im Norden finden wir Narvik. Durch eine Bahn ist Narvik mit dem Bergbaugebiet von Gellivara verbunden und dadurch eine schnell aufblühende Hafenstadt geworden. Ganz im Norden liegt Hammerfest, die nördlichste Stadt der Erde. Hammerfest ist durch seine eigentümlichen Beleuchtungsverhältnisse bekannt. Infolge seiner nördlichen Lage(jenseits des Polarkreises) geht die Sonne im Sommer 2 ½ Monate nicht unter und im Winter 2 ½ Monate nicht auf. Die lange Polarnacht wird aber oft durch die Polarlichter gemildert. Auf die Erscheinung der Polarlichter gehe ich unter Benutzung von Bildern etwas ein.
Als Abschluß der Besprechung Skandinaviens findet nun eine Gesamt- wiederholung statt, in der allerdings nur das Wichtige und für Skandinavien Eigentümliche erwähnt werden kann. Oberall müssen aber die ursächlichen Zusammenhänge noch einmal deutlich hervortreten.
*) Nebenkarte S. 108. **) Nebenkarte S. 108.
Buchdruckerei Wilh. Traumüller in Oppenheim.


