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in unseren niederhessischen Gegenden an den Grenzen der Sachsen lange Zeit beschäftigt war. Letztere hatten auf einem ihrer Raubzüge mehr als 30 von Bonifacius gegründete Kirchen zerstört, deren Wiederaufbau seine längere Anwesenheit daselbst erforderte, und er entschuldigt hiermit seine verspätete Huldigung an Stephan; unmöglich also konnte er in dieser Zeit zur Krönung Pipins(die auf einem März- oder Maifeld geschah) in Soissons anwesend sein.
Die Gegner des Bonifacius haben oft auf eine geheime Botschaft desselben an Papst Zacharias im Jahr 751 hingewiesen und darin einen Beleg vermuthet, dass der Missionar doch wohl in die Intrigue eingeweiht gewesen sei; denn in dem Brief, welchen er seinem Gehülfen Lullus nach Rom mitgibt*), bemerkt er, derselbe habe auch„gewisse geheime Aufträge, die er Sr. Heiligkeit(pietati vestrae) mündlich vortragen solle“. Allerdings hat nun die Annahme vieles für sich, dass die Aufträge mit den kurz vor ihrer Ausführung vielleicht bereits ruchbar gewordenen Plänen Pipins in Beziehung standen, zumal da es scheint, dass der Papst jene geheimen Anfragen des Bonifacius auf demselben Weg zu beantworten für gut hielt**†). Aber gerade diese Heimlichkeit führt uns zu der Ver- muthung, dass Bonifacius in jener Insinuation keineswegs zu Gunsten Pipins geredet haben wird; vielmehr scheint es, als ob er aus Gewissensbedenken dem Papst von jeglicher Be- theiligung bei jenem illegalen Act abgerathen habe, denn er erbietet sich in seinem Be- gleitschreiben***), ſalls seine Einmischung seitens des Papstes für unpassend erachtet werde, sich einer Busse zu unterziehen. Sicherlich hat er also hiermit nicht zu Gunsten eines Schrittes gewirkt, bei welchem, wie oben gezeigt wurde, das lateresse Pipins mit dem des Papstes zusammentraf,— denn in diesem Falle hätte sein Einreden keiner Ent- schuldigung bedurft.
*) Epist. 79.
**) Epist. 80. In diesem Brief vom 4. November 751 beantwortet der Papst das Schreiben des Bonifacius Punkt für Punkt, ohne die geheimen Aufträge des Lullus nur zu erwähnen; er muss sie also gleichfalls mündlich beantwortet haben.— Es ist dies derselbe Brief, in welchem der Papst auf verschiedene uns kleinlich erscheinende Anfragen des Bonifacius Antwort ertheilt, z. B. ob er seinen Bekehrten den gewohnten Genuss des Fleisches von Hasen und anderen Waldthieren ferner gestatten dürfe, was der Papst verneint; des- gleichen, wie und wann man Speck oder Schinken geniessen dürfe, worauf der Bescheid lautet:»geräuchert oder gesotten, oder falls der Rohgenuss gewünscht würde, nicht vor Ostern«.— Man erkennt auch in diesen Anfragen des Bonifacius sowie in seinem Ge- sammtverbalten den üngstlich vorsichtigen Missionar, dem es lediglich um genaue Con- formität mit den Formen und Normen der römischen Kirche sowie mit den Anschauungen seines geistlichen Oberhirten zu thun ist, der sich aber gewiss nicht in der Rolle eines
politischen Agenten gefallen oder auch nur zurecht gefunden hätte.
***) Ep. 79.... si quid, ut timendum est, displiceat, ex praecepto sancti apostolatus vestri vel indulgentiam merear, vel dignam poenitentiam persolvam.


