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derselben mit Aufbietung seiner besten Kraft, mit gewissenhafter, Grofses und Kleines in treue Obhut nehmender Sorgfalt und Einsicht die Leitung des Ganzen in fester Hand gehalten und sich dadurch Verdienste erworben, die heute mit ehrendem Danke hervorgehoben,— die auch in Zukunft nicht vergessen werden sollen.
Jetzt ist der grölste Teil der früher vereinigten Klassen, von der Gesamtanstalt abgelöst, in dieses Gebäude übergesiedelt; und die Lehrer, deren Obhut und Pflege jene Klassen bisher anvertraut waren, haben ihre Schüler begleitet, um das gute Werk an ihnen hier fortzuführen. So darf sich denn die Anstalt, wird sie gleich jetzt erst neu errichtet, dennoch von vorn herein des Segens ererbter, wohl- bewährter Ordnungen und Einrichtungen getrösten.
Auch der Mann, welchem der Herr Unterrichtsminister die Leitung der Anstalt übertragen hat, steht unserer Provinz,— steht unserer Stadt und ihren gymnasialen Verhältnissen nicht als ein Fremdling gegenüber. Er ist schon früher, an der älteren Anstalt hierselbst, mehr als ein Jahrzehnt, hindurch als Lehrer erfolgreich thätig gewesen und hat inzwischen, während er auſserhalb Preufsens in leitender Stellung zu wirken berufen war, wohl seine Erfahrung bereichert und seinen Gesichtskreis erweitert, aber die Liebe zum Heimatlande und die Anhänglichkeit an diese Stadt treu im Herzen bewahrt.
Daher glaubt die Schulverwaltung, in deren Namen zu reden ich die Ehre habe, der zuversicht- lichen Erwartung sein zu dürfen, dafs das ansehnliche Lehrerkollegium, welches fortan in diesen Räumen zu walten hat, unter der kundigen Leitung seines bewährten Direktors dem ihm obliegenden hoch- wichtigen Werke fruchtverheilsende Arbeit zuwenden und in derselben mit Gottes Hülfe gedeihliche Erfolge zeitigen werde.
Und welches ist dieses Werk, dessen Beginn der heutigen Feier ihre Bedeutung giebt? Ein heiliges, ein köstliches Werk! Denn die Blüte unserer Jugend, ihrer Eltern Freude, des Vaterlandes Hoffnung, soll zu einem ansehnlichen Teile hier ihre Herzens- und Geistespflege erhalten und erzogen und herangebildet werden zu Gottes Wohlgefallen und der Mitmenschen Freud und Frommen.
Zucht und Lehre, das ganze innere und äufsere Leben der Schule soll dahin wirken, dafs die Furcht Gottes, aller Weisheit Anfang, in den jugendlichen Herzen immer festere Wurzeln schlage und der Glaube an unsern Herrn und Heiland, Gottes Sohn, in ihnen Gestalt gewinne und behalte. Gottes heiliger Wille soll unserer Jugend als höchste Richtschnur für all ihr Denken und Wollen, für all ihr
Thun und Lassen vor die Seele gestellt werden und die Schule mit all ihren Ordnungen und Erweisungen sich darbieten als erfüllt und bewegt vom Geiste Gottes.
Und aus diesem fruchtbaren Boden eines lebendigen und Leben treibenden Christentums sollen weiter die edelsten Pflanzen hervorsprielsen und ihre Nahrung ziehen. Zunächst und vor allem die treue Liebe zum Vaterlande und die begeisterte Hingebung an unseren allverehrten Kaiser und König. Die Schule, deren Weihe wir heute vornehmen, ist das erste Gymnasium, welches der preufsische Staat in diesem nunmehr mit ihm verbundenen Lande ins Leben gerufen hat. Nun, meine lieben Schüler, so erweist euch denn dankbar und zeigt, was wackere Hessensöhne vermögen, wenn sie, in
Treue und Liebe zur engeren Heimat, wie zum groſsen Vaterlande, Geistes- und Leibeskraft freudig
üben, bilden, mehren, um sie seiner Zeit ebenso freudig, in guten und in bösen Tagen, in den Dienst des Vaterlandes zu stellen und, wenn es not thut, auf seinem Altare zu opfern! Der Schule, deren Weihe wir heute begehen,
ist die hohe Ehre zu teil geworden, dals sie sich nach unserem vielgeliebten Könige und Herrn nennen,
— dass sie den Namen führen darf, der in aller


