Aufsatz 
Geschichte des Weilburger Gymnasiums 1540-1817 / von Ferdinand Heymach
Entstehung
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Wechselnde Schicksale der Schule bis zu ihrem Verfall.

Die gewaltige Bewegung, die im Anfang des sechzehnten Jahr- hunderts die Geister ergriff und eine Umgestaltung des Bestehenden auf kirchlichem Gebiet zur Folge hatte, blieb auch auf das Schul- wesen nicht ohne tiefergehende Einwirkung. Dafür waren Kirche und Schule zu eng miteinander verwachsen, und wenn auch für die Allgemeinheit wohl nicht ohne weiteres die Behauptung aufgestellt werden kann, dass die in Anlehnung an geistliche Stiftungen ge- gründeten Lehranstalten im Laufe der Zeit mehr und mehr in Ver- fall geraten seien für die Weilburger Schule des alten Walpur- gisstiftes ist sie jedenfalls zutreffend. Das klägliche Zeugnis, das der bekannte Reformator Dr. Erhard Schnepf ihr ausstellt, ¹) sowie der Umstand, dass der strebsame Daniel Greiser, ein geborener Weilburger, aus Unlust über das hier Gebotene der Schule den Rücken kehrte, lassen daran keinen Zweifel. Leider verbreitet sich Greiser, der zuletzt Superintendent und Hofprediger des Kurfürsten von Sachsen war und als solcher 1591 in Dresden starb, in seiner Selbstbiographie ²) nicht eingehender über die Art des Unterrichts, den er in seiner Vaterstadt genoss; er erwähnt nur, dass er die Grammatik des Alexander de Villa Dei fleissig habe treiben müssen. Demnach scheint die mechanische Einprägung lateinischer Versregeln den Schwerpunkt des Unterrichts gebildet zu haben kein Wun- der, wenn sich der Lernbegierige hierdurch nicht sonderlich ange- regt fühlte und lieber anderwärts sein Heil versuchte! Wie konnte aber auch ein Schulwesen gedeihen, um dessen Handhabung sich die Stiftsherren nicht weiter kümmerten, das ganz dem für ein Geringes gemieteten Schulmeister überlassen war. Dass dieser bei seinem

¹) misera erat scholae Weilburgensis facies S. Eichhoff, Geschichte der Kirchenreformation in Nassau-Weilburg. I, 17. Anmerkg. 2.

2) Historie und Beschreibung seines Lebens. Dresden 1587. Vgl. übex ihn ausserdem Vogel, Archiv der nass. Kirchen- und Gelehrtengeschichte I, 224 ff.