Aufsatz 
Geschichte des Weilburger Gymnasiums 1540-1817 / von Ferdinand Heymach
Entstehung
Einzelbild herunterladen

40

ling völlig bekannt werden. Hiernächst werden die Regeln vom Ge- schlecht, von der Wortfügung, letztere besonders dem Verstand nach nebst den Wörtern fleissig memoriret, und bey der Recitation die wahre Bedeutung, das Genus, die Flexion und Construction vom Docenten fleissig erklärt und wiederholt. Bey dem Uebersetzen aber wird darauf gesehen, dass der Schüler die Wörter eines jeden Pen- sums vorher aufschlägt und auswendig lernt. Zur Uebung des Ge- dächtnisses dienen ebenfalls vorzüglich schöne Stellen guter Aue- toren. Das Diktiren der so genannten Phrasium ist bey uns, als unnütz verworfen. Die Anwendung und Veränderung der Redens- arten ist das, worauf ein Lehrer der Sprache zu sehen hat. Bey der politischen Historie und Geographie werden jedesmal die Land- Charten zur Hand genommen, die Geschichte wird erstlich nach ihren grossen Perioden, jeder derselben nach seinen Zwischen-Abtheilungen, kurz aber zusammenhängend und chronologisch vorgetragen, jeder Abschnitt auf eine angenehme Art vermittelst der merkwürdigsten Faktorum durchgegangen, und durch eine zusammenhängende Wieder- holung bey einem und dem andern Scholaren die Aufmerksamkeit der ganzen Classe geprüft. Die Nahmen der Flüsse, der Meere, der Städte und Länder werden in der Geographie durch die Land- Charten, durch die Merkwürdigkeiten der Natur, die Regierungs-Form, die Sitten der Bewohner und andere Umstände dem Gedächtniss auf eine angenehme und stärkere Art, als durch bloses Memoriren ein- geprägt. Der ÜUnterricht in der Mathematik wird zweckmässig seyn, wenn der Lehrer durch sie mehr die Vernunft als das Ge- dächtniss übt, und den Nutzen dieser Wissenschaft in dem mensch- lichen Leben bey jeder Gelegenheit vor Augen legt. Der letzate und gewissermassen vornehmste Theil des öffentlichen Unter- richts wird der Klugheit und der exemplarischen Aufführung der Lehrer empfohlen. Sie werden durch ihren Fleiss, durch ihre Liebe zur Ordnung in ihren Stunden, durch ihre Entfernung von allen Privat-Absichten und Leidenschaften, und durch einen wahren Eifer für das Wohl ihrer Untergebenen mehr als durch alle Bewegungs- Gründe der Furcht und Sklaverey die grossen Absichten ihres Amts erfüllen.

Was nun die einzelnen Unterrichtsfächer selbst betrifft, so lässt sich auch in dieser Hinsicht, wenn wir die letzte Zeit von Ostertags Rektorat mit dem Anfang der sechziger Jahre vergleichen, eine we- sentliche Verschiedenheit nicht verkennen. Auch hier sehen wir den Rektor bemüht, grössere Mannigfaltigkeit wie bisher walten zu lassen.