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1796 endlich ſollten ruhigere Tage für ihn anbrechen: Ramond wurde Lehrer der Natur⸗ wiſſenſchaften an der Centralſchule in Tarbes in den Hoch⸗Pyrenäen. Von hier aus durchſtreifte er allein und mit ſeinen Schülern das Gebirge nach allen Richtungen, raſtlos bemüht, Steine und Pflanzen für neue Unterſuchungen zu ſammeln. Sein Voyage au mont Perdu(1801), ein Meiſterwerk landſchaftlicher Schilderung, war das Reſultat dieſes unermüdlichen Forſchungsdrangs, der ihm den Beinamen„die gelehrte Gemſe“ eintrug. Auf einer ſolchen Wandrung traf er auch mit Wilhelm von Humboldt zuſammen, welcher 1799 Spanien und die Pyrenäen zum Zwecke ſprachwiſſenſchaftlicher Studien bereiſte.
1800 verließ Ramond ſeine bisherige Stellung in Tarbes, um als Abgeordneter für die Hoch⸗ Pyrenäen in den geſetzgebenden Körper einzutreten. Als Vizepräſident nahm er an den Beratungen der Verſammlung bis zu ihrer 1806 erfolgenden Auflöſung Teil, nachdem ihn die Akademie in⸗ zwiſchen zu ihrem Mitglied und Napoleon zum Ritter der Ehrenlegion ernannt hatte. Bei der napoleoniſchen Regierung machte er ſich aber mißliebig und wurde deshalb aus Paris entfernt und als Präfekt nach Puy-de-Dome geſchickt. Sine Aufenthalt in der Auvergne, der bis 1813 dauerte, gab ihm Anlaß zu neuen, beſonders geologiſchen Studien, mit denen er ſich um ſo ungeſtörter beſchäftigen konnte, als ſeine amtliche Stellung ihn nur wenig in Anſpruch nahm.
Im Januar 1813 endlich erhielt er ſeine wiederholt erbetene Entlaſſung und ſiedelte ſich in der Nähe von Paris an, um den Reſt ſeiner Tage in ſtiller Zurückgezogenheit dem Abſchluß ſeiner naturwiſſenſchaftlichen Arbeiten zu widmen. Nebenbei ſollte ihn die Abfaſſung ſeiner Memoiren beſchäftigen. Leider jedoch gingen bei der Invaſion 1814 ſeine geſamten ſchriftlichen Aufzeichnungen, die Erfolge vierzigjähriger Mühen durch Koſakenplünderung verloren. Ramond wollte für das Verlorene in neuer Thätigkeit Erſatz ſuchen und bot deshalb Ludwig XVIII. ſeine Dienſte an. Im Auguſt 1815 wurde er auch zum maitre des requètes ernannt und im Januar 1816 damit beauftragt, wegen der Kriegskoſten zu unterhandeln, welche Frankreich an England ſchuldete. In Anerkennung ſeiner hierbei bewieſenen Geſchicklichkeit ernannte ihn Ludwig XVIII. zum Staatsrat. Aber nicht lange ſcheint er ſich der königlichen Gunſt erfreut zu haben. Schon 1822 war er nicht mehr aktives Mitglied, und bald wurde ſeine Name ganz von der Ratsliſte geſtrichen. Ramond zog ſich jetzt vollſtändig aus dem öffentlichen Leben zurück.„Maintenant“— heißt es in einem Brief vom 28. Dezember 1826—„je suis vieux; je me repose, élève mon fils, et cultive mon jardin au fond de ma petite campagne, ouù je vis tres-retiré depuis que je suis délivré des affaires, qui pendant seize ans m'ont detourné malgré moi de mes études chéries, et que me voilà rendu au repos dont ma vieillesse a besoin. Je ne suis occupé qu'à me défaire de ce que j'ai de trop; je diminue ma bibliotheque et mes petites collections, ne garde que le nécessaire pour moi et mon fils, et lui garde surtout mon herbier, parce qu'il est l'histoire d'un demi-siècle de ma vie. Je vis maintenant avec mon herbier et les souvenirs qui l'accompagnent: hors de la, tout m'est devenu superflu.“— Dieſe heitre Ruhe im Erinnern der Vergangenheit ſollte aber nicht lange für ihn dauern: Ramond ſtarb am 14. Mai 1827, im 73. Lebensjahre.
Als Dichter hat ſich Ramond auf verſchiedenen Gebieten verſucht. 1778 gab er ein Bändchen lyriſcher Gedichte heraus. Die Sammlung— Elégies betitelt*)— iſt einer Elſäſſerin Sophie in
*) Elégies. Vverdon 1778. 8e. 90 S. Auf dem Titelblatt ein Motto aus Tibull Eleg. I.


