wunderbar ſchöne Beleuchtung hervorrufen. Es iſt Abend, und bald wird die Sonne hinabgeſunken ſein. Ihre letzten Strahlen ſendet ſie in einen Raum, wo ein Lebensabend zu Ende geht und ein reiches Leben bald niederſinken wird in die Gruft. Aber wie die ſinkende Sonne uns einen neuen Tag hoffen läßt, ſo knüpft ſich an den verheißungs⸗ vollen Segen des Patriarchen der hoffnungsvolle Aus— blick auf eine reiche, geſegnete Zukunft.
Sehr treffend ſpricht Bode S. 509 über dieſes Ge⸗ mälde:„Wahrer und gemütvoller läßt ſich der einfache Vorgang, mannigfaltiger und charakteriſtiſcher die Teilnahme in den Beteiligten nicht wiedergeben: die erhabene Größe in der Greiſengeſtalt des blinden Patriarchen, die pietätvolle Art, mit der Joſeph ſeine Hand leitet, die kindliche Schüchtern⸗ heit und fromme Andacht in den anmutigen Köpfchen der Knaben(doch wohl nur des blonden Ephraim) und die innige Teilnahme der zuſchauenden jungen(?) Mutter. Es iſt eine der großartigſten und tiefſtempfundenen Schöpfungen des Meiſters, und die ergreifende und doch ſo einfach naive Auffaſſung, die den Geiſt des altjüdiſchen Patriarchen⸗ lebens in ſo unübertrefflicher Weiſe zum Ausdruck bringt, iſt ein beredtes Zeugnis dafür, wie ein ähnlicher, ernſt patriarchaliſcher Geiſt im alten Holland in und durch die Reformation und ihre Kämpfe wiedererwacht war. Auf ihm beruht im weſentlichen Hollands faſt einzig in der Geſchichte daſtehende raſche Entwickelung und ſeine kurze, großartige Blüte.— Noch ſei erwähnt, daß dieſes Gemälde in dem Jahre entſtand, in dem der finanzielle Ruin über Rembrandt hereinbrach. Welche Geiſtesſtärke muß er gehabt haben, daß er fähig war, in ſolcher Zeit noch ſolche Werke hervorzubringen!
In Kabinett 7 betrachten wir zuerſt den ſog. Federſchneider aus dem Jahre 1632(Nr. 234), an⸗ geblich Bildnis des Amſterdamer Schreib⸗ und Rechen⸗ meiſters Koppenol, deſſen Züge aber auf andern Bild⸗ niſſen Rembrandts mit dieſem nicht übereinſtimmen. Er iſt eben im Begriff eine Feder zu ſchneiden, blickt aber gerade aus. Rechts ſteht ein Tiſch, auf dem Schreibmaterialien und Bücher liegen. Es iſt ein meiſterhaft gemaltes, lebensvolles Bild, das unter den Einzelbildniſſen jener Jahre beſonders ge⸗ rühmt wird. Bode S. 401 hebt hervor„den außer⸗ ordentlichen Fortſchritt des jungen Künſtlers in dem kurzen Zeitraum von einem oder höchſtens zwei Jahren. Statt der etwas geſuchten und ſchulgerechten Anordnung dort die völlig freie, vornehme Haltung hier; ſtatt der über⸗ triebenen Gegenſätze zwiſchen grellem Licht und dunkelem Schatten ein ſonniges Licht, von dem die ganze Figur um⸗ floſſen iſt und das ſelbſt den tiefſten Schatten durch ſeine
Reflexe aufhellt. Dem entſpricht die weiche vertriebene Be⸗ handlung und die unbeſtimmte, maleriſche Zeichnung.“
Ein beſonders anziehendes und wertvolles Gemälde in dieſem Kabinett iſt noch das Bildnis von Rem⸗ brandts Braut Saskia van Ulenburgh, der Tochter eines holländiſchen Geiſtlichen, aus dem Jahre 1633 oder dem Anfang des folgenden(Nr. 236). Es iſt das lieblichſte, ſtrahlendſte und reichſte Abbild dieſer Sonne ſeines Lebens. Sie iſt im Profil nach links ge— wendet und zeigt ſich im vornehmſten Schmuck: einem rot— ſamtnen Hut mit Goldverzierungen und weißer Straußen⸗ feder, einem Kleid aus dunkelrotem Samt und bauſchigen Ärmeln, aus einem goldiggrauen Stoff gewirkt, einem in Gold gemuſterten und mit Perlen beſetzten mattbläulichen Kragen und einem Pelzmantel, den ſie leicht um die rechte Schulter geworfen. Am Ohr, im Haar, um den Hals, an der Bruſt und den Armen glänzt und blitzt es von Gold, Perlen und Juwelen. In der handſchuhbekleideten Rechten hält ſie einen Zweig aus Rosmarin. Das rötlich blonde Haar iſt in leichten Locken gekräuſelt, und ſinnend blickt ſie vor ſich hin,„in feierlichem Ernſt, wie die Braut vor dem Altare“, dem Beſchauer die jungfräulich reinen Linien ihres Profils zeigend.— Viele halten dieſes Bildnis für das ſchönſte Werk Rembrandts; jedenfalls iſt es das vol⸗ lendetſte. Denn mit größerer Liebe und Sorgfalt als hier hat er wohl nie gemalt. Namentlich das koſtbare Beiwerk, Kleidung, Perlen und Juwelen, wetteifert mit der Wirklich⸗ keit, und alles iſt in wunderbarer Weiſe übergoſſen von dem warmen goldigen Schein, der bei ihm ſo charakteriſtiſch iſt.— Selten hat Rembrandt, wie auch alle anderen be⸗ deutenden Bildnismaler, und dann meiſt nur bei Männern den Kopf im Profil genommen, und es gereicht dies, das läßt ſich nicht leugnen, dem Porträt nicht zum Vorteil. Denn ein Mädchenkopf im Profil kam nur in ſeltenen Fällen intereſſieren, wenn es nämlich beſonders ſchön, intereſſant und charakteriſtiſch iſt, und all dies liegt bei Saskia nicht vor. Sie war keine Schöuheit, aber lieb⸗ lich, anmutig, von blühender Jugendfriſche und glücklicher Heiterkeit reizvoll umkleidet. Und daß ſie in hohem Grade anregend auf den Künſtler wirkte, beweiſt uns ein Blick auf die Werke jener Zeit— er vermählte ſich mit ihr im Juni 1634,— denn durch den Pinſel oder die Radiernadel ver⸗ ewigt, im Bildnis oder als Heldin ſeiner bibliſchen und mythologiſchen Kompoſitionen tritt ſie uns überall ent— gegen; und zwar iſt ihr Bild ſtets mit einer ſo liebevollen Sorgfalt behandelt und zugleich von einem ſo eigenartigen Zauber übergoſſen, daß man nicht verkennen kann, wie hier das Herz bei der Arbeit war. Auch hatte ſie ihm ein


