24 an seinem Ehrentage in reichstem Maſse. Eine groſse Anzahl früherer Schüler des städtischen Gymnasiums hatte sich vereinigt, um eine von Künstlerhand ausgestattete Adresse zu über- reichen, in der die bleibenden Verdienste hervorgehoben waren, die der Jubilar als wissen- schaftlicher Forscher in gleichem Maſse wie als Lehrer und Erzieher der Jugend sich erworben hat. Von der beabsichtigten Feier des Tages muſste leider Abstand genommen werden. Zu unserem schmerzlichen Bedauern war Herr Prof. Dr. Mommsen, der nach seinem Ubertritt in den Ruhestand mit ungeschwachter geistiger Kraft und Frische wissen- schaftlichen Arbeiten obgelegen und im vorausgehenden Jahre noch ein grossangelegtes Werk zum Abschlufs gebracht hatte, grade in den letzten Wochen vor seinem Geburtsfeste von einem schweren Leiden befallen worden, das zu den ernstesten Besorgnissen Anlaſs gab. Unter diesen Umständen konnte auch der Unterzeichnete nur durch einen schriftlichen Glückwunsch den Gefühlen treuer Anhänglichkeit und verehrungsvoller Dankbarkeit Aus- druck geben, die das Lehrerkollegium beseelten. Möge dem hochverdienten Gelehrten und Schulmann eine baldige Wiederherstellung seiner Gesundheit und ein freundlicher Lebensabend beschieden sein.
2. Gesundneitszustand der Schüler, Todesfall.
Der Gesundheitszustand der Schüler war während des gröfseren Teils des Jahres ein befriedigender. Nur in den letzten Winterwochen machte sich die in der Stadt herrschende Influenzaepidemie aufs unangenehmste bemerkbar. Die Erkrankungen waren so zahlreich, daſs in manchen Klassen zu Zeiten die Hälfte der Schüler fehlte. Die längere Schulversäumnis grade in dem Abschnitt des Jahres, auf den wegen der bevorstehenden Versetzung naturgemäfs das Hauptgewicht fällt, hat leider für einzelne Schüler namentlich der unteren Klassen die Folge gehabt, daſs sie in den wenigen Wochen, die sie nach ihrer Genesung dem Unterricht noch beiwohnen konnten, nicht mehr imstande waren die Lücken auszufüllen und das Klassenziel zu erreichen.
Ein schmerzlicher Verlust traf die Anstalt durch den am 1. Januar d. J. erfolgten Tod des Quintaners Wilhelm Greuling. Der brave und strebsame Knabe, der bereits im vorgehenden Jahre einer schweren Erkrankung wegen längere Zeit den Schulbesuch hatte aussetzen müssen, war am Ende des Sommerhalbjahres auf das Land geschickt worden, um seine geschwächte Gesundheit zu kräftigen. Dort wurde er aufs neue von einem bösartigen Leiden ergriffen, dem er nach kurzer Zeit erlag. Seine Lehrer und Kameraden werden ihm ein freundliches Andenken bewahren.
3. Schulfeste und Prüfungen.
Das Maifest wurde am 16. Mai in hergebrachter Weise durch Ausflüge der einzelnen Klassen unter Leitung ihrer Klassenlehrer gefeiert; es war von freundlichem Wetter begünstigt.
Die hundertundfünfzigste Wiederkehr von Goethes Geburtstag, in ganz Deutsch- land mit freudiger Begeisterung begangen, gestaltete sich namentlich für unsere Stadt zu einem groſsartigen Jubelfeste. Die Gedenkfeiern, die unserem grõſsten Dichter geweiht


