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höchstens auch wohl Unterhandlungen und Bitten zu dem Zweck, um den Edicten der Kirche gegen Ketzer und altbritische Irrlehrer, die ihm so viel zu schaffen machten, durch den weltlichen Arm Nachdruck geben zu lassen. Dagegen findet sich kein thatsächlicher Beleg dafür, dass man von Seiten des Prätendenten sich jemals des Bonifacius bedient hätte, um durch ihn den Papst für die Thronangelegenheit zu gewinnen. Im Gegentheil, man nimmt trotz der päpstlichen Empfehlungsbriefe wenig Rücksicht auf ihn; man sah die angelsächsischen Missionare überhaupt nicht gern, liess vielmehr den von Bonifacius verfolgten fränkischen Irrlehrern(wie z. B. Aldebert) Schutz angedeihen(populares defensores habent), und na- mentlich der fränkische Hofclerus blickte nur mit Eifersucht auf den fremdländischen Ein- dringling, der, nicht zufrieden mit der geistlichen Obermacht über die deutschen Lande, nicht selten auch in die kirchlichen Angelegenheiten des linksrheinischen Frankenlandes ein- redete und der in roher Sittenlosigkeit versunkenen dortigen Geistlichkeit durch seine Moral- predigten gar lästig wurde. Seine Stellung zur fränkischen Regierung war daher niemals eine befriedigende; weder Karl Martell noch Pipin waren kirchlich genug gesinnt, um den Fortschritten des fremden Missionars grosse Aufmerksamkeit zu schenken, und sie waren aus den obigen Gründen nicht einmal gesonnen ihm wesentliche Unterstützung zu Theil werden zu lassen. Es ist uns fast der gesammte Briefwechsel des Bonifacius erhalten ge- blieben*), worunter viele Briefe an die Päpste. Wie häufige Klagen finden wir in den letzteren über Bedrückungen und Einschränkungen von Seiten des fränkischen Hofes! Und wenn er je etwas von dorther zu erlangen sucht, so wendet er sich an den ihm mehr ge- wogenen, frommen Karlmann. Doch dessen Mitregentschaft dauerte nur kurz; er entsagte der Regierung, um sich in das Kloster Monte Cassino zurückzuziehen, und nun war Bonifacius noch mehr verlassen. Daher namentlich aus dieser Zeit seine Klagen über Mangel an Unterstützung. Er kann den Concilienbeschlüssen gegen die falschen Priester(altbritischer Herkunft, die er, weil sie in Betreff der Priesterehe der altapostolischen Ueberlieferung folgen, adulteros nennt) sowie gegen andere Irrlehrer keinen Nachdruck geben, weil ihm der weltliche Arm nicht zur Seite steht**ε). Vergeblich sind seine Vorstellungen gegen den Leichtsinn, mit dem der Hof vacante Bisthümer an unwürdige Günstlinge verschleudert. Die Bisthümer Rheims und Trier hatte ein roher Krieger, Milo, usurpirt, der seine ange- masste Autorität benutzte, um die Kirchen und Klöster seiner Diöcesen in brutalster Weise zu plündern; den Mainzer Stuhl schändete ein offenkundiger Meuchelmörder, Gewilieb, welchem ausserdem Jagd, Hunde und Falknerei weit mehr als alle geistlichen Amtspflichten am
*) Dieser Briefwechsel ist verschiedentlich veröffentlicht worden; ich werde in den nach- folgenden Citaten der bei weitem vortrefflichsten Ausgabe von Jaffé in der Bibliotheca rerum Germanicarum tom., III. Monumenta Moguntina, Berlin 1866, folgen.
**) Epist. 66. 79. 80 al.


