gegenüber hält Italien die Büſte Raphaels mit der Linken umſchlungen, in der ſie einen Kranz hält, während ſie in der Rechten das dreifache Kreuz, das Symbol der päpſtlichen Macht, trägt als Zeichen der Kunſtblüte unter der päpſtlichen Herrſchaft.— Die Niederlande ſind dar⸗ geſtellt durch eine kräftige Figur, die in der Linken die Palette mit Pinſeln hält, in der Rechten einen Kranz.— Spanien, kühn ins Weite blickend, hat den linken Fuß er⸗ höht vorgeſtellt und hält auf das Knie gelehnt mit beiden Händen eine Tafel mit dem Reliefbilde Murillos.— England mit aufgeſchürztem Gewand hat den rechten Fuß erhöht vorgeſtellt, den rechten Arm ſtützt ſie auf die„Nadel der Kleopatra“ und legt die Hand ſinnend an den Kopf. Es iſt damit hingedeutet auf die wiſſenſchaftliche Bedeutung Englands um die Forſchung auf dem Gebiete beſonders der ägyptiſchen Archäologie und Kunſt. Alle Figuren außer Griechenland tragen Kronen oder Diademe.
An Bildniſſen von Malern haben wir alſo hier die Büſten von Raphael und Dürer und das Relief⸗ bild von Murillo. Raphael, der berühmteſte Maler der Neuzeit, beſonders ausgezeichnet durch ſeine bibliſchen Bilder und Madonnen, ſtarb zu Rom 1520. Von ihm haben wir in der Galerie kein Original, nur eine alte Kopie der heiligen Familie mit dem Lamm in Kabinet 5, die früher auch für ein Original gehalten wurde. Die Kopieen nach Raphael von Ihlée in Kab. 2 übergehen wir heute. Der hervorragende und vielſeitige Nürnberger Künſtler Albrecht Dürer ſtarb 1528. Von ihm haben wir ein kleines Originalporträt der Eliſabeth Tucher in Kab. 15. Murillo, der Hauptmeiſter der Malerſchule
von Sevilla, ſtarb daſelbſt 1682. Seine Gemälde zeichnen
ſich aus durch Anmut und Farbenſchmelz. wir kein Bild in der Galerie.
Von ihm haben Wir merken uns aber aus
obigem die Todesjahre der Maler 1520, 1528 und 1682, (hier die beiden letzten Ziffern von 1528 umgekehrt im
folgenden Jahrhundert). vor Aufſtellung dieſes ſeines Bildniſſes im Aufgange zur Galerie.
Nun treten wir oben durch die Thüre links ein in
Kab. 19 und gehen durch dieſes zunächſt wieder links in
Kab. 18. Hier finden wir unter Nr. 327 den Landgrafen Karl von Heſſen und ſeine Familie von Philip van Dyk. Er iſt nicht zu verwechſeln mit dem berühmten An⸗ tonius van Dyck. Dieſer wurde 1599 geboren, jener 1680, alſo faſt 100 Jahre ſpäter. Er wurde von Wilhelm VIII., dem Begründer unſerer Galerie, zu ſeinem Hofmaler ernannt und weilte zeitweilig auch in Kaſſel. Wir werden nachher auch noch ein Bildnis Wilhelms VIII. von ihm ſehen. Aus
Murillo ſtarb alſo 200 Jahre
fütterten Mantel.
dieſem Bilde hebe ich nur die uns hauptſächlich intereſſieren⸗ den Figuren heraus. Etwas rechts von der Mitte ſitzt vor einem halbrunden Säulengang der Landgraf Karl in lichtbraunem Rock, zu ſeiner Linken ſeine Gemahlin Marie Amalie in rotſamtenem Gewand und lichtblauem Mantel, der mit Hermelin gefüttert iſt. Dahinter ſteht der König von Schweden, Friedrich J., in blauem Rock mit Gold und ſeine Gemahlin Ulrike Eleonore in weißer Kleidung und blauem, pelzverbrämtem Mantel. Etwas links vom Landgrafen Karl ſteht ſein zweiter Sohn, der ſpätere Land⸗ graf Wilhelm VIII., in rotbrauner, mit Silber geſtickter Kleidung und weißer, gleichfalls geſtickter langer Weſte, ſeinem Vater das Gemälde der Vermählungsfeier des Königs von Schweden zeigend, welches der Maler derſelben, Philip van Dyk, Pinſel und Palette in der Linken haltend, auf einen Stuhl geſtellt hält. Zu Füßen Wilhelms kniet der kleine Prinz Friedrich, ſein Sohn, der künftige Landgraf Friedrich II. mit einem Gewehr in der Linken. Durch den Säulengang ſieht man hinten in der Ferne den Karlsberg mit dem Oktogon und der Statue des farneſiſchen Herkules(1717 errichtet), die Schöpfung des Land⸗ grafen Karl.—
Der Sohn des eben genannten Landgrafen Friedrichs II. war Wilhelm X, als Kurfürſt von 1803—1821 Wil⸗ helm I.
Kehren wir nun in Kabinet 19 zurück, ſo ſehen wir links zur Seite der Thüre, durch welche wir vom Treppen⸗ hauſe eintraten, unten ein Bruſtbild dieſes erſten heſſiſchen Kurfürſten von Auguſt von der Embde, einem Kaſſelaner (Nr. 768). Seit kurzem hängt ihm zur Seite ein Bild⸗ nis ſeiner Gemahlin von demſelben Maler, ein Geſchenk der Enkelin dieſes, Frl. von der Embde in Kaſſel. Über der Thüre aber hängt ein Bildnis des Landgrafen Wil— helms VIII. von einem Maler der deutſchen Schule des vorigen Jahrhunderts(Nr. 731), ein Knieſtück in Lebens⸗ größe, geharniſcht, mit einem roten, mit Hermelin ge⸗ Er hält in der Rechten den Kommando⸗ ſtab, mit der Linken den Griff ſeines Degens. Links ſteht ſein Stahlhelm, rechts hinten ſieht man in kleinen Figuren die Szene einer Reiterſchlacht. In Kabinet 6 ſehen wir dann noch ein Bildnis Wilhelms VIII.
Nun gehen wir bis zur Mitte der Loggia und werfen zunächſt einen Blick hinaus in die entzückende Landſchaft über die Karlsaue und auf das weithin ſchimmernde, von Hügellehnen und Bergen begrenzte Fuldathal. In der Loggia befindet ſich jedem der 11 großen Fenſter gegenüber eine Bogenniſche. Die Künſtlerbüſten aus weißem, karrariſchem Marmor ſind von dem uns ſchon bekannten Profeſſor


