Aufsatz 
Geschichte des Weilburger Gymnasiums 1540-1817 / von Ferdinand Heymach
Entstehung
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Verstand aus der Grammatik auswendig lernen läst. Weiter ver- langt Schellenberg, dass dem Schülerdie Bedeutungen der Wörter vorziiglich in der Verbindung mit andern gezeigt werden. Denn hierdurch muss die Sprache erlernt werden, und nicht durch das Wörterbuch. Dazu aber ist nothwendig, dass der Sinn des Schrift- stellers jedesmal vollkommen deutlich gemacht werde. Geschieht dies nicht, so kann der Jüngling weder die wahre Bedeutung der Wörter, noch den Gang der Sprache, noch ihre eigenthümliche Schönheiten kennen lernen. Dieses bleibt also eine Hauptregel unsrer Lehrart, dass wir nie mit einer blos wörtlichen Ubersetzung zufrie- den sind. Fürchten wir etwa, der Lehrling möchte sich vielleicht bey einem etwas schwehren Stück zu weit von dem wahren Ver- stand entfernen, so expliciren wir es ihm selbst vor, übrigens aber muss er, um etwas zu Haus zu thun zu haben, auf jedes folgende Stück präparirt erscheinen. Die Vorgerückteren müssen sich ge- wöhnen, den Inhalt einer Stellebald deutsch, bald lateinisch zu erzchlen: auch muss dieses zuweilen als eine häusliche Arbeit schrift- lich geschehen. Die Ubersetzungen aus dem Deutschen ins Latei- nische werden ausschliesslich aus römischen Schriftstellern genom- men. Das Auswendiglernen einzelner Stellen aus dem Gelesenen verwirft Schellenberg,es müsste denn zuweilen ein Stück seyn, dass sich vortrefflich zur Declamation schickte, um welcher Ursache willen es ganz allein, und das zwar noch bey völliger Freyheit des Schülers es zu lernen oder nicht, zu memoriren aufgegeben wird. Bey der Geschichte würde es noch unnützer seyn, einen ganzen Vortrag im Compendio auswendig lernen zu lassen. Es ist genug, wenn die Hauptperioden und einige Unterabtheilungen in einer chro- nologischen Ordnung ins Gedächtniss gefasst werden. Hierauf er- zgehlet der Lehrer die Facta eines jeden Absatzes in einem richtigen Zusammenhang, mit einer klugen Auswahl der Sachen, mit Auf- suchung der Quellen der menschlichen Begebenheiten, ihrer Wich- tigkeit und ihrer Folgen, und endlich mit einer schicklichen An- wendung auf das practische Leben der Menschen. Nach einem jeden solchen Vortrag muss es der J üngling versuchen, diese Erzehlung auf eine äühnliche Art, so viel wie möglich ist, zu wiederholen. In den beyden geographischen Classen wird in der untersten mehr auf das Locale, auf die Bestimmung der Lage der Oerter, der Flüsse und der Grenzen gesehen, in der obersten aber wird die mathema- tische Erdbeschreibung und vorzüglich die Statistik mitgenommen. Bey dem Vortrag der Mathematik sehen wir es als die beste Lehr-