Aufsatz 
Geschichte des Weilburger Gymnasiums 1540-1817 / von Ferdinand Heymach
Entstehung
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kärglichen Lohn dem Schuldienst mit besonderer Freudigkeit obge- legen, ist nicht anzunehmen. Die Not des Daseins, dazu eine er- drückende Arbeitslast konnten auf seine Lehrthätigkeit nur nachtei- lig einwirken. So mag es um die Unterweisung der Jugend traurig genug gestanden haben, als Graf Philipp III. von Nassau-Weilburg, von der Erkenntnis durchdrungen, dass die Reformation in seiner Herrschaft Stückwerk bleiben müsse, solange nicht auch auf dem Gebiet der Erziehung Wandel geschaffen sei, in hochherziger Fürsorge zur Gründung einer neuen Schule schritt. Die alte wurde nicht förmlich aufgehoben, ging aber von selbst in der neuen auf, da der Stiftsschulmeis ter Johann Orth, ein geborener Herborner, mit einigen Stiftsherren zusammen schon vorher zum Protestantismus übergetreten und infolgedessen seiner Stelle verlustig gegangen war. Die Ka- noniker mochten sich nicht sehr beeilt haben ihm einen Nachfolger zu geben; wenigstens verlautet von einem solchen nichts, vielmehr wird erwähnt, dass Orth die Kinder fortan in den Bürgerhäusern privatim instituirte. ¹1) Vielleicht war es, als der Graf die neue Schule ins Leben rief, der Stiftsverwaltung gar nicht unlieb, dadurch einer Verpflichtung ledig zu werden, die sie lüngst als eine Last empfand; sie mag sich um so leichter darein gefunden haben, als ihr aus dem Entschluss des Grafen keinerlei Schmälerung ihrer Ein- künfte erwuchs. Denn Philipp III. griff, um sein Vorhaben auszu- führen, nicht die Gefälle des Stifts an, sondern verwandte dazu neben eigenen Mitteln einen Teil der Einkünfte des 1539 aufgehobenen Klosters Pfannstiel. Dass ihm bei der Aufrichtung der neuen Schule der gefeierte Praeceptor Germaniae mit seiner reichen Erfahrung zur Hand ging, dürfen wir sicher annehmen. Philipp, der auch sonst mit Melanchthon im Briefwechsel stand, ²) wird es gerade bei diesem wichtigen Anlass gewiss nicht verabsäumt haben, des Meisters bewährten Rat einzuholen. Auf Melanchthons Fürsprache ist sicher auch die Berufung des Magisters Jost Syringus zurückzuführen, den Graf Philipp mit der Leitung der neuen Anstalt betraute. Syringus Pfeifer lautete wohl der ursprüngliche Name, den er, dem Zeitgeschmack Rechnung tragend, latinisierte war aus Men- geringhausen im Fürstentum Waldeck gebürtig. Mit 23 Jahren bezog er die Universität Wittenberg, wo er am 10. November 1530 immatrikuliert wurde. ³) Von da kehrte er nach Vollendung seiner

¹) S. Eichhoff, Gesch. des Herzogl. Nass. Landesgymnasiums in Weilburg 8 4.

) Vgl. hierüber Eichhoff, K irchenref. I, 77 ff.

³) S. Förstemann, Album academiae Vitebergensis pag. 137.