noch einmal in Hähnels Atelier und arbeitet mit an ſeinem Körnerſtandbilde. Für ſich ſelbſt aber modelliert er die oben erwähnte Bacchantin. Nach wenigen Monaten gründete er ſich ein eigenes Künſtlerheim. Bald hatte er alle Hände voll zu thun, da aus ſeiner Heimat der große und ehren⸗ volle Auftrag einlief, an der äußeren und inneren Aus⸗ ſchmückung des Galeriegebäudes zu helfen, eine Arbeit, die den jungen Künſtler zehn Jahre in Anſpruch nehmen ſollte. Dem erſten Auftrage folgten bald drei andere: das Schom⸗ burgdenkmal, die Figuren des Löwenbrunnens und die 4 Allegorieen des Juſtizpalaſtes wurden ihm übertragen.
Unter allen dieſen Werken nahmen den vornehmſten Platz die acht Länderſtatuen ein, und ſie waren es, die, zumal ſeit die erſte in Marmor ausgeführte, Griechenland, in Berlin ausgeſtellt war, die Aufmerkſamkeit weiterer Kreiſe auf den jungen Meiſter lenkten und weſentlich zur Er⸗ höhung ſeines Ruhmes beitrugen. Man bewunderte allge⸗ mein die feine Charakteriſtik der einzelnen Figuren und erkannte die vortreffliche Marmortechnik an.*) Wir gehen wohl nicht fehl, wenn wir mit dieſer Schöpfung Echter⸗ meiers ſeine Berufung als Profeſſor an das Polytechnikum zu Braunſchweig in Verbindung bringen, die im Jahre 1883 erfolgte. In dieſer Stellung befindet ſich der Künſtler übrigens noch heute, und die Anſtalt iſt mit Recht ſtolz auf den Lehrer, der ihr nunmehr 17 Jahre angehört.
Eine neue Zeit reichen, unabläſſigen Schaffens brach in dem neuen Wirkungskreiſe an, und zahlloſe kleinere und größere Arbeiten ſind in den ſiebenzehn Jahren unter den Händen des nimmerraſtenden Künſtlers entſtanden. Eine Echtermeier⸗Ausſtellung, die im März 1896 in Braunſchweig im Muſeum veranſtaltet wurde und einen Überblick gab über alle Schöpfungen des Künſtlers, wies im ganzen annähernd achtzig Werke auf und zwar in der erſten Abteilung 9 Büſten und 10 Reliefporträts meiſt braun⸗ ſchweigiſcher Perſönlichkeiten, in der zweiten Bilder von mehr als ſechzig Werken des Künſtlers, die in Marmor oder Bronze ausgeführt ſind. Im Hinblick auf die Fülle und Schönheit dieſer Kunſtwerke durfte die Braunſchweigiſche Zeitung, die über dieſe Ausſtellung berichtete, den Meiſter als einen der hervorragendſten der jetzt lebenden deutſchen Bildhauer bezeichnen und in berechtigtem Stolze ſich des gefeierten Mitbürgers rühmen.
Können wir nun auch unmöglich alle Werke des Künſtlers hier aufzählen, ſo möchten wir doch nicht unter⸗ laſſen, die wichtigſten namhaft zu machen.
*) Siehe Meiſterarchiv, Adolf Eckſtein, Berlin, 1899.
Zunächſt hat Echtermeier eine Reihe von lebensvollen Porträtfiguren geſchaffen, die Zeitgenoſſen oder ſonſtige be⸗ rühmte Männer ſeiner Stadt und des Vaterlandes darſtellen. Im allerhöchſten Auftrage ſchuf er für das Schloß in Meißen ein Standbild Friedrichs des Streitbaren. Das neue Hamburger Rathaus ſchmücken die beiden überlebens⸗ großen Figuren Kaiſer Friedrichs II. und Graf Adolfs IV. von Schaumburg. Die Städte Dortmund, Unna und Schöningen verdanken ihm die Denkmäler, die ſie zu Ehren ihrer im Kampfe gefallenen Söhne errichteten, und als Magdeburg im Jahre 1897 dem großen Kanzler ſeinen Tribut zahlen und ihn in Erz verewigen wollto, erhielt Echtermeier den ehrenvollen Auftrag, das Standbild aus⸗ zuführen, eine Aufgabe, deren er ſich in einem Zeitraum von zwei Jahren entledigte. Am 1. April 1899 wurde das Denkmal enthüllt, eine gewaltige, 4 Meter hohe Figur, in Kupfer getrieben, auf einfachem Sockel. Die deutſche Bauzeitung vom 19. April 1899 trägt kein Bedenken, das impoſante Werk zu den bedeutſameren Kunſtleiſtungen zu Ehren des großen Kanzlers zu zählen. Der Oberpräſident von Bötticher, der langjährige Mitarbeiter Bismarcks, urteilte bei einer ſpäteren Feier in öffentlicher Rede, daß man eine beſſere Charakteriſtik des Fürſten nirgends finden könne.
Neben dieſen kraftvollen Fürſten⸗ und Heroengeſtalten hat Echtermeiers Hand aber auch friedlichere Bilder zu ſchaffen verſtanden, Geiſteshelden, Vertreter der Dichtung und Kunſt. In Braunſchweig ſelbſt feierte er den Meiſter des Liedes Franz Abt. Beſondere Bewunderung an dem Bronzedenkmal erregen die ſingenden Knaben am Sockel. „Wie Echtermeier das deutſche Lied in ſeiner Innigkeit und ſeiner gemütvollen, zu Herzen gehenden Wirkung dar⸗ geſtellt hat, iſt ſchwer zu ſchildern...... Man ſieht es und bewundert die große Kunſt, die das Gemütsleben des Deutſchen an ſeiner beſten Seite und in ſo prägnanter Weiſe zum Ausdrucke bringen konnte“.*) Ein weiterer Schmuck ſteht der Stadt Braunſchweig bevor in einem Denkmal Bugenhagens, des Reformators Braunſchweigs, an dem Echtermeier bereits einige Zeit arbeitet und das er in zwei Jahren fertig zu ſtellen hofft. Endlich beſitzt Magdeburg ſeit kurzer Zeit ein Immermann⸗Denkmal von ſeiner Hand. Die Aufgabe, mit der ihn die Stadt wohl bei der 100. Wiederkehr des Geburtstages des Dichters (1896) in dem Wunſche, den in ihren Mauern geborenen Schriftſteller in würdiger Weiſe zu ehren, betraute, hat er im vorigen Jahre zu allgemeiner Befriedigung gelöſt. Am
*) Meiſterarchiv, ſiehe oben.


