Aufsatz 
Das neue Königliche Wilhelms-Gymnasium und die Feier der Eröffnung desselben / Friedrich Heussner
Entstehung
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Am 4. Mai morgens 10 Uhr fand die feierliche Einweihung des Königlichen Wilhelms-Gymnasiums statt. Der Direktor, welcher bereits am 14. April in sein neues Amt eingeführt war, hatte Einladungen an die Königl. Civil- und Militärbehörden, die städtischen Behörden, die Geistlichkeit, das Lehrerkollegium des Königl. Friedrichs-Gymnasium und die Direktoren und Rektoren der übrigen hiesigen Schulen ergehen lassen. Aufserdem hatte jeder der 393 Schüler eine Einladungskarte für einen seiner Angehörigen erhalten. Die Aula war von einer ansehnlichen Festversammlung besetzt; auch Se. Excellenz der Herr Oberpräsident Staatsminister Graf zu Eulenburg und Se. Excellenz der Herr komman- dierende General Freiherr v. Schlotheim beehrten das Fest mit ihrer Gegenwart.

Die Feier wurde eröffnet mit dem unter Orgelbegleitung gesungenen Choral:Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren. Hierauf ergriff Herr Provinzialschulrat Dr. Lahmeyer das Wort und sprach folgendermaſsen:

Hochgeehrte Versammelte! Liebe Schüler!

Ein bedeutsamer, festlicher Anlafs hat uns heute hier vereinigt. Es gilt, ein zum Abschlufs geführtes Werk feierlich einzuweihen; es gilt, ein neu zu beginnendes Werk unter Gottes Segen zu befehlen.

Vollendet ist der Bau dieses Hauses. Auf festem Grunde erhebt es sich. Von dem hoch- gelegenen trefflichen Platze, welchen es den städtischen Behörden unserer Residenzstadt verdankt, schaut es weithin über sein Gebiet. Seine geschmackvollen Formen, seine wohlgeordneten Räume, seine zweckgemäfse Ausstattung sprechen dem Kunstverständnis und der Einsicht der Bauverwaltung, aus deren Plänen es hervorgegangen, unter deren Leitung es emporgewachsen, durch deren Fürsorge es zur Vollendung gediehen ist, einen so beredten und dauernden Dank aus, daſs es hierzu meiner schwachen Worte in dieser flüchtigen Stunde nicht bedarf.

Ja, das äufsere Werk steht, wohl gefügt und harmonisch gegliedert, fertig da und lobt seinen Meister; Gott wolle es erhalten! Das innere Werk aber soll heute seinen Anfang nehmen.

Die Klassen des Gymnasiums, welchem dieses stattliche Haus zugewiesen ist, haben bisher, mit den Klassen der älteren Schwesteranstalt vereinigt, unter der gemeinsamen Leitung des Direktors der letzteren gestanden. Obwohl die Arbeitslast von Jahr zu Jahr drückender wurde, obgleich die Anstalt mehr und mehr noch über den Umfang eines Doppelgymnasiums hinauswuchs, hat der Direktor