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erziehenden Jugend, welches Verfahren selbst auch mit dem Worte Zucht bezeichnet wird.— Welch reiche Mittel bietet uns aber gerade das Gymnasium, um jene Durchbildung des inneren Menschen zu erreichen, dals der Geist des Jünglings geklärt und reif werde zu selbständigem Urteil, sein Herz geläutert, von allem Niederen und Gemeinen abgezogen und hingeführt werde zu einer idealen Auffassung des Lebens, daſs er fähig und tüchtig werde, in treuer Hingabe an sein Amt und sein Vaterland zum Segen desselben zu wirken. Durch bloſse Übung des Gedächtnisses, Ansammeln eines bestimmten Maſses realer, aber toter Kenntnisse und Fertigkeiten, doktrinäres Vortragen von Regeln der Sitte und Bildung werden wir das freilich nicht erreichen,— noch weniger möchte das Wort Zucht mit knechtischer Abrichtung und harter, gewaltsamer Unterdrückung jeder freieren Kraft- entwickelung irgend etwas gemein haben. Nein, dadurch dals wir den Geist zundchst gewöhnen an geordnetes, streng methodisches Denken und Erkennen, in ihm damit das Verlangen wecken zu selbstthätigem Lernen und Forschen, zur Entwickelung und freien Anwendung der geistigen Kräfte und Fähigkeiten und so die Schüler lehren mit Lust und Liebe zu arbeiten, dadurch wird in allmählicher Gewöhnung die erste Zucht geübt. Und welch reiche Bildungsmittel bietet nach dieser Seite z. B. die Mathematik mit ihrer Feinheit der Abstraktion, Schärfe der logischen Präzision und ihrer methodischen Vollendung, wodurch sie dem Schüler ein Muster und Beispiel liefert von wahrhaft systematischer Wissenschaft. Welchen Wert hat nach dieser Seite auch die logische Ordnung einer deutschen Disposition, eine wissenschaftliche Definition, sodann die Grammatik der klassischen Sprachen mit ihrer hohen und klaren Formausbildung, die Betrachtung des Sprachbaus, der ineinandergreifenden Mittel des Gedankenausdrucks, der Formsysteme, des Wortschatzes, der Wortbedeutung, der Lautgesetze. All das bietet in steter analytischer und synthetischer Betrachtung und Anschauung der Denk- und Sprachgesetze und steter Beziehung auf unsere Muttersprache das reichste Mittel zu einer allseitigen harmonischen Ausbildung und Entwickelung der Geisteskräfte und regt an zu selbstdenkendem Forschen und Vergleichen. So dient das bis jetzt Erwähnte im Wesentlichen der Weckung, Pflege und Bildung des begrifflichen Verständ- nisses, der Anregung des jugendlichen Geistes für die Interessen wissenschaftlich methodischer Forschung, — ein wesentlicher Teil der Aufgabe unserer Gymnasien als einer Vorbildungsstätte für die akademischen Studien.— Solches Wecken und Erwerben wissenschaftlicher Fähigkeit und Freudigkeit hat aber noch einen besonderen ethischen Wert. Denn pflanzen wir so den Trieb des Wissens in die jugendlichen Herzen, wecken die Lust zur Erkenntnis und die Freude an wissenschaftlicher Thätig- keit und selbstforschendem Erkennen, dann werden sie in reiner Freude des Forschens, Erkennens und Entdeckens in sozusagen schöpferischer Energie der Gottheit näher gerückt; ist solche Lust an der Arbeit, wissenschaftlicher Sinn und wissenschaftliches Leben im Menschen geweckt, dann hat er darin ein wirkliches Lebensgut, findet darin seine Befriedigung und sucht sie nicht im sinnlichen Ver- gnügen, dann ist er„fröhlich in seiner Arbeit“ und mag sich nicht zur Ruhe setzen, auch wenn ihn nichts daran hindert, dann wird es ihm zur inneren UÜberzeugung, dafs Arbeit das Leben versüfst, zur inneren Überzeugung:„ein unnütz Leben ist ein früher Tod.“— Das ist die segensreiche Zucht durch Gewöhnung an Arbeit, und durch sie schon werden wir wirksam der jetzt so oft beklagten und gerügten Verwilderung und Genuſssucht der Jugend entgegenarbeiten; so entsteht ein wissenschaft- liches Leben, indem die erkennende Thätigkeit der Seele in ihrer idealen Bewegung zu einem rastlosen Suchen der Wahrheit wird, des hinter den Erscheinungen liegenden Wesens der Dinge.
Neben dieser Pflege der Idealität des geistigen Lebens, der Erziehung zur Erforschung der Wahrheit, hat aber unser Gymnasium auch die Aufgabe hinzuführen zur ldealität des sittlich- religiösen und ästhetischen Lebens, zum sittlich Guten und zum Schönen, und es wird auch hierdurch eine um so wirksamere Zucht für das Leben üben, je mehr es ihm gelingt, die Idee als Selbstzweck festzuhalten und alle äufseren Zwecke des Lebens, als Erwerb, Ansehen, Ehre, Wohlgefallen bei den Menschen, von sich und den Herzen seiner Schüler fernzuhalten. Dieses sittlich Gute bietet nun in reichem Mafse der Inhalt der Disciplinen, welche dem Schüler geboten werden. Da steht natürlich in erster Linie der Religionsunterricht, in dem der Lehrer, seine eigene Persönlichkeit und Überzeugung miteinsetzend, am unmittelbarsten Veranlassung hat, die Seelen der Jugend mit den Gedanken des Erhabenen, Vollkommenen und Ewigen zu erfüllen und zu der Uber-


