Aufsatz 
Zur Einführung unserer Schüler in die Kasseler Bildergalerie : 2. Teil.
(Rembrandt.)
Entstehung
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anſehnliches Vermögen mit in die Ehe gebracht, wodurch er freier geſtellt wurde und nun ausſchließlich aus dem inneren Bedürfnis heraus ſchaffen konnte. Im Jahre 1642 entriß ſie ihm der Tod. Im Juni d. J. ward ſie aus dem Hauſe, das Rembrandt einige Jahre vorher gekauft und mit künſtleriſcher Pracht eingerichtet hatte, hinausgetragen auf den Friedhof. Sein Troſt war ſeine Arbeit, und aus manchen ſeiner Radierungen fühlen wir die Empfindungen heraus, die ihn beim Verluſte der Gattin bewegten. Dann verſuchte er ſich wieder das Bild der Verſtorbenen lebendig zurückzurufen und malte ſie noch einmal 1643, als ob ſie leibhaftig vor ihm ſäße, in verklärter Leiblichkeit mit einem holdſeligen Lächeln. Das Bild iſt im Berliner Muſeum. (Knackfuß S. 110).

Wir gehen jetzt in den dritten Oberlichtſaal und be⸗ trachten hier zuerſt das Bilddie Wache aus dem Jahre 1655(Nr. 245). Ein geharniſchter Mann ſteht mit dem linken Arm gegen eine Erderhöhung gelehnt, mit dem Körper nach rechts, dem Kopf nach links, den Blick ab⸗ wärts gewendet. Mit beiden Händen hat er eine Lanze gefaßt, die er gegen die linke Schulter lehnt. Sein Blick iſt ernſt, finſter, mißmutig und ſchwermütig, das ganze Gemälde von eigentümlich düſterem Charakter, der goldige Ton hat ſich verdunkelt zu tiefem Braun und Grau; und eine ſolche Düſterheit wird ungefähr ſeit dieſer Zeit in Rem⸗ brandts Gemälden vorherrſchend,(doch wechſelnd mit ſolchen, die magiſch beleuchtet und wirkungsvoll gemalt ſind), im Zuſammenhang mit ſeiner ſich immer düſterer geſtaltenden Lebenslage. Schon ſeit dem Jahre 1653 zog ſich das Ge⸗ witter des Zuſammenbruchs ſeines Vermögens unabwend⸗ bar über ſeinem Haupte zuſammen. In raſtloſer Thätig⸗ keit ſuchte er nach Zerſtreuung und Ruhe und fand darin vielleicht auch die Mittel, die dringendſten Gläubiger zu befriedigen. Aber im Sommer 1656 wurde ſein Bankerott erklärt, und in den folgenden Jahren wurde ſein Hausrat, ſeine Gemälde, ſeine Sammlungen und ſein ſchönes Haus verſteigert, er ſelbſt mußte in einem Gaſthof Unter⸗ kommen ſuchen. Daß das alles nicht ohne tiefgehenden Einfluß auf ſeine künſtleriſchen Produktionen blieb, iſt natürlich und ſelbſtverſtändlich.

Das Bildnis eines Mannes Nr. 253 iſt eine gute, alte Nachbildung eines Hauptwerks von Rembrandts Porträtmalerei. Es trägt die Jahreszahl 1645. Ein alter jüdiſcher Kaufmann ſitzt da in dunkelbraunem Rock, braunem Pelzmantel und Pelzmütze, die mageren Hände auf einen Stock geſtützt, die Blicke kühl und ruhig auf den Be⸗ ſchauer heftend. Das Original befindet ſich in der Ermi⸗

tage zu St. Petersburg, eine weitere gute Nachbilduug in der Nationalgalerie zu London.

In Saal II betrachten wir zunächſt das Bildnis des Dichters Krul aus dem Jahre 1633. Auch dies iſt ein Meiſterwerk erſten Ranges(Nr. 235). Er iſt ſtehend gedacht, hat blondgelocktes, kurzes Haar und ſchwachen Schnurr⸗ und Kinnbart. Er trägt ſchwarzes Gewand und Mantel, einen breitrandigen Schlapphut, einen Umlege⸗ kragen und einfache, anliegende Manſchetten. Die Rechte läßt er ſinken, die Linke ruht in dem aufgenommenen Mantel. Das Geſicht zeigt einen etwas ſchmerzlichen Ausdruck, das Licht iſt von kühlerem, etwas ins Grau ſpielendem Ton.

Krul war 1602 in Amſterdam geboren, alſo 4 Jahre älter als Rembrandt, und ſtarb daſelbſt 1644. Er dichtete Dramen, Hochzeitsgedichte und Minnelieder. Sie ſind nicht ohne Anmut und zeigen des Dichters muſikaliſche Begabung. Später führten trübe Lebenserfahrungen, Ver⸗ mögensverluſt, Freundesuntreue ihn zu einer ernſteren, er⸗ baulichen Dichtart. Wir ſehen alſo hier ein Lebensſchickſal, ähnlich dem unſeres Meiſters. Rembrandt wurde damals der geſuchteſte Porträtmaler Amſterdams. Herren und Damen der beſten Geſellſchaft wendeten ſich an ihn, und er ſchuf in ihren Bildniſſen Meiſterwerke erſten Ranges.

Unter Nr. 239 haben wir dasBildnis eines Unbekannten, der etwa in der Mitte der dreißig ſteht, aus dem Jahre 1639. Wahrſcheinlich iſt es ein Selbſtpor⸗ trät Rembrandts, was damit ſtimmen würde. Früher galt es als Bildnis des Bürgermeiſters Jan Sin, doch dieſer war damals um 10 Jahre jünger als der Dargeſtellte. In vornehm nachläßiger Stellung lehnt er, in ſchwarzen Atlas gekleidet, an dem Vorſprung eines Kamins. Es iſt das einzige Bild in ganzer ſtehender Figur, das wir hier von ihm haben. Er ſteht im Begriff auszugehen, denn er trägt einen kurzen Mantel und einen Schlapphut auf dem langen, leicht gewellten Haar. Die ganze Auffaſſung läßt es ſehr wohl begreiflich erſcheinen, daß man in dieſem Bildnis den vornehmen Gönner Rembrandts, Jan Siy, zu ſehen glaubte. Doch er, damals anerkannt der erſte Künſtler Hollands, der Gatte einer jungen hübſchen Frau aus einer ange⸗ ſehenen Gelehrtenfamilie, in völlig unabhängiger Stellung und in wohlhabenden, faſt reichen Verhältniſſen, dünkte ſich damals gewiß nicht viel weniger als ſeine vornehmen und gelehrten Freunde und Gönner. Und ſo ſtellt er ſich uns hier dar. Der eine Handſchuh liegt vor ihm am Boden. Hat er in übermütiger Stimmung ihn als Fehde⸗ handſchuh hingeworfen, daß der ihn aufnehme, der es wagt, mit ihm zu wetteifern oder ſich ihm gleichzuſtellen?

Es herrſcht hier der für Rembrandt ſo charakteri⸗

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