vierhundert Bilder, meiſt religiöſen Inhaltes, mit denen er die Kirchen und Klöſter ſeiner Heimat, beſonders ſeiner Vaterſtadt Sevilla geſchmückt hat), ſondern vor allem an Tiefe und innerem Gehalte überragt er die anderen Ver⸗ treter ſeiner Kunſt*).„Sein frommer Glaube und ſeine Verehrung Gottes und der heiligen Jungfrau führen ihm den Pinſel, und über all ſeinen Bildern liegt unverkennbar die Weihe wahrer, innerſter Empfindung.“(Knackfuß). Heilige Inbrunſt(vgl. ſeinen Antonio), Weltentſagung (Franziskus) in chriſtliche Liebe und Barmherzigkeit(der Al⸗ moſenſpender), vor allen Dingen aber jungfräuliche, engel⸗ hafte Frauenſchönheit und göttliche Unbeflecktheit ſtellt er in wahrſter und überzeugendſter Weiſe dar, kurz„er malt mit der Seele.“ Bei allen dieſen Vorzügen Murillos ſcheint Echtermeier dadurch, daß er ihn in Medaillonform darſtellt, was nicht blos im Suchen nach Abwechſelung begründet liegt, im Vergleiche zu Raffael und Dürer ein gewiſſes Rang⸗ verhältnis andeuten zu wollen.
Trotz der umhüllenden Gewandung, mag ſie auch dop⸗ pelt und dreifach über den ſchönen Gliedern liegen, er⸗ kennen wir den ſchlanken Bau der zierlichen Südländerin.
In Geſicht und Haltung kommt der Charakter des Volkes deutlich zum Ausdruck. Stolz, dieſer hervorſtechende und immer genannte Zug des ſpaniſchen Charakters, prägt ſich im Gegenſatze zu Italien auf dem etwas gehobenen, ſchönen Frauenantlitze aus. Kühner iſt das Profil, und ein Zug um den Mund verrät Willenskraft und Selbſt⸗ gefühl. Die Haltung iſt freier, der emporgehobene, auf den Fels geſtemmte linke Fuß giebt der ganzen Figur etwas Lebhaftes. Die Bewegung teilt ſich auch der Ge⸗ wandung mit, die in ſchönen, kühnen Linien energiſcher Falten ſich um die Glieder legt. Auch der leichte Schleier ſcheint von dem raſchen Schritte beeinflußt. In dem Ausdrucke, den der Künſtler dem Geſichte aufprägt, in dem Charakter der Nation, wie er in der ganzen Hal⸗ tung ſich ausſpricht, dürfen wir wieder einen Hinweis auf die beſonderen Eigenſchaften der Kunſt dieſes Volkes finden. In der That kennzeichnen Begeiſterung und leidenſchaft⸗ liche Glut die ſpaniſche Malerei beſonders des ſiebenzehnten Jahrhunderts.„Feurig aufflammender Fanatismus auf der einen, Schwärmerei und Sinnlichkeit auf der andern Seite bezeichnen das Weſen der ſpaniſchen Kunſt.“
*) Dies Urteil über Murillo wird allerdings von anderen beſtritten. Velasquez gilt vielen als der hervorragendſte Maler Spaniens, zum mindeſten als der tüchtigſte Porträtmaler.
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England.
Die Tracht der Figur verſetzt uns in eine große Zeit Englands, in das Zeitalter Richards III. Über ein langes Untergewand fällt, vorn durch einen Gürtel etwas gebauſcht und emporgezogen, ein eng anliegendes Kleid mit kurzen, weiten Ärmeln. Ein ſeidengefütterter Mantel, von der Linken leicht gefaßt, hängt frei über die Schultern. Den Kopf, deſſen reiche Haarfülle, in der Mitte geſcheitelt, abgeſehen von wenigen verſchnittenen Stirnlöckchen, in weichen Wellen über den Rücken hinabfällt, ſchmückt ein dreigezacktes Neptunsdiadem. Die Geſtalt, die auf dem linken Beine ruht, während das entlaſtete rechte ſpielend auf ein gebrochenes ioniſches Säulenkapitäl geſetzt iſt, neigt ſich nach rechts und findet eine Stütze in der zierlichen Nachbildung eines ägyptiſchen Obelisken. Die Linke um⸗ faßt ein Buch mit der Aufſchrift Archäologie, das Geſicht ſchaut ſinnend in die Ferne.
Kann man auch ſchwanken, ob der Künſtler durch dieſe träumeriſche, auslugende Stellung auf die inſulare Lage des Landes hindeuten will, ſo iſt wohl kein Zweifel, daß der drei⸗ zackige Kopfſchmuck als ein Zeichen der Seeherrſchaft des großen Kolonialreiches aufzufaſſen iſt. Weniger ſicher er⸗ ſcheint, ob die Tracht eine beſondere Anſpielung enthalten ſoll. Sie weiſt uns in eine Zeit, wo England allerdings auf einem Gebiete der Kunſt Weltruf erlangt hat, aber nicht auf dem der bildenden, auf das Zeitalter des größten brittiſchen, wenn nicht des größten Dramatikers der Welt, das Zeitalter des großen Shakeſpeare. Freilich lag wohl kein Grund vor, den Dichter hier zu feiern, aber der Künſtler ſcheint ebenſo vergeblich nach einer beſtimmten Zeit engliſcher Kunſtblüte ge⸗ ſucht zu haben wie nach einem einzelnen Hauptvertreter der Malerei. Es iſt gewiß auch kein Zufall, daß wir an der Figur den Lorbeer, das Zeichen der Anerkennung, ver⸗ miſſen, was uns von allen nur noch bei einer begegnen wird. Durch die Attribute zeigt Echtermeier, daß er die Verdienſte Englands um die Kunſt auf anderem Ge⸗ biete ſucht als auf dem eigener Schöpfung. Der Fuß der Figur ruht auf dem ioniſchen Marmorkapitäl einer Säule, die dem klaſſiſchen Boden der Kunſt ent⸗ ſtammt. Sie ſoll uns an die archäologiſchen Beſtrebungen und Erfolge erinnern, an die forſchende und ſammelnde Thätigkeit, die die engliſche Nation beſonders im Anfange dieſes Jahrhunderts auf griechiſchem Boden entfaltet hat. Wir gedenken eines Lord Elgin, der in wenigen Jahren mehr als 74000 Pfund Sterling für ſeine Grabungen ausgab und die herrlichen Werke griechiſcher Kunſt, die er mit engliſcher Rückſichtsloſigkeit geraubꝗt und zuſammen⸗


