11—
betrifft:„indem der Dichter in v. 41 u. 42 seine eigene Treue und Anhänglichkeit der Handlungsweise Cynthias kontrastierend gegenüberstelle, gewinne das Ganze einen wirkungsvollen Abschluss“, so kann ich trotz der bei- gebrachten Parallelen nicht beistimmen. Denn diese Verse
Nos uxor nunquam, nunquam diducet amica: Semper amica mihi, semper et uxor eris
enthalten doch wahrlich eine Zusicherung, die nur Grund hat, wenn auch Cynthia treu ist; und selbst wenn, was ich nimmer zugeben kann, hier nur von Propertius Treue eine Versicherung vorläge, so wäre dieser neue Gedanke in solcher Kürze nicht geeignet, die ausführliche Klage über Cynthias Untreue und die herrschende Sittenlosigkeit abzuschliessen. Der kräftige Schluss, der auf die ersten Zeilen zurückweist, liegt ausgesprochen in v. 40:
quam peccare pudet, Cynthia, tuta sat est.
Das ganze Gedicht handelt eben, genau gesagt, weniger von Untreue, als von dem Verfall der pudicitia der Frauen. In Betreff der Verse 41 u. 42 muss ich hiernach an dem im Programm von 1876 Aufgestellten festhalten.
II., 10(L. III, 1). Welchen Einfluss auf die Er- klärung dieses Liedes die Hypothese Lachmanns über die Büchereinteilung unseres Dichters geübt hat, zeigt ein Blick auf diese Elegie bei Scaliger und den von ihm abhängigen Ausgaben einerseits und andererseits bei den neueren seit Lachmann. Dort ein Cynthialied, bestehend aus den zwei letzen Distichen von El. 9, dann aus Fl. 10 u. 11, hier in 10 ein Lied oder Fragment zur Eröffnung einer neuen Reihe, welches Verherrlichung des Augustus in epischer Dichtung in Aussicht stellt, während das 11. Stück abgesondert wird mit der Erklärung: Hi versus quo pertineant nec scio, nec scire laboro. Dass man sich an dieser Stelle bei Rätselhaftem beruhigt, kann der Zu- stand rechtfertigen, in welchem uns dieser Teil des Textes überliefert ist.


