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Haſſenpflug gefertigt, die 13 Wandgemälde in den halb⸗ kreisförmigen Stirnflächen des Kuppelgewölbes rühren her von dem vor nicht langer Zeit hier verſtorbenen Maler Karl Merkel, die Ausführung in Wachsfarben von dem Maler Lins aus Caſſel. Das Bild über der Mittelthüre, vor der wir ſtehen, zeigt wieder eine Verherrlichung des Be⸗ gründers unſerer Galerie, des Landgrafen Wilhelms VlIII. Der Genius der Malerei legt vor dem Bilde des Landgrafen Lorbeer und Blumen nieder; links der heſſiſche Löwe, dahinter ein Genius mit ausgebreiteten Flügeln.
Gehen wir drei Niſchen nach rechts, ſo ſehen wir über der Büſte des Antonius van Dyck, der, wie geſagt, zur Schule des Rubens gehört, Prometheus, wie er das Feuer aus dem Himmel geraubt hat, rechts eine Mädchen—⸗ geſtalt, auf einem Löwen ſitzend und auf eine Keule geſtützt, links einen Satyr, alles allegoriſch hindeutend auf das Feuer, die urwüchſige Kraft und friſche Sinnlichkeit der Malerei unſeres Rubens. Satyrn und Nymphen werden wir auf ſeinen Bildern, wie auf anderen ſeiner Schule, mehrfach ſehen. Eine beſondere Büſte von Rubens iſt nicht in der Loggia, ebenſowenig wie von Rembrandt, da beide, wie wir ſahen, ſich ſchon in ganzer Figur draußen in den Niſchen neben dem Eingang befinden.
Hier einiges über das Leben des Rubens. Im Jahre 1877, in demſelben Jahre, in dem unſere Galerie vollendet wurde, fand, wie gleich im Eingang geſagt, in Antwerpen eine glänzende dreihundertjährige Jubelfeier des Geburtstages von Rubens ſtatt, denn am 29. Juni, dem Tage Peter und Paul, im Jahre 1577 wurde er geboren und erhielt jene Vornamen. Seine Familie ſtammte aus Antwerpen, er ſelbſt wurde zu Siegen in Weſtfalen geboren. Nach dem Tode des Vaters kehrte er nach Antwerpen zu⸗ rück; 23 Jahre alt(alſo im J. 1600) ging er nach Italien, wo er 7 Jahre blieb und ſich beſonders an Tizian und Paul Veroneſe bildete. Dann war er bis zu ſeinem Tode in Antwerpen thätig. Er war ein vielſeitig und gründlich ge⸗ bildeter Mann, ein edler Patriot, ein vollendeter Kavalier und wurde mehrfach zu wichtigen diplomatiſchen Sen⸗ dungen verwandt. Er führte in zwei Ehen(mit Iſabella Brant und Helene Fourmenth ein glückliches, dabei zugleich glanz⸗ und ruhmvolles Leben im reichſten Segen der Arbeit. Er, zu Siegen geboren, hatte ein ſieghaft glück⸗ liches Leben. Er erhielt zahlreiche Aufträge von hochge⸗ ſtellten Perſonen und malte in unbegrenzter Vielſeitigkeit und unbegreiflicher Schnelligkeit und Leichtigkeit des Schaffens über tauſend Gemälde, dann ſtarb er 63 Jahre alt, im Jahre 1640. Im J. 1840 wurde zu Antwerpen ein in Erz gegoſſenes Standbild von ihm enthüllt. Eine Abbildung
desſelben findet ſich in Brockhaus Konverſationslexikon unter „Niederländiſcher Kunſt“ Tafel IV. 2.
Nun treten wir von außen in den erſten großen Oberlichtſaalein. Gleich über der Eingangsthür hängt ein Gemälde von Rubens: Venus, Amor, Bacchus und Ceres(Nr. 85.) Nach rechts Venus, unbekleidet, auf einem roten Gewand. Bacchus bietet dem Amor eine Traube, der Venus eine Schale Wein. Links, halb knieend, Ceres, nur mit einem blauen Tuch um die linke Hüfte be— kleidet. Sie hat einen Korb und ein Büſchel Getreide. Das Bild iſt vielleicht eine Illuſtration des lateiniſchen Sprichworts aus dem Eunuch des Terenz: Sine Cerere et Baccho friget Venus, ähnlich dem deutſchen: Wenn die Not zieht ein ins Haus, dann fliegt die Liebe zum Fenſter hinaus. Vergleichen wir damit das links in der Ecke hängende kleine Bild von Poelenburgh aus der holländiſchen Schule des 17. Jahrhunderts, welches dasſelbe Motiv darſtellt, ſo ſehen wir, wie viel ſchöner, anmutiger und decenter doch das Bild von Rubens iſt.
Zwei weitere Bilder hängen in dieſem Saal ſich gegenüber an den Hauptwänden: Das Jeſuskind, ver⸗ ehrt von den Vertretern des büßenden Lebens (Nr. 119) und Diana mit Nymphen, von Satyrn überfallen(Nr. 93). Jenes iſt ein Altarbild. In beiden haben wir Hauptgegenſtände Rubensſcher Gemälde: Darſtellungen aus der heiligen Geſchichte und aus der alten Mythologie. Letztere gab ihm Gelegenheit die antike Welt unverfälſchten und unverhüllten Naturlebens, doch mit einem idealen Schimmer umkleidet, vorzuführen. Gerade in der alten Mythologie erging ſich ſeine Phantaſie mit be⸗ ſonderer Luſt. Hier fand er am meiſten Gelegenheit, un⸗ gezügelte Naturkraft und Fleiſch zu malen. Diana iſt be⸗ kleidet mit einem leichten roten Gewand und einem Pantherfell, links nach hinten ſteht eine Nymphe in blauem Gewand, einen Satyr abwehrend, der ihr einen Kuß rauben will. Ein zweiter Satyr ſtrebt nach rechts, wo zwei andere Nymphen, halb ſcheu halb ſchelmiſch lächelnd, den Überfall erwarten. Schön ſind auch die Hunde gearbeitet, und die Landſchaft zeichnet ſich aus durch einen ungewöhnlich warmen Ton. Auch ſonſt ſtellt Rubens gern die ungezügelten Wald⸗ und Feldgötter halb ſpröden anmutigen Nymphen gegenüber und bringt ſie mit der keuſchen Jagdgöttin ſelbſt in wirkungs⸗ vollen Gegenſatz.
Auf dem Altarbilde ſitzt rechts Maria in hellrotem Gewande und blauem Mantel, in der Mode der Zeit gekleidet. Sie hält mit der Rechten das auf ihrem Schoß ſtehende Chriſtuskind, vielleicht das Porträt eines Söhnchens von Rubens, das liebevoll, verſöhnend und verzeihend auf die


