Aufsatz 
Ramond de Carbonnières : ein Beitrag zur Geschichte der Sturm- und Drangperiode / Ferdinand Heymach
Einzelbild herunterladen

18

gänzlicher Vernichtung ſeines Heeres neue Unterhandlungen mit Hugo eingeleitet, und der Friede iſt bereits ſo gut wie geſchloſſen. Auf Unterſtützung von dieſer Seite können die Aufrührer alſo nicht rechnen. Dazu trifft Waldemar noch ein neues Mißgeſchick durch den Tod Bertolfs, der bei der Plünderung eines Kloſters erſchlagen wird und deſſen Mannſchaft ſich zerſtreut.

Mitlerweile iſt Hugo auf des Biſchofs Einladung nach Straßburg gegangen, um in Ottos Palaſt den Frieden endgültig abzuſchließen, und hier findet der Argloſe den Tod von Gontrans Hand, der durch dieſe That ſeinen wie er wähnt von Hugo gemordeten Sohn zu rächen denkt. Aber Gontran ſelbſt hat von Hugo einen tötlichen Streich empfangen, und Adalbert, der auf Berthas Geheiß nach Straßburg geeilt iſt, um dem Biſchof ein Bündnis mit Waldemar abzu⸗ raten, kann das Verhängnis nicht mehr aufhalten er kann nur den Vater in ſeinen Armen neben Hugos Leiche ſterben ſehen.

So eilt denn Adalbert von dieſer Stätte des Grauens nach Egisheim zurück, um Ottilien zu ſchützen und an Waldemar Rache zu nehmen. Dieſer macht noch einen letzten verzweifelten Verſuch, ſich des Weckmund zu bemächtigen aber ſeine ungeſtüme Tapferkeit iſt umſonſt. Von Gerhards Mannſchaft, die inzwiſchen herangekommen, auf der einen, von der Beſatzung des Weckmund auf der anderen Seite angegriffen, iſt er ſich über den Ausgang des Kampfes nicht zweifelhaft. Doch dieſe Gewißheit des nahen Untergangs erhöht nur noch ſeine Wut, und furchtbar hauſt bei einem Ausfall der Beſatzung ſein Schwert unter den Feinden. Da ſtellt ſich ihm Adalbert entgegen, und auch ihn ſtreckt der Raſende nach kurzem Kampfe zu Boden. Nun iſt ſein Werk auf Erden voll⸗ endet: Alles, was Ottilie liebte, iſt tot die Liebe hat keine Opfer mehr zu erwarten. Auch Waldemar will ſterben. Unbewehrt ſtürzt er ſich in das dichteſte Kampfgewühl und findet hier den geſuchten Tod.

Vom Schmerz überwältigt, ſinkt Ottilie an Adalberts Leiche nieder. Dahin iſt, was ſie an die Erde band in der Einſamkeit des Kloſters will ſie Ruhe ſuchen für ihr gequältes Herz. Umſonſt ſucht ihr Bertha, die ſich mit heldenmütiger Entſchloſſenheit in ihr hartes Schickſal fügt, dieſen Gedanken auszureden; umſonſt mahnt ſie die Verzweifelnde, wenigſtens vorher noch gemein⸗ ſam mit ihr die Rache der Gerechten wider die treuloſen Mörder ihres Gatten anzurufen und damit die letzte heilige Pflicht gegen den Toten zu erfüllen. Dann will auch ſie dem Getriebe der Welt entſagen und nur noch ihrem Schmerze leben.

Dies der Ausgang der Tragödie. Manches darin iſt ſchleppend, beſonders die Partien, wo ſich der Dichter mit ſeinen geſchichtlichen und lokalen Kenntniſſen allzu freigebig erweiſt. Die Epiſode Adalbert und Ottilie iſt zu weit ausgeſponnen; das Intereſſe für den eigentlichen Helden des Stückes muß darunter notleiden. Recht friſch und auch dramatiſch wirkſam ſind zum Teil die Volksſcenen gehalten Reminiscenzen und Anleihen aus Shakespeare ſind freilich nicht zu verkennen. Übri⸗ gens macht der Autor auch gar kein Hehl daraus. In einer Anmerkung am Schluß der Ein⸗ leitung heißt es: Ceux de mes lecteurs qui ont lu et étudié les pièces historiques de Shakespear, les tragédies politiques de Bodmer, le Godefroy à la main de fer de Goethe, le François II. du président Hénaut, me dispenseront de défendre un genre dont ces grands hommes ont fait l'apologie, et ne trouveront à reprendre dans le choix que j'en ai fait, que impuissance ou je suis de m'élever jusqu'à mes maitres.

Man iſt zunächſt wohl erſtaunt, Bodmer unter den Meiſtern des Dramas zu finden. Die Wahl wird indeſſen erklärlicher, wenn wir uns erinnern, daß Bodmer den Autor früher ſelbſt mit