Aufsatz 
Geschichte des Weilburger Gymnasiums 1540-1817 / von Ferdinand Heymach
Entstehung
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49 lich gern zu verzeihen, wenn er sie bei solchen Gelegenheiten un- berücksichtigt liess.

So verfolgte Schellenberg ruhig und bestimmt, mit klarem Blick für das Notwendige sein Ziel, und er hatte die Freude, dass die Anstalt unter seiner Leitung schon bald wieder emporkam. Schon 1780 konnte er berichten, das Gymnasium weise einen merklichen Zuwachsvon mehreren und zum Theil entfernteren Orten auf. Doch Schellenberg gab sich damit nicht zufrieden. Er sann auf an- dere Mittel und Wege, die Frequenz noch weiter zu heben, und verfiel so auf den Gedanken, mit dem Gymnasium eine Art Han- delsschule zu verbinden. In dieser Absicht liess er 1780 und 1786 zwei französisch geschriebene Programme drucken:Avis de la part du Collège de Weilbourg. Pour ceux qui sont intentionnés de s'app- liquer au commerce undPrécis de l'état et du reglement du Gym- nase de Weilbourg, tiré des relations publiques par A. J. Petsch, secretaire de la chambre des Finances. Und wirklich zog die Tüch- tigkeit des damaligen Buchhalters Stricker viele angehenden Kauf- leute an, aber mit Strickers Weggang nach Frankfurt liess man an- scheinend den Plan wieder fallen.

Abgesehen jedoch von diesem Gedanken, der seinem auf das Praktische gerichteten Sinn entsprang, war Schellenberg allen Neue- rungen gründlich abhold. Und doch lag gerade damals die Ver- suchung besonders nahe. Rousseaus Emile hatte auf dem Gebiet des Schulwesens in Deutschland mehr noch als in Frankreich eine ge- waltige Umwälzung hervorgebracht, und, wie es zu geschehen pflegt, schossen in dem Drang und der Hast der ersten Erregung die Geister vielfach über das rechte Ziel hinaus. In dieser Zeit der Gährung schützte Schellenbergs kühle Erwägung die Schule vor überstürzten Reformen, und ebenso skeptisch stand er nachher den Bestrebungen des Neuhumanismus gegenüber. Nur das stets erneute Drängen jüngerer Amtsgenossen, und nicht zuletzt der gewichtige Einfluss des Regierungspräsidenten von Gagern vermochten ihn endlich da- zu, dem Griechischen breiteren Raum im Lebrplan zu gönnen. Ge- rade diese Beständigkeit des Leiters aber erhöhte das Zutrauen zu der ihm unterstellten Schule und trug nicht wenig zu ihrem Ge- deihen bei. Schon 1788 war der Bestand wieder auf 106 Schüler gestiegen. Dabei hatte sich Schellenberg unausgesetzt der opfer- willigen Fürsorge des Fürsten und der Regierung zu erfreuen. 1780 wurde ein besonderer Zeichenlehrer an dem Gymnasium an- gestellt, und im folgenden Jahre setzte der Fürst eine bestimmte

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