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8. Volksdichte.
Von der Entwicklung der Erwerbszweige ist die Volksdichte abhängig. Dicht bewohnt kann ein Land nur dann sein, wenn die Natur und die Lage des Landes überall lohnenden Erwerb ermöglichen. Die Besprechung der Volksdichte wird durch die Fragen eingeleitet: Worauf hat die Entwicklung der Erwerbszweige großen Einfluß? und: Welcher Zusammenhang besteht zwischen der Entwicklung der Erwerbszweige und der Volksdichte? Die Tatsache, daß Skandinavien im allgemeinen nicht stark bevölkert sein kann, und ihre Begründung ergeben sich im Unterricht durch die Fragen: Was für Volksdichten kann Skandinavien im allgemeinen nur haben? und: Warum muß die Dichte im allgemeinen gering sein? Die ungleichmäßige Entfaltung des Erwerbslebens ist die Ursache der ungleichmäßigen Verteilung der Bewohner. Darauf weisen die Fragen: Welcher Teil Skandinaviens hat wohl eine höhere Volksdichte? und: In welchen Teilen der Halbinsel muß die Volksdichte dagegen geringer sein? So finden die Schüler, daß das Flachland und besonders der Süden dichter bewohnt sein müssen als die Westküste, und daß diese wieder höhere Dichten hat als der Gebirgsrücken. Als Ursache dieser verschiedenen Verteilung der Bewohner wird ohne Schwierigkeiten die erwähnte verschiedene Ausbildung der Erwerbstätigkeit erkannt.
Diese Ergebnisse werden nun dahin zusammengefaßt, daß Skandinavien im allgemeinen dünn bevölkert ist, und daß besonders das südliche Flachland höhere Dichten aufweist als die Westküste und der Gebirgsrücken. Die Bestätigung der Richtigkeit gibt die Karte.“*) Auch durch Zahlen lassen sich diese Verhäftnisse gut veranschaulichen. Aus der Zahl der Bewohner und aus der Größe des Landes läßt sich die Dichte berechnen. Hier ist eine geeignete Stelle, von der Größe Skandinaviens zu reden. Skandinavien ist 770 000 qkm groß, also um 230 000 qkm größer als Deutschland. Aber seine Einwohnerzahl beträgt nur 7 460 000. Aus diesen Zahlen ergibt sich eine Dichte von ungefähr 9. Skandinavien ist das am schwächsten bevölkerte Land Europas. In derselben Weise werden aus den entsprechenden Zahlen die Dichten Schwedens und Norwegens berechnet. In Schweden wohnen 12 Menschen auf 1 qkm, in Norwegen nur 7. Diese Zahl lassen den Unterschied zwischem dem Westen und Osten deutlich hervortreten.
Es liegt nahe, im Anschluß an die Behandlung des Erwerbslebens und der Volksdichte auf die Stammeszugehörigkeit der Bewohner einzugehen. Das geschieht an der Hand der Völkerkarte Europas,**) aus der unter Anleitung durch Fragen alles Wissenswerte herausgelesen werden kann. Skandinavien ist zum größeren Teil von Germanen bewohnt, die in Schweden und Norweger zerfallen. Sie werden vielfach auch als Nordgermanen bezeichnet. Ein Rückblick auf die Geschichte dieser Germanen bietet mancherlei Interessantes. Aus dem frühen Mittelalter sind die Norweger unter dem Namen Normannen oder Wikinger als ein kühnes Seevolk bekannt und gefürchtet, das die Küsten anderer Länder Europas mit verheerenden Raubzügen heimsuchte. In Frankreich, und zwar in der heutigen Normandie, ist ein Teil der Normannen seßhaft geworden. Auf ihren Fahrten besuchten die Normannen lsland und Grönland; um das Jahr 1000 sind sie sogar an die Küste Nordamerikas gekommen. Im Dreißigjährigen Krieg haben die Schweden als Kämpfer für die protestantische Sache unter ihrem König Gustav Adolf eine bedeutende Rolle gespielt. Der große Kurfürst führte später Krieg mit den Schweden(Schlacht bei Fehrbellin). Die heutigen Norweger und Schweden sind durchweg Protestanten.***)
Das nördliche Skandinavien ist nicht von Germanen bewohnt; seine Bewohner sind Lappen und Finnen. Aus der Karte sehen die Schüler, daß diese Stämme zur gelben Rasse gehören.
*) S. 81. **) S. 80. ***)§. 81.


