Ehe Ramond die Schweiz verließ, hatte er noch die Herausgabe ſeiner Elegien und Dramen in Yverdon und Baſel beſorgt. Schon früher einmal war durch den Straßburger Röderer, der auch zur Salzmannſchen Geſellſchaft gehörte, der Verſuch gemacht worden, etwas von Ramond in der Schweiz drucken zu laſſen. Röderer hatte ſich in dieſer Angelegenheit an ſeinen Landsmann Kayſer gewandt, der damals gerade die Drucklegung einiger Sachen von Lenz in Zürich vermittelte. Kayſer aber hatte darauf geantwortet:„mit Ramond kann ich nichts zu ſchaffen haben, ihr lieben Seelen, ſo gern ich auch wollte. Und zudem iſts franzöſiſch das macht alles unmöglich.*) Mag er ſich nun doch gefällig erwieſen haben oder nicht— jedenfalls behielt ſeine Anſicht recht. Ra⸗ monds Poeſien würden gewis nicht in dem Grade unbeachtet geblieben ſein, wenn es ihm geglückt wäre, auch hierfür in Paris einen Verleger zu finden, wie er ihn für ſein Reiſewerk fand.
In Paris blieb der Dichter für diesmal nicht lange. Noch in demſelben Jahre 1781 kehrte er nach Straßburg zurück. Der dortige Biſchof, Cardinal Louis Rohan, auf das vielverſprechende Talent aufmerkſam gemacht, hatte ihn mit dem Titel eines Geheimerats an ſeinen Hof berufen — nicht zum Vorteil des mit ſolcher Gunſt Bedachten. Das Leben am Hofe des prachtliebenden, zerſtreuungsſüchtigen Cardinals konnte auf die Weiterentwickelung Ramonds nur ungünſtig einwirken: alte Projekte ruhten, neue Arbeiten unterblieben. Erwähnt ſei aus dieſer Zeit, daß Ramond in den Beziehungen Rohans zu dem bekannten Thaumaturgen Cagliostro eine hervorragende Rolle ſpielte, und daß er in Sachen der berüchtigten Halsbandgeſchichte 1785 ſogar nach England reiſte, um hier den Spuren des Diamantenraubs nachzugehen. In London, wo ein großer Teil des Schmuckes von Madame de La Motte und ihren Helfershelfern ſtückweiſe veräußert worden war, gelang es ihm denn auch wirklich, überzeugende Momente für die Schuldloſigkeit des Cardinals zu erbringen. Rohan wurde freigeſprochen, aber nach La Chaise-Dieu in der Auvergne verbannt. Ramond folgte; erſt im Sommer 1787 trennte er ſich von ſeinem unglücklichen Gönner, um die ſchon lange beabſichtigte Reiſe nach den Pyrenäen endlich zur Ausführung zu bringen. Die Frucht derſelben waren ſeine 1789 veröffentlichten Observations sur les Pyrénées.
1791 begab ſich Ramond wieder nach Paris, und hiermit war ſeiner Thätigkeit eine neue Richtung gegeben. Die mittlerweile ausgebrochenen Unruhen zogen ihn in ihre Kreiſe; der Mann der Tribüne ward Mitglied der geſetzgebenden Verſammlung. Hier gehörte er der gemäßigten Partei an und beteiligte ſich in dieſem Sinne aufs Lebhafteſte an den ſtürmiſchen Debatten. Nach dem verhängnisvollen 10. Auguſt des folgenden Jahres kehrte Ramond aber nach den Pyrenäen zurück. Währenddeſſen nahmen die Ereigniſſe in Paris immer mehr eine Wendung, die ihn ſelbſt fern von der Hauptſtadt für ſeine Sicherheit beſorgt machten. Vor dem Späherauge der gegneri⸗ ſchen Partei ſuchte er in den entlegenſten Gebirgsgegenden Schutz. Trotzdem wurde er im Januar 1794 entdeckt und nach Tarbes in Gewahrſam gebracht. Und der Gefangene würde das traurige Loos ſeiner Geſinnungsgenoſſen geteilt haben, wenn nicht wie durch ein Wunder die Pariſer Triumvirn ihn völlig vergeſſen hätten. Im November 1794 wurde er wieder in Freiheit geſetzt. Faſt ganz von der Außenwelt abgeſchieden, lebte er jetzt in den Bergen einzig ſeinen wiſſenſchaft⸗ lichen Intereſſen. So durfte er auch am eheſten hoffen, die Aufmerkſamkeit der Radikalen möglichſt von ſich abzulenken und neuen Verfolgungen zu entgehen.
*) Brief Kayſers an Röderer(Zürich 20. Januar 1776) bei Stöber J. G. Röderer von Straßb urg und⸗ ſeine Freunde.


