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einem Vorwort zugeeignet, deſſen wehmütiger Ton mit dem übrigen Inhalt recht wohl harmonirt. „Sophie“— heißt es in der Widmung—„c'est loin de vous, c'est dans un autre climat, que tristement assis à l'ombre des mélèses, je me rappelle tant de voeux rejettés, tant d'espérances déçues.“ Damit iſt die Grundſtimmung für die Mehrzahl der nachfolgenden Ge⸗ dichte gegeben. Es ſind im Ganzen 20 Nummern, wovon 9 auf die erſte und 11 auf die zweite Abteilung entfallen. Weshalb der Dichter die an ſich kleine Sammlung noch einmal in dieſer Weiſe getrennt hat, vermag ich nicht einzuſehen, umſoweniger, als eine charakteriſtiſche Verſchiedenheit beider Hälften unter einander nicht wahrnehmbar iſt. Allerdings hat er die zweite Abteilung Phaon betitelt, aber ſie bildet darum nicht etwa einen Cyklus enger zuſammengehöriger Gedichte, von denen eines ohne die anderen nicht wohl beſtehen könnte. Die meiſten haben vielmehr ganz die⸗ ſelbe Beziehung wie die Mehrzahl der im erſten Teil enthaltenen, und hier wie dort iſt jedes einzelne vollkommen in ſich abgeſchloſſen. Daß die Sophie der Widmung ihren Namen in Iſore verwandelt, iſt dabei ebenſo gleichgültig, wie wenn wir ſtattdeſſen an anderer Stelle Zélie oder Aspaſie eingeſetzt finden. Das Grundthema der ganzen Sammlung wird nur inſofern variirt, als im erſten Teil durch die ſchwermütige Stimmung wenigſtens bisweilen noch ein hellerer Klang hindurchbricht, während der Dichter hier auf Glück und Hoffnung völlig verzichtet:
Jsore échappe... Et le bonheur me fuit...
Pétens encor les bras... Hélas! vaine espérance!
Trotzdem will ihn die ſchmerzlich ſüße Erinnerung im Leid der Gegenwart nicht verlaſſen: Dans ces lieux solitaires Tout me retrace encor des images trop cheères Tout porte la douleur dans mon coeur amoureux; L'aspect de ces forets et l'air que j'y respire; Ces roches, ce ruisseau, tout semble me redire: C'est là... laà, que tu fus heureux... Er iſt allein— verlaſſen! Niemand fragt nach ihm: Au milieu d'un vallon tranquille S'élèvera ma tombe. Helas! sur cet asyle Quelle main gravera mon nom et mes malheurs?
Von ſolchen ſchwermütigen Betrachtungen über die Wandelbarkeit des Glücks hinweg wendet ſich der Blick des Dichters dann auch wohl auf die Vergänglichkeit der irdiſchen Dinge überhaupt. Der Vogel in der Luft ſucht ſich umſonſt den Nachſtellungen des Jägers zu entziehen:
Soudain de sa main le trait fuit,
Comme l'éclair de la tempète
Dans l'ombre de la nuit.
Er beklagt die kaum entfaltete Roſe, die der Sturm ſchon wieder entblättert:
A peine on te voyait éclose Et les orages sont venus.
Ils ont privé ton front de sa couronne altière;
En vain, dans son éclat, reviendra la lumière:
Tu te penches, o rose! et ne la verra plus.


