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hatte, und der Stoff strömte ihm hier nicht so reichlich zu, wie in der griechischen Sage dem Callimachus. Kriegs- thaten, dies hat er ja mehrfach ausgesprochen, sind es nicht, zu deren Preis er sich berufen fühlt. So weist er auch hier die Grossthaten des römischen Volkes einem rauheren Herolde, dem Ennius zu; sein eigenes Lied will reden lassen, was aus der römischen Vergangenheit sich in die Gegenwart gerettet hat*). Der Sagengehalt, welcher sich an Festtage, an Gottesdienst, an Orte knüpft, lockt ihn zu freier Behandlung in der fein ausmalenden Elegie, wo die Phantasie des Dichters den nebelhaften Schatten der Vorwelt Farbe und Leben geben soll. Was enthält nun diese zweite Elegie anders, als einen Ausdruck düsterer Stimmung, die ihn umwandelt, wenn er zu fühlen glaubt, dass seine Dichterkunst sich in jener unseligen Leidenschaft für Cynthia verzehrt habe, dass sie einer neuen so grossen Aufgabe nicht mehr gewachsen sei? Wie hat er nun den Gedanken, dass Cynthia ihm verhängnis- voll geworden sei, Ausdruck gegeben? In einer den Zeit- genossen und ihrem Aberglauben ausserordentlich nahe- liegenden Weise. Einem Astrologen legt er den Nachweis in den Mund, dass sein Leben so und nicht anders habe verlaufen müssen: sostehe es in den Sternen geschrieben. Um alle Dichterkränze, auf die er durch angestrengte Thätigkeit hoffen dürfte, so heisst es, werde ihn ein einziges Mädchen bringen, umsonst werde er ringen, sich diesen Sklavenbanden zu entwinden.— Hier folgt nun eine Lücke und dann der dunkle Schluss der Weissagung: Kein Sturm auf der See, keine Feindeswaffen können dir schaden,
*) Anmerk. v. 61. Ennius hirsuta cingat sua dicta corona ist sicher unrichtig überliefert, und dem Sinne nach ist das von Bährens vorgesehlagene: sua tempora oliva richtig; denn der Dichter bekränzt sich, nicht sein Gedicht oder gar seine Worte; doch kann der Fehler auch in cingat sua dicta stecken und hirsuta corona Abl. qnalit. sein, so dass vielleicht der Vers lautete: Ennius hirsuta fundat sua dicta corona. Oder sollte für cingat zu schreiben sein pangatl


