Aufsatz 
Bonifacius und der Staatsstreich Pipins im Jahre 752 7 / von Heuser
Entstehung
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dieses Volkes und dessen Plänen auf die Eroberung Unteritaliens erscheint es als eine ganz natürliche Politik, wenn man den Frankenherrscher für immer in sein Interesse zu ziehen suchte, der nõthigenfalls im Rücken des Feindes eine heilsame Diversion machen konnte. Noch weit mehr aber hatte Pipin selbst Ursache mit dem Papst in Einvernehmen zu treten, wenn er seinen lange erwogenen Plan auszuführen gedachte. Denn wenn auch von seinem Vater und ihm selbst alles zur Erlangung der Krone vorbereitet war, so stand einem solchen Schritt doch immer noch die Anhänglichkeit der Franken an das merovingische Herrscherhaus*) sowie auch die Eifersucht der bairischen und alaman- nischen Grossen im Wege, die einen früheren Versuch derselben Majordomusfamilie zur Erlangung der Königswürde, der von Pipin von Heristal schon gegen das Ende des siebenten Jahrhunderts unternommen wurde, damals noch vereitelt hatten. Wenn aber jetzt der Ueber- gang der Krone auf Pipin die kirchliche Sanction erhielt, so gewann er dadurch den Schein der Legalität und liess alle Versuche des Widerstandes dagegen als Rebellion gegen das geistliche und das weltliche Oberhaupt zugleich erscheinen. Da nun auch zu dieser un- zweifelhaften Geneigtheit beider Mächte zu einem wechselseitigen Anschluss die bestimmtesten Versicherungen der später anzuführenden Quellen hinzukommen, so kann man kaum begreifen, wie eine so natürliche Thatsache jemals bestritten werden konnte. Dass nun aber nicht Bonifacius der Vermittler sein konnte, um jenen Compromiss zwischen Pipin und Papst Zacharias zu Stande zu bringen, ist nicht schwer zu erkennen. Er war durchaus nicht der Mann, den man mit einer diplomatischen Unterhandlung dieser Art hätte betrauen können; denn wenn ihn auch seine geistliche Stellung als Erzbischof und Primas von Deutschland sowie als Legat St. Peters dazu hätte befähigen können, so blieb sein Wirken stets doch nur das des redlichen Missionars, der seine Amtsmacht lediglich dazu benutzte, durch Gründung von Bisthümern und Klöstern die Ausbreitung des Evangeliums nach Kräften zu fördern, Irrlehrern entgegenzutreten, die rechtliche Stellung seiner Stiftungen zu ordnen und die Autorität und kirchlichen Oberhoheitsrechte des römischen Stuhles in seiner Diöcese sowie überhaupt diesseits des Rheins zu sichern. Zudem stand er auch durchaus nicht in so vertrautem Verhältniss zur Majordomusfamilie, als dass man ihm die Rolle eines Unterhändlers in dieser wichtigen Angelegenheit hätte übertragen können. Er hatte seine Wirksamkeit in Deutschland zwar nicht ohne Erlaubniss und einige Unterstützung der fränkischen Regierung angetreten, und er stand auch mit der Herrscherfamilie, nament- lich mit dem mehr kirchlich gesinnten Karlmann, Pipins Bruder und Mitregenten, fortwährend in Briefwechsel. Dieser betraf aber nur kirchliche Angelegenheiten, Ankäufe von Ländereien und Leibeigenen zum Dienste der Kirche, Dotirung der neu gegründeten Klöster und Kirchen,

*) Löbell, Gregor von Tours und seine Zeit, S. 222 flg.