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gerafft, in zweihundert Kiſten verpackt, in die Heimat ſchaffte und mit dieſen Schätzen den Grund für die Londoner Antiken— ſammlungen legte. Aufein zweites Gebiet archäologiſcher For⸗ ſchung weiſt uns der Obelisk hin, eine kleine Nachbildung einer jener berühmten„Nadeln“ der Kleopatra, die gerade zur Zeit der Entſtehung des Standbilds in der Nähe von Alex⸗ andrien gefunden waren,(1878), und von denen eine nach London kam. Auch dort an den Ufern des Niles mit ſeiner vieltauſendjährigen Geſchichte iſt mit engliſchem Gelde und engliſcher Energie gegraben und geſammelt und ſo unend⸗ lich viel für die Kunſtwiſſenſchaft gethan. Sind wir auch nicht immer mit der wenig ſchonenden, oft pietätloſen, an römiſche Raubgier erinnernden Art einverſtanden, mit der England ſeine Kunſtſchätze erwarb, ſo müſſen wir die Er⸗ gebniſſe, wie wir ſie in den engliſchen Muſeen, den be⸗ rühmteſten der Welt, vor Augen haben, ſtaunend bewun⸗ dern und bekennen, daß der Künſtler ein Recht hatte, rühmend auf dieſe archäologiſch⸗wiſſenſchaftliche Thätigkeit des Landes hinzuweiſen. Denn im ganzen ſcheint er mit ſeiner Allegorie nichts anderes ſagen zu wollen als: Eng⸗ land ſteht ſinnend über den Kunſtſchätzen des Altertumes, und die Ergebniſſe ſeines Nachdenkens, ſeines Forſchens trägt es ein in das Buch der Wiſſenſchaft, der Archäologie.
Die Engländerin in der Figur kann ſich nicht ver⸗ leugnen. Sie verrät ſich uns durch das Geſicht mit der oblongen Grundform und ſeinem ruhigen, faſt phlegmatiſchen Ausdrucke, durch Kopfbildung und Haupthaar, durch die hohe Geſtalt mit ihren kräftigen Formen. Aber wie uns ſcheinen will, haben wir hier mehr eine beſtimmte Eng⸗ länderin vor uns als eine idealiſierte Verallgemeinerung, mehr ein Porträt als den Typus der Nation. Die ganze Geſichtsbildung, das träumeriſche Auge, der leiſe geöffnete Mund, deſſen üppige Lippen die Zähne leicht durchſchimmern laſſen, die Stirn mit den„Mondſcheinfranſen“, alles macht den Eindruck individueller, perſönlicher Eigenart.
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Deutſchland.
Klopſtock griff, um dem deutſchen Volke ſeine Stammes⸗ ideale möglichſt rein und unverfälſcht zu zeigen, in ſeiner Bardendichtung zurück in die alten Zeiten germaniſchen Heldentumes. Vielleicht ſchwebte unſerm Künſtler ein ähn⸗ licher Gedanke vor, wenn er dieſe Idealgeſtalt, die unſer Land verkörpern ſoll, die Vertreterin des Deutſchtumes, uns in einer Kriemhildentracht entgegentreten läßt, um uns ſo in die alte Heldenzeit zu verſetzen und uns an eine der
herrlichſten Figuren unſerer nationalen Dichtung zu er⸗ innern. Durch ſeine Einfachheit und Schlichtheit erinnert das Gewand an die Zeiten, wo Fürſtentöchter am Web⸗ ſtuhle ſaßen und Fürſtinnen ſelbſt die Kleider für ſich und die Helden ihrer Umgebung fertigten. Der rechte Fuß der Figur ruht auf dem Stumpfe einer deutſchen Eiche, die rechte Hand lehnt ſich auf eine zierliche, romaniſche Säule, auf der die Büſte Albrecht Dürers ſteht, die die Linke mit dem Lorbeer zu bekränzen im Begriffe iſt.
Das deutſche Vaterland alſo zweifelt nicht, wem unter ſeinen zahlreichen Künſtlern es den Ehrenpreis zu reichen hat. Albrecht Dürer iſt es, der Begründer der neuen deutſchen Malerei, dieſer hochbegabte Künſtler, der auf den weiteſten Gebieten der Kunſt neu und ſchöpferiſch gewirkt und überall eine führende Stellung eingenommen hat. Er führte den Stichel und die Nadel ebenſo ſicher wie den Pinſel. Seine Zeichnungen zur Apokalypſe be⸗ deuten einen Wendepunkt in der Geſchichte der Holz⸗ ſchneidekunſt. Von dem größten Künſtler ſeiner Zeit, von Raffael, wurde er in einer Weiſe geſchätzt und anerkannt, daß dieſer nicht nur ſeine Werke mit ihm austauſchte, ſondern ſeinen Arbeitsraum mit Dürerſchen Blättern ſchmückte und Dürerſche Holzſchnitte ſeinen Gemälden zu Grunde legte, ja ihn ſelbſt auf einem Bilde der Eliodoro⸗ Stanza verewigte*). Einem Manno, deſſen deutſche Kern⸗ haftigkeit Goethe das Zeugnis abnötigte, daß des männ⸗ lichen Meiſters holzgeſchnitzteſte Geſtalt beſſer ſei als alle die Modemalerei ſeiner Tage; einem Künſtler, von deſſen Reichtum und Genialität die deutſche Kunſt zehrt bis auf unſere Tage**); einem Meiſter, der ſo durch und durch deutſch iſt, deutſch durch ſeinen Fleiß und ſeine wiſſen⸗ ſchaftliche Gründlichkeit, deutſch durch ſein religiöſes Em⸗ pfinden, deutſch durch ſeine Einfachheit, Schlichtheit und Be⸗ ſcheidenheit, deutſch vor allen Dingen durch die Reinheit aller ſeiner Schöpfungen,— ihm gebührt die Stelle in der deutſchen Kunſtgeſchichte, die Echtermeier ihm hier zugeſprochen hat, ihm darf im beſonderen die deutſche Frau, die durch ſeine Kunſt ſo oft verherrlicht iſt und zwar nicht nach der Weiſe der Südländer, die das Ideal mehr in ſinnlicher Schönheit ſuchen, ſondern durch Betonung ihrer inneren Eigenſchaften, ihrer Herzensreinheit und des Adels der Seele, den wohlverdienten Lorbeer reichen.„Mit Recht wird gerade Dürer als die Liebe und der Stolz des deutſchen Volkes bezeichnet, dieſer Genius, der an Tiefe
*) Wird von anderen beſtritten.
**) Man vgl. u. a. die begeiſterte Darſtellung L. Richters in ſeiner Lebensbeſchreibung, S. 169 u. 304.


