Frankreichs ſpiegelt ſich auf dem Geſichte wider. Mehr etwas Ruhiges und Gelaſſenes ſcheint in dieſen Zügen zu liegen. Auch ein Kind ſeiner Kirche wie die Schweſtern, macht es den folgſamſten und gehorſamſten Eindruck.— Daß der Künſtler mit dem Charakter des Volkes zugleich auch den ſeiner Kunſt andeutet, bedarf keiner weiteren Klarlegung.
—.—
Niederlande.
Die Tracht der Figur weiſt uns auf das ſieben⸗ zehnte Jahrhundert. Ein ſchweres Seidenkleid von ein⸗ fachem Schnitte deutet mehr auf Reichtum als auf Eitel⸗ keit. Stolze, reiche, bürgerliche Behäbigkeit tritt uns in der Geſtalt entgegen, wie ſie das mächtige Handelsreich in ſeiner Glanzzeit charakteriſiert. Von den Schultern wallt frei über den Rücken, nur von einer Schnur am Halſe gehalten, der pelzgefütterte Mantel. Kleine Löckchen beſchatten die hohe, breite Stirn, die Hauptfülle des Haares fällt in zwei dichten Maſſen über den Ohren, in denen lange Glocken hängen, herab. Die dadurch entſtehende Lücke auf dem Hinterkopfe wird nach der Sitte der Zeit durch einen falſchen Zopf ausgefüllt, der in dem neun— zackigen, vlämiſchen Krondiadem liegt: eine Fürſtenkrone duldet das Haupt der freien Republikanerin natürlich nicht. Die erhobene Rechte drückt den Lorbeerkranz an die Bruſt, während die Linke Palette und Pinſel trägt.
Die Deutung iſt einfach. Die Blütezeit der nieder⸗ ländiſchen Kunſt fällt in das ſiebenzehnte Jahrhundert, und die Malerei iſt es, die ihr den Lobeerkranz eingetragen hat. Sie hat einen Rembrandt und Rubens, einen Hals und van Dyck, aber ſie hat freilich keinen Raffael, den das Urteil des ganzen Volkes an die erſte Stelle ſetzte, viele ſtreiten um die Palme. Durch die Palette wird wohl noch im beſonderen auf die Farbenpracht der Niederländer hingewieſen, Die Andeutung iſt ebenſo verſtändlich wie berechtigÄt. Wir brauchen, um uns zu überzeugen, nur einen Schritt in unſere Galerie zu thun; gleich in dem erſten Raume bewundern wir ſtaunend die ſtrahlenden Farben eines Rubens und das zauberhafte Helldunkel eines Rembrandt. Aber nicht nur als Beherrſcher der Farbe preiſt die Kunſtgeſchichte die nieder⸗ ländiſchen Maler, ſondern ſie feiert in Hubert und noch
mehr in ſeinem jüngeren Bruder Jan van Eyck geradezu einen
Erfinder und Reformator auf dem Gebiete der Farbentech⸗ nik.„Durch neue Verwendung des Hles als Bindemittels erreichte er eine bis dahin nicht gekannte Leuchtkraft und Tiefe, eine unvergleichlich feine Verſchmelzung des Kolorits;
12
ein trefflicher Firnis kam hinzu, daß die Bilder durch den vollendeten Schein der Wirklichkeit alle Zeitgenoſſen über⸗ raſchten.“
Auch in dieſer Figur iſt die Charakteriſtik wohl ge⸗ lungen. Im Gegenſatze zu der zierlicheren Südländerin hier die gedrungenere Geſtalt einer Germanin von kräf⸗ tigerem Körperbau und breiterer Hüfte. Die quadratiſche Grundform des Geſichtes giebt dieſem etwas Derbes und Hausbackenes. Seine Züge weiſen mehr auf die ſittlichen als auf die intellektuellen Fähigkeiten. Der freie, offene Blick verrät Mut, die ruhige Haltung Selbſtbewußtſein und Bürgerſtolz des freien, reichen Kaufmannslandes. Ger⸗ maniſche Kraft, Einfachheit und Tüchtigkeit, kerngeſunde, etwas behäbige Bürgerlichkeit, das ſind die Eigenſchaften, die wir in der Vertreterin dieſes Landes hier verkörpert ſehen, und denen wir auch in ſeiner Kunſt begegnen.
Durch den wenig zurückgeſtellten linken Fuß kommt etwas Bewegung in das rauſchende Seidenkleid, und dies giebt dem Künſtler Gelegenheit, ſeine techniſche Fertigkeit in der Behandlung dieſes in Marmor ſchwer wiederzugeben⸗ den Stoffes aufs glänzendſte zu beweiſen.
—:”·ᷣ—-
Spanien.
Auf dem rauhen Fels des heimatlichen Bodens ſteht die ſtolze Vertreterin der zweiten romaniſchen Nation. Die vornehme Tracht weiſt uns auf das ſiebenzehnte Jahr⸗ hundert. Den Körper bedeckt ein langes, ſchleppendes Ge⸗ wand aus weichem Wollſtoff; ungegürtet ſchmiegt es ſich loſe um Bruſt und Hüften. Das Haupt ſchmückt die mauriſche Krone, um die ſich leicht ein Lorbeerzweig ſchlingt, und von dem Kopfe nach hinten wallt die kleidſame Man⸗ tilla. Mit Stolz zeigt die fürſtliche Frau das Bild Mu⸗ rillos in Medaillonform, das, von beiden Händen gehalten auf dem rechten Oberſchenkel ruht.
Zwar hat der Künſtler nicht unangedeutet laſſen wollen, daß die mauriſche Invaſion auf die Kunſtentwicke⸗ lung Spaniens einen großen Einfluß geübt hat,— wer denkt nicht gleich an Sevilla, an Granada mit ſeiner Al⸗ hambra?— aber er iſt ſich andererſeits klar, daß das Land auf dem Gebiete der Malerei eine ſelbſtändige Kunſt ent⸗ wickelt hat, und er zweifelt nicht, Murillo den Ehrenpreis zuzuerkennen. In der That iſt es wohl das Urteil der Kunſtgeſchichte, daß die Kunſtblüte Spaniens in das ſieben⸗ zehnte Jahrhundert fällt und mit Murillo ihre Höhe er⸗ reicht. Nicht nur an Fruchtbarkeit(man kennt von ihm


