Aufsatz 
Beiträge zur Erklärung des Propertius / von Professor J. Hetzel
Entstehung
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habe hier etwa ein Spottgedicht auf einen Wahrsager vor sich, bedarf für den, welchem das ganze Gedicht gegen- wärtig ist, keiner Widerlegung. Das Gedicht ist ernst gemeint und steht im beabsichtigten Widerspruche mit dem ersten. Properz ist durchaus Lyriker. So scharf er auch Personen zu characterisieren, so drastisch er Vor- gänge zu schildern weiss, so ist doch der Ausdruck von Seelenzuständen, von Stimmungen das, wozu er vorzugs- weise Trieb und Talent hat. Was er so oft, so eindringlich, namentlich auch Freunden gegenüber und in den einleiten- den Liedern mehrerer Bücher über die Eigentümlichkeit seines Dichterberufs ausführt, darf ebensowenig als Form oder Vorwand, an ihn gerichtete Wünsche abzulehnen, angesehen werden, als es auf Rechnung seiner leiden- schaftlichen Liebe zu setzen ist. Vielmehr ist es gerade diese lyrische Beanlagung, welche das immer neue Auf- flammen jener Leidenschaft erklärt. Sie ist mit einem, ebensounbezwingbaren Triebe zu poetischem Schaffen, dem alles Erlebte zum Gedicht wurde, innig verwachsen. Ist es da zu verwundern, dass, nachdem jene Flammen erloschen, er der Mens Bona sich zugewandt und eine sicher schon in den ersten Jünglingsjahren ihn lockende Aufgabe ganz anderer Art mit Ernst ergriffen hat, dennoch Stimmungen ihn ergreifen, die ihn abziehen, wenn der neue Stoff ihm manchmal spröde erscheint, und es seinem Talente nicht immer leicht gelingen will, ihn zu eigner Befriedigung zu gestalten? Bricht nicht in der Tarpejaelegie die erotische Lyrik in lichten Flammen durch? Doch mag man auch annehmen, er habe sich selbst richtig beurteilt, wenn er im 10. Liede des zweiten Buches nur seinen jüngeren Jahren die erotische Lyrik zuweist, mag man zugeben, dass jene Gabe objectiver Schilderung, jener Blick für charakteristische Züge, die gerade in einigen Stücken des 5. Buches hervortreten, seiner Dichterader eigen seien und nur geweckt und gepflegt werden mussten, so war es immerhin ein neues Gebiet, das er zu erschliessen