Friedrich der Große die ehrenden Worte:„Deutſchland hat ſeinen würdigſten Fürſten, ſein Land einen Vater und ich meinen treuſten Freund verloren.“ Von ihm wurde das Schloß Wilhelmsthal gebaut in ſchönem Rokokoſtil mit ſeinem geſchnitzten Getäfel, der Stuckarbeit der Decken, dem wertvollen Geländer der Haupttreppe. In ihm be⸗ findet ſich die Schönheitsgalerie von Joh. Heinrich Tiſch⸗ bein(† 1789). Im 2. und 3. Jahrzehnt des Jahrhunderts war Wilhelm im Dienſte der Generalſtaaten Gouverneur von Breda und Maastricht geweſen und hatte da ſeinen Kunſtſinn ausgebildet und angefangen zu ſammeln. Später erwarb er u. a. eine Sammlung von 68 Bildern, die noch heute den Ruhm unſerer Galerie ausmachen, für 40000 holländiſche Gulden, eine Summe, für die man heute nicht eins der bedeutenderen Bilder Rembrandts erhalten würde. Wir werden von ihm in der Galerie noch drei Bildniſſe ſehen.
Unſere Galerie iſt nicht mehr vollſtändig. Im Jahre 1806 wanderten viele ihrer Hauptſchätze nach Paris und ſind nicht alle zurückgekommen, 38 wertvolle Gemälde kamen nach Petersburg, von dem Erben der Joſephine Beau⸗ harnais, ihrem Sohne Eugen, dahin verkauft, und bilden jetzt dort eine Hauptzierde der Ermitage, der berühmten mit dem Winterpalaſt verbundenen Kunſtſammlung.
Doch können mit unſerer Galerie in Bildern der nieder⸗ ländiſchen Schule auch jetzt noch nur Dresden und München wetteifern, was aber Rembrandt anlangt, ſo übertrifft ſie alle Sammlungen mit Ausnahme der von St. Petersburg. Sie enthält jetzt etwas über 800 Bilder.
Das Reliefbild Wilhelms VIII., von dem wir aus⸗ gingen, iſt ein Werk des vor mehreren Jahren hier ver⸗ ſtorbenen Profeſſors Haſſenpflug, des älteſten Sohnes des bekannten heſſiſchen Miniſters.
Links und rechts vom Eingang ſehen wir in Bildniſchen, deren Verdachung von doriſchen Halbſäulen getragen wird, die überlebensgroßen Sandſteinſtatuen von Rubens(links für den Beſchauer) und Rembrandt (rechts), den Hauptmalern der niederländiſchen Schule, die in unſerer Galerie, wie geſagt, ſo reich vertreten iſt.
Rubens iſt der Hauptvertreter der ſüdnieder⸗ ländiſchen, vlämiſchen Schule, der Schule von Bra⸗ bant oder Antwerpen. Neben ihm ſind beſonders zu nennen Jordaens, van Dyck, Teniers d. J.
Rembrandt iſt der vorzüglichſte Maler der nord⸗ niederländiſchenoder holländiſchen Schule, die haupt⸗ ſächlich in Amſterdam, Leyden und Harlem ihren Sitz hatte. Hierher gehören noch beſonders Frans Hals, Albert Cuyp, Jan Steen, Wouwerman, Ruisdael, Adriaen van Oſtade und Paul Potter.
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Sie gehören alle mehr oder weniger der erſten Hälfte des 17. Jahrhunderts an. Mit dem Jahre 1609, in dem der Abſchluß eines zwölfjährigen Wafefenſtillſtands that⸗ ſächlich die Anerkennung der ſieben vereinigten Provinzen als eines ſelbſtändigen Staates in ſich trug, blühte auch die niederländiſche Kunſt mächtig empor, und in mannigfaltiger Nachbildung des rührigen Lebens entfaltete ſich die Malerei zu hoher Blüte.—
Doch betreten wir das Galeriegebäude. Hier werden wir beim Eintritt überraſcht durch den eigentümlichen, warmen, goldigen Lichtſchein, der über das Trep⸗ penhaus und die Marmorfiguren in demſelben ausgegoſſen iſt. Er rührt her von der matten gelblichen Glasdecke mit ihren feinen roten Ornamenten über dem Treppenhaus und erinnert etwas an die eigentümliche Beleuchtung Rembrandtſcher Bilder, die wir ſpäter ſehen werden.
Die Koloſſalbüſte Kaiſer Wilhelms lJ. in der Niſche der Rückwand des Treppenhauſes, aus karrariſchem Marmor gefertigt, rührt von der Hand des Bildhauers Karl Begas, Lehrers an der Akademie zu Kaſſel. Die auf der Ba⸗ luſtrade aufgeſtellten acht Statuen, ebenfalls aus weißem karrariſchem Marmor, ſind von Profeſſor Echtermeyer in Braunſchweig, gebürtig aus Kaſſel. Dieſe Statuen, die urſprünglich nur in Gips beſtellt waren, fanden ſolche Anerkennung, daß es gelang, 1877 die erforderliche Nach⸗ bewilligung zur Ausführung derſelben in Marmor zu erlangen. Sie wurden 1882 vollendet. Von demſelben Echtermeyer ſind auch die beiden ſchönen Karyatiden am Portal nach der ſchönen Ausſicht hinter der Büſte des Oberpräſidenten v. Möller in hellem Sandſtein ausgeführt. Die acht Statuen ſtellen in lebensgroßen weiblichen Gewandfiguren die Länder dar, in denen die Malerei zur Blüte gelangt iſt, oder die ſich doch um die Kunſt verdient gemacht haben, Griechen⸗ land, Rom, Italien, die Niederlande, Deutſchland, Spanien, Frankreich und England.
Griechenland hält in der Linken einen Lorbeerzweig und ſtützt ſich mit dieſer auf eine Herme der Athene. Der Kopf iſt mit einem Lorbeerkranz umwunden.— Rom hält in der Rechten einen Legionsadler mit der Aufſchrift SP Q R (Senatus populusque Romanus), in der Linken ein Bild der Wölfin, wie ſie die Brüder Romulus und Remus ſäugt.— Frankreich in einem ſchönen faltenreichen Gewande hat die Linke, die an der Wange ruht, auf die untergeſchlagene Rechte geſtützt, in der ſie einen Kranz trägt.— Deutſchland hat in halbſitzender Stellung die Rechte, mit der ſie zugleich den Mantel hält, um die Büſte Dürers gelegt, der ſie mit der Linken, liebevoll auf ſie herabſchauend, einen Kranz aufs Haupt ſetzt.— Dieſer


