Aufsatz 
Geschichte des Weilburger Gymnasiums 1540-1817 / von Ferdinand Heymach
Entstehung
Einzelbild herunterladen

8

mogen, frei und los, frewen und gebrauchen mogen.¹) Daneben sollte er jährlich erhaltenhundert gulden in Müntz Frankfurter wehrung und auch ahn korn zwelff malter Weilburger mass, durch unsern kellner daselbst. Was dafür der Graf von dem Leiter der Schule erwartete, ist aus dem gleichen Berufungsschreiben er- sichtlich:dass er fürnemlich Gott dem allmechtigen zu lobe und ehren, auch gemeinen christlichen nuz und unser lantschaft zu gueten, eine freie schul in unser Stadt Weilpurg anrichten und dazu allerlei christliche und erbare kunst leren, auch die jugent zu guetten sitten und wandell, als seins besten verstandes und meglichs Vleisses under- weisen und anfüren soll auch bei seinen Dienern, die wir ihm zu sollichem ampt belohnen sollen, vleissig aufsehen haben, damit ein jeder seinen Bevelch der jugent zum besten trewlich nachkomme, und sich in dem Allen also halten, wie es einem getreven frommen schulmeister zustehet und er das alles gegen Gott den allmechtigen und uns seiner Oberkeit vertrauet zu verantworten.

Unverzüglich ging denn auch Syringus ans Werk, um die für die Eröffnung der Schule noch erforderlichen Massnahmen zu treffen. Da ihm die Wahl seinerDiener d. h. Mitarbeiter überlassen war, bestimmte er hierzu neben dem schon früher genannten vormaligen Stiftsschulmeister Johann Orth seinen Landsmann Bernhard Reyn. Dieser war zuletzt Diakon in Niederwildungen gewesen, hatte aber, weil er stotterte, auf sein Pfarramt verzichten miissen. In solcher Lage war ihm die Berufung nach Weilburg gewiss willkommen, so wenig verlockend auch die Stelle hinsichtlich der Einkünfte und der damit verbundenen doppelten Verpflichtung sein mochte. Denn neben seinem Schulamt, das ihm jährlich nur 36 Gulden einbrachte, sollte er für weitere 24 Gulden auch noch die Seelsorge der in- zwischen protestantisch gewordenen Pfarrei im Pfannstiel mitüber- nehmen. Doch das mochte Reyn fürs erste wenig kümmern; froh, dem Missgeschick daheim so bald entronnen zu sein, entsprach er bereitwillig dem ihm von Syringus gemachten Anerbieten. Schon am 5. November 1540 stellte er sich in Weilburg ein.

Nachdem so die nötigen Lehrkräfte gewonnen waren, konnte die neue Schule noch Ende des Jahres 1540 ins Leben treten. Lei- der besitzen wir aus dieser ersten Zeit ihres Bestehens keine wei- teren Nachrichten; ein Schülerverzeichnis aus dem Jahre 1541 ist das einzige noch erhaltene Dokument, immerhin deshalb wichtig,

¹) Nach dem Tode des Syringus kaufte der Graf die Liegenschaften von der Witwe zurück. Eichhoff, Landes-G. S. 13 Anmerkg.