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ſeinen geſammelten Dramen beſchenkt hatte. Gewis wollte Ramond ſich auf dieſem Wege nur für die liebenswürdige Aufmerkſamkeit des alten Gönners erkenntlich zeigen.
Auch der François II. des Präſidenten Hénault iſt vergeſſen. Der Verfaſſer war einer der früheſten Bewunderer und Nachahmer Shakespeares in Frankreich. Das 1747 erſchienene Stück ſelbſt iſt mir nicht bekannt geworden; ich kenne nur die Analyſe aus Michiels, Histoire des idées littéraires en France au XIX siècle. I 260 ff. Darin heißt es u. a.: Quant à la pièce elle-meme, c'est une étude scrupuleuse, trop scrupuleuse peut-être, car P'auteur cite en marge toutes ses autorités, appuie sur des textes les discours de teus ses per- sonnages.— Ihm alſo wird Ramond die wenig nachahmenswerte Eigentümlichkeit abgeſehen haben, den Tert ſeines Dramas zu commentiren, überhaupt ſeine hiſtoriſchen und topographiſchen Vor⸗ ſtudien zu ſehr in den Vordergrund zu drängen.
Shakespeares Autorität macht ſich vielfach geltend. Wir erwähnten ſchon der Ähnlichkeit in der äußeren Form und in den Volksſcenen. Auf Shakespeare ſind auch der Waldemar égaré und die Geiſtererſcheinungen im Anfang des dritten und im fünften Akt zurückzuführen. Am meiſten aber zeigt ſich Ramond beeinflußt durch Goethes ſieben Jahre früher erſchienenen Goetz von Berlichingen.
Schon die Zeitverhältniſſe verraten eine gewiſſe übereinſtimmung. Hier wie dort Ohnmacht des Reichsoberhaupts— Kampf und Verwirrung im Innern. Im„Goetz“ ſind es die freien Ritter, die ſich bei der Schwäche des Kaiſers auf eigne Fauſt gegen die übergriffe fürſtlicher Willkür ver⸗ teidigen— Zuſtände, die auch das niedre Volk auf die Bahn der Selbſthülfe und Vergewaltigung des Nächſten leiten mußten; in unſerem Drama ſind es die Freunde Heinrichs IV. und die An⸗ hänger Roms, welche, ohne daß der König es wehren kann, ſich gegenſeitig befehden und dadurch der allgemeinen Anarchie Thür und Thor öffnen.
Auch ſonſt bieten ſich viele Vergleichungspunkte mit dem Goetheſchen Drama. Beide Helden — Goetz und Hugo— vertreten die Rechtsidee ihrer Zeit. Goetz kämpft nicht aus Kampfesfreude und Beuteluſt; er will nur das Volk gegen die maßloſe Raubſucht der fürſtlichen Gewalten im Reiche ſchützen. Ebenſo kämpft Hugo um ſeinen widerrechtlich entriſſenen Beſitz. Nicht die Luſt am Streite oder die Sucht, ſein Gebiet zu erweitern, drückt ihm das Schwert in die Hand; ihn jammert das Volk, das unter der Laſt des Krieges ſchwer aufſeufzt, und ſein Herz ſehnt ſich nach dem Frieden. Aber dulden darf und will er es nicht, daß ſein angeſtammtes Erbe in fremden Händen bleibt, daß Liſt und Trug die Rechte ſeines Hauſes ungeſtraft ſchmälert.
Wie Goetz die verderbte Geiſtlichkeit mit ihren Ränken, ſo ſteht auch hier dem offenen ehrlichen Weſen Hugos die Tücke des Straßburger Biſchofs ſchroff gegenüber. Unlautere Abſichten ſind die Triebfedern ſeiner Handlungen, Unredlichkeit leitet die Organe ſeines Willens; ſelbſt vor dem Meuchel⸗ mord ſcheut der Biſchof nicht zurück: er übt Verrat an ſeinem ſiegreichen Feinde, den er unter falſchen Vorſpielungen in ſeinen Palaſt geladen, um nachher die Schmach des feigen Verbrechens auf ſeine Diener zu wälzen.— Auch der weichliche Adalbert von Weislingen findet ſein Gegenſtück; Ramond hat bei Gontrans Sohn ſogar den Namen des Goetheſchen Vorbildes feſtgehalten. Ähn⸗ lich iſt es mit dem jüngeren Lambert, dem Liebling und Vertrauten Hugos, und Goetzens Buben Georg. Ganz offenbar auch wurde die Einführung des boucher Max de Colmar und ſeiner Bande durch Goethes Metzler und Genoſſen veranlaßt.
Nicht minder große Übereinſtimmung bekunden die Frauencharaktere. Eliſabeth und Bertha
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