19. fenstern, offen und gedaffel unden in den Stuben.“¹) Unter solchen Umständen musste der Leiter der Schule ganz besonders anregend wirken, wenn trotzdem die Schüler zusammengehalten und dazu noch neue in grösserer Zahl angezogen werden konnten.
Aber den erfreulichen Anfängen entsprach nicht der Fortgang. Schon nach zweijährigem segensreichem Wirken wurde Syringus der von ihm begründeten Schule wieder entrissen: am 20. Dezember 1542 starb er im Alter von 36 Jahren. Vielleicht war er schon leidend nach Weilburg gekommen— jedenfalls bedurfte es bei sei- nem schwächlichen Körper—„ein verstopt Menlin“ nennt ihn Reyn ²)— nur eines geringfügigen Anlasses, und die ungünstigen Schulräume mussten seinen Zustand aufs allernachteiligste beeinflussen. Syringus hatte auch wiederholt um Abhilfe gebeten, es war aber nichts geschehen. Muss es nicht überraschen, dass Graf Philipp, der sich zwei Jahre vorher um die Gewinnung des trefflichen Schul- manns so angelegentlich bemüht hatte, ihm jetzt trotz aller Erfolge auf seine dringlichen Bitten das Notwendigste versagte? Schuld hieran trug wohl der sich immer mehr verschärfende Konffikt der protestantischen Stände mit dem Kaiser. War auch für den Augen- blick nichts zu besorgen, so konnte doch der siegreiche Ausgang des Krieges gegen Frankreich die Lage schnell verändern, und für diesen Fall mussten die Protestanten bei Zeiten geeignete Massnah- men treffen. Solcherlei Erwägungen führten damals Philipp III. mit den benachbarten Standesgenossen häufiger zusammen und nahmen mit seinem Interesse auch seine Mittel ausschlieslich in Anspruch. Hieraus erklärt es sich weiterhin, weshalb nach dem Tode des treff- lichen Syringus erst geraume Zeit verstrich, ehe der verwaisten Schule ein neuer Rektor gegeben wurde.
Inzwischen suchten Reyn und Orth die Schule zu halten, so gut sie konnten. Aber die Lücke, welche der Tod in das aufblü- hende Schulwesen gerissen hatte, machte sich mit jedem Tage fühl- barer. Umsonst wurde Reyn des öfteren bei dem Grafen vorstellig, dass„der erledigt ort widder mit einem solchen mann, wie der vorige gewesen, darumb gott wol zu bitten were, bestellet werde, so anders die schule in dem zoge, wie angefangen, bleiben und fort- fahren soll.“ Trotzdem geschah nichts, um dem zunehmenden Verfall zu steuern; das Rektorat blieb vorläufig unbesetzt. Schliesslich wurde Reyn darüber missmutig, umsomehr, als zu den beim Antritt seines
¹) S. Eichhoff, Gesch. d. L. G. S. 21. 2²) S. Eichhoff a. a. O.


