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zeigen einen ſeltenen Mut gegenüber den Gefahren, denen ſie beſtändig ausgeſetzt ſind. Sie verkennen das Drohende ihrer Lage nicht, ohne ſich deshalb in vorzeitigem Klagen und Grämen zu ergehen. Und als ihnen der Tod den ſchützenden Gatten von der Seite reißt, ſchicken ſie ſich ruhig und ent⸗ ſchloſſen in des Himmels ſchwere Fügung. Ihre Charakterſtärke wirkt umſo auffallender, als wir in den Schweſtern beider Helden das gerade Gegenteil dargeſtellt finden.
Auch die Liebesepiſoden haben manches Üübereinſtimmende. Wie Weislingen als Gefangner auf Jaxthauſen Goetzens Schweſter kennen und lieben lernt, ſo reichen auch die Anfänge des Ver⸗ hältniſſes zwiſchen Adalbert und Ottilie in die Zeit zurück, als Adalbert in Daxburg Hugos Ge⸗ fangner war. Dagegen iſt die Adelheid am Bamberger Hofe in Ramonds Drama ohne Seitenſtück geblieben, oder wird doch wenigſtens nur hinter der Scene angedeutet.“*)——
Ramond war 25 Jahre alt, als die guerre d'Alsace erſchien. Das Drama, das wie alle ſeine Poeſien anonym herauskam, ſollte gleich dem 3 Jahre früher verlegten d'Olban-Fragment eine deutſche Überſetzung erleben“*)— jenſeits der Vogeſen aber fand es ebenſo wenig Beachtung. Wie ganz anders war dagegen die Aufnahme, die ſeinen Schweizerbriefen bald nachher in Paris zu Teil wurde! Hauptſächlich dieſer Umſtand mag es auch geweſen ſein, der den Dichter beſtimmte, von nun an der poetiſchen Produktion zu entſagen und ſich dafür mit verdoppeltem Eifer einem Gebiet zuzuwenden, das ihm größeren Erfolg und reicheren Dank verhieß.
Ob wir dieſen Entſchluß bedauern ſollen— wer will es ſagen! Sein Talent war noch nicht ausgereift, als er die kaum betretene Bahn wieder verließ. Wahrſcheinlich hätte er ſpäter auch als Dichter größere Anerkennung gefunden, vielleicht ſogar den Durchbruch der romantiſchen Prinzipien in Frankreich beſchleunigen helfen. Aber wie dem auch ſein mag— mit ſeiner Umkehr war Ramonds Liebe zur Poeſie darum nicht erſtorben: in ſeinen Naturſchilderungen lebte der Dichter fort, und der Verehrung Shakespeares— dem Kult ſeiner Jugend— blieb er treu bis ans Ende.***)
*) S. 172 und 223.— Vgl. E. Schmidt l. c. S. 120.
*—) Sie erſchien unter dem Titel: Hugo VII. Graf von Egisheim. Hiſt. Drama aus dem Franzöſiſchen. — Regensburg bei Montag 1781.
***) Noch 1824 hörte Spach in einem Pariſer Salon den damals Siebenzigjährigen den 1. Akt des Hamlet erklären„avec un entrain charmant... en face d'une société trançaise alors encore exclusivement en- housiaste du théâtre classique.“— Spach Oeuvres chois. V, 158.


