Aufsatz 
Geschichte des Weilburger Gymnasiums 1540-1817 / von Ferdinand Heymach
Entstehung
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stein überzusiedeln. Auch die nächsten Jahre zeitigten keine nen- nenswerte Besserung. Erst 1588 sollte sich gänzlich unvermittelt das trostlose Siechtum in frisch aufblühendes Leben verwandeln.

Der Mann, dessen Wirken eine so unerwartete Wendung für die Schule bedeutete, war der Magister Michael Schweicker aus Schwübisch-Hall. Er hatte in Tübingen studiert und hier u. a. auch den bekannten Latinisten Nikodemus Frischlin gehört. Dann war er als Lehrer nach Kreuznach gekommen, musste aber 1588 sein dortiges Schulamt aufgeben, als der entschiedene Calvinist Johann Casimir in der Pfalz dem reformierten Bekenntnis zum Siege über die Lutheraner verhalf. Da nahm sich der nassauische Superinten- dent Stephäni des verfolgten Glaubensgenossen an. Er hatte Schweicker wohl von Ottweiler aus, wo er damals als Hofprediger zufällig mit dem Grafen Albrecht weilte, persönlich kennen und schätzen ge- lernt, und so empfahl er den trefflichen Mann jetzt seinem Herrn als die geeignetste Persönlichkeit für die Hebung der schon lange darniederliegenden Weilburger Schule. Der Graf willfahrte, und Schweicker ging auf die gestellten Bedingungen ein. Darnach sollte er jährlich erhalten: 42 Gulden 3 Albus 2 Heller und 23 Malter Früchte, zu denen der Graf aus besonderer Geneigtheit noch weitere 3 Malter beisteuerte; ausserdem wurden ihm freie Wohnung, ein Morgen Weingarten hinter dem Kirchhof und der Weinzehnte in der Weilburger Gemarkung zugesprochen. So kam Schweicker, und was wichtig war er kam nicht allein. Eine ganze Reihe an- hänglicher Schüler, darunter neben anderen Trägern bekannterer Namen ein Urenkel Sickingens, gab ihm das Geleit aus dem lieb- lichen Nahethal nach der waldumhegten Lahnstadt. Dementsprechend weist Schweickers Verzeichnis für das Jahr 1589 den verhältnis- mässig hohen Bestand von 59 auswärtigen und 62 einheimischen Schülern auf. Und wie sich die Schule äusserlich hob, ward auch der Geist darin ein anderer.

Als der neue Rektor seine Thätigkeit begann, lag die Schule gewiss arg darnieder. Seit 1583 war sie dem Anschein nach von Eberhard Hesperger allein weitergeführt worden. In dieser ganzen Zeit seines ausschliesslichen Wirkens kann sich der Schulbetrieb doch lediglich auf die notdürftige Erhaltung des Bestehenden beschränkt haben. Mit Hesperger in Gemeinschaft begann nun Schweicker das Werk der Reorganisation, gleichzeitig darauf bedacht, die noch feh- lende dritte Lehrkraft zu gewinnen. Diese fand er 1589 in Albert Frensius, dessen Eintritt erst die planmässige Durchführung der für