Aufsatz 
Zur Einführung unserer Schüler in die Kasseler Bildergalerie : 3. Teil. (Die Vorhalle unserer Bildergalerie und die Echtermeierschen Länderstatuen
Entstehung
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24. April 1899 wurde das Denkmal der Offentlichkeit übergeben. Die deutſche Bauzeitung vom 24. Mai bringt eine Abbildung und lobende Beſprechung und rühmt vor allen Dingen die meiſterhafte Behandlung des Reliefs, die Lebensfriſche der Darſtellung und die charakteriſtiſche Wiedergabe der dichteriſchen Geſtalten.

Von preisgekrönten Entwürfen des Künſtlers ſeien ferner außer einem für den Holzmarkt in Hannover ge⸗ planten Prachtbrunnen noch erwähnt ein Bismarckdenkmal für Berlin, ein gleiches für Düſſeldorf und ein Standbild des Bürgermeiſters Peterſen für Hamburg.

Bei den bisher erwähnten Standbildern handelte es ſich zumeiſt um Darſtellung hiſtoriſcher Perſönlichkeiten und um Porträtfiguren. Dieſen ſtehen gegenüber eine ganze Reihe von Idealfiguren allegoriſchen Charakters, die jene erſteren nicht nur an Zahl ſondern wohl auch an künſtleriſcher Bedeutung überragen. Zu den bereits beſprochenen derarti⸗ gen Werken der Dresdener Zeit kommt jetzt eine ganze Reihe neuer hinzu. Zunächſt verdienen rühmende Erwäh⸗ nung die beiden üherlebensgroßen Figuren in der herzog⸗ lichen techniſchen Hochſchule, Kunſt und Wiſſenſchaft, die den Hauptſchmuck ihres Veſtibüls bilden. Sodann hat er im Laufe der Jahre eine ſtattliche Zahl alle⸗ goriſcher Geſtalten zum Schmucke von Familiengräbern auf den Friedhöfen Hannovers geſchaffen. Auf dem Döhrener Friedhofe allein zählen wir 11 lebensgroße Marmorbilder auf den Begräbnisſtätten der Familien de Haën, Hofmann, Köhler, Chriſt, Kredel, Menke, Küſter, die die Begriffe Glaube, Liebe, Hoffnung, Trauer, Poeſie, Muſik, Architektur in weiblichen Idealgeſtalten verſinn⸗ bildlichen. Von allen dieſen hat wohl die Trauer auf dem Hofmannſchen Grabe am meiſten Anerkennung ge⸗ funden.Sie gehört, ſo leſen wir in einer braunſchwei⸗ giſchen Beſprechung,zu den hervorragendſten Werken des Meiſters, die Geſamtwirkung der Figur iſt überaus har⸗ moniſch und in hohem Grade feſſelnd.

Wir haben uns bei dieſer Aufzählung und Be⸗ ſprechung der neueren Schöpfungen Echtermeiers darauf beſchränken müſſen, zu berichten. Eines eigenen Urteils mußten wir uns, ganz abgeſehen davon, daß wir uns einer vollen Würdigung des Künſtlers teils wegen Mangels an der nötigen äſthetiſchen Schulung, vor allem aber wegen der unzureichenden techniſchen Kenntniſſe nicht gewachſen fühlen, ſchon einfach deshalb enthalten, weil wir viele dieſer Werke überhaupt nicht aus eigener Anſchauung kennen, andere uns nur in bildlichen Darſtellungen zu Geſicht gekommen ſind.

Aber wenn wir den Künſtler auch nur nach ſeinen Werken in unſerer Stadt beurteilten, ja, wenn wir nichts weiter von ihm kennten als die Gewandfiguren unſerer Galerie, ſo würden wir ihn ſchon um dieſer Werke willen bewundern und zu ſeinen begeiſterten Verehrern zählen.

Der Artikel über Echtermeier im Meiſter⸗Archiv ſchließt mit den Worten:Mit Recht ſtellt ſchon heute die Kunſt⸗ geſchichte Echtermeier unter die Großen im Reiche der Kunſt. Wir dürfen mit Recht einen Sachkundigen hinter dieſem Urteil ſuchen. So viel aber dürfen wir auch als perſönliches Urteil über ihn ausſprechen, daß wir ihn anſtaunen wegen ſeiner reichen Erfindungsgabe und wegen ſeiner unerſchöpflichen Schaffenskraft und daß wir ihn lieben wegen der Vor⸗ nehmheit, die ſeine Werke auszeichnet. Seine Kunſt hält ſich überall von dem Platten gleich weit entfernt wie vom Geſuchten und Zudringlichen, ſie bildet eine glückliche Miſchung von Realem und Idealem, die das Gemeine und Alltägliche ebenſo meidet wie das Effektvolle und Üüber⸗ ſchwängliche, die zwar überall auf dem geſunden Boden der Wirklichkeit ſteht, aber doch verklärt wird von einem Schimmer des klaſſiſchen Idealismus, von einem Hauche griechiſchen Geiſtes.

3. Entſtehungsgeſchichte der Figuren.

Wir kehren nach dieſer Abſchweifung zurück zu unſeren Länderſtatuen und der Geſchichte ihrer Entſtehung.

Die Idee, dieſe Vorhalle mit Standbildern zu ſchmücken, gehört dem Erbauer dieſes Hauſes, dem Baurat Profeſſor Heinrich von Dehn⸗Rotfelſer(ſtarb 1885). Er ſtellte Echtermeier die Aufgabe, in acht Gewandſtatuen die Länder Europas darzuſtellen, in denen die Malerei zur Blüte gelangt ſei, und zwar ſollten ſie, da die Mittel nicht weiter reichten, in Gips ausgeführt werden. Der junge Künſtler ging mit Eifer an die Arbeit, und nach fünf⸗ jähriger angeſtrengter Thätigkeit waren die Figuren fertig. Er durfte mit ſeinem Werke ſo zufrieden ſein, daß er eines der Standbilder, welches ihm beſonders gelungen ſchien(Griechenland), in Marmor ausführte, und es auf die Kunſtausſtellung nach Berlin ſandte. Die Figur erregte Aufſehen. Die ſtaatliche Kunſt⸗Kommiſſion, die die Aufgabe hat, wertvolle künſtleriſche Schöpfungen zum Ankaufe vorzu⸗ ſchlagen, trat mit dem Künſtler in Verbindung, und es wurde die Anfrage an ihn gerichtet, welchen Preis er verlange, wenn er ſämtliche acht Standbilder in Marmor liefere. In zu großer Beſcheidenheit, wohl von dem Wunſche geleitet, die begonnene und ihm lieb gewordene Arbeit zu Ende zu führen und zugleich ſeinen künſtleriſchen Ruf feſter zu be⸗